Geburten von

Kranker Kaiserschnitt?

Warum betroffene Kinder öfter krank sind und später Lernprobleme haben.

Baby, Symbolbild © Bild: Thinkstock

Bei Mona Bayr musste es sehr schnell gehen. Drei Wochen vor ihrem errechneten Geburtstermin wurde die 37-Jährige aufgrund eines Blasensprungs ins Krankenhaus gebracht. Den behandelnden Ärzten war sofort klar, dass sie einen Notkaiserschnitt durchführen müssen, denn die Herztöne ihrer Tochter waren viel zu schwach. "Für mein Kind und mich war es die beste Entscheidung, auch wenn ich mir eine Spontangeburt gewünscht hätte", so Bayr.

Die Jungmama ist eine von jenen zwölf bis 17 Prozent aller Frauen, bei denen spontan ein medizinisch notwendiger Kaiserschnitt (Sectio) durchgeführt werden muss. "Sobald auch nur das geringste Risiko für Mutter und Kind besteht, erfolgt die Geburt operativ“, sagt Gynäkologe Andreas Nather.

Doch die Kaiserschnitt-Rate ist weitaus höher. In den letzten 15 Jahren hat sich der Anteil fast verdreifacht. Heute kommen bereits 30 Prozent aller Putzerl auf diese Weise zur Welt. Doch warum? Eine aktuelle Studie des "Wiener Programms für Frauengesundheit“ argumentiert, dass es sich in den meisten Fällen um geplante Kaiserschnitte handelt, etwa bei Mehrlingsgeburten, Frühgeburten oder Beckenendlagen.

Hebamme Ursula Walch widerspricht. Für sie sind das noch lange keine zwingenden Gründe. "Viele Eingriffe sind unnötig. Eine natürliche Geburt ist heute so angstbesetzt, da wollen die Frauen lieber kein Risiko eingehen und entscheiden sich schon beim kleinsten Bedenken für die Schnittgeburt."

Die Folgen eines Kaiserschnitts

Dabei werden häufig die Langzeitfolgen nicht bedacht. Ein Kaiserschnitt kann nämlich auch auf die Gesundheit des Kindes langfristige Auswirkungen haben. Bei einer natürlichen Geburt kommt das Baby im Geburtskanal automatisch mit Bakterien der Mutter in Kontakt, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Immunsystems spielen. Dem Kaiserschnitt-Kind fehlt das. Daher ist etwa seine Darmflora von Anfang an deutlich geringer. Die möglichen Folgen: Ein um 46 Prozent erhöhtes Risiko für Durchfallerkrankungen im ersten Lebensjahr sowie eine doppelt so häufige Unverträglichkeit von Lebensmitteln.

Auch die Gefahr an Diabetes zu erkranken ist für Kaiserschnitt-Kinder - laut einer aktuellen Studie des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum München - doppelt so hoch. Aber nur, wenn auch die Eltern Diabetes haben.

Asthma-Gefahr durch Kaiserschnitt

"Darüber hinaus wird durch den natürlichen Geburtsvorgang die Lunge des Kindes besser ausgebildet. Das Fruchtwasser wird automatisch aus den Lungen des Babys gepresst. Und es werden bestimmte Hormone freigesetzt, welche die Reifung der Organe beschleunigen", so Kinderarzt Klaus Vavrik. Bei Kaiserschnitt-Babys fehlt dieser Prozess. Deshalb steigt die Gefahr um etwa 20 Prozent, an Asthma zu erkranken. Gleichzeitig haben sie ein siebenfach höheres Risiko, eine Allergie zu bekommen, wenn auch die Mutter eine hat. Lässt sich das vermeiden? "Ja, wenn man vor der Geburt mit Probiotika vorbeugt", weiß Gynäkologe Nather.

Doch nicht nur organische Erkrankungen drohen Kaiserschnitt-Kindern - wie eine weitere Studie aus Schottland zeigt: Kommt ein Kind zwei Wochen zu früh zur Welt, verdoppelt sich das Risiko für spätere Lernschwierigkeiten. Daran ist aber nicht die Operation selbst schuld, sondern die etwas verfrühte Geburt. Weil dem Kind wichtige Zeit im Mutterleib fehlt.

Paul Sevelda, Gynäkologe und Präsident der Österreichischen Krebshilfe, fasst daher zusammen: "In den meisten Fällen kann sich eine Frau nach einer natürlichen Geburt viel schneller um das Kind kümmern, auch beim Stillen gibt es weniger Schwierigkeiten. Wenn die Chance auf eine natürliche Geburt besteht, profitiert das Kind auf alle Fälle mehr davon."

Gefahren für die Mütter

Nicht nur das Kind profitiert, auch die Mutter, sagen zahlreiche Mediziner. "Ein Kaiserschnitt ist nun einmal eine Bauch-Operation, die man nicht unterschätzen darf", so Gynäkologe Nather. Infektionen, Wundheilungsstörungen oder Thrombosen sind immer möglich. Darüber hinaus wird bei jeder folgenden Schwangerschaft eine natürliche Geburt erschwert. "Ich bin dafür, dass Frauen trotzdem eine Spontangeburt probieren, auch wenn sie davor einen Kaiserschnitt hatten. Wovon ich aber auf jeden Fall abrate, ist eine Hausgeburt. Ab dem zweiten Kaiserschnitt sollte eine Frau keinesfalls mehr vaginal entbinden, da sonst die Gebärmutter reißen könnte", warnt Nather. Laut Studie entbinden ohnehin nur rund 23 Prozent der Frauen, die schon einen Kaiserschnitt hatten, spontan. Bei jenen, die zuvor keine Sectio hatten, sind es immerhin 78 Prozent.

Daniela Behacker hatte sich ebenfalls eine Spontangeburt gewünscht. Ihr wurde aber aufgrund einer früheren Operation davon abgeraten. Trotzdem musste sie sich nach ihrem ersten Kaiserschnitt ständig vor anderen Müttern rechtfertigen. "Das hat mich fertig gemacht", sagt die 37-Jährige. Und sie ist kein Einzelfall. "Die psychische Belastung ist bei vielen Frauen sowieso schon sehr groß. Sie haben das Gefühl, versagt zu haben. Oft kommen auch Verlustängste gleich nach der Geburt dazu, weil das Kind schnell versorgt werden muss und nicht gleich zur Mutter gebracht wird", sagt Psychologin Judith Raunig. Umso schlimmer sind dann Negativ-Reaktion aus dem persönlichen Umfeld der Mutter.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die Kaiserschnitt-Technik hat sich in den letzten Jahren stark verbessert, es wird weniger geschnitten und mehr gedehnt. Das Gewebe heilt schneller und Narben sind heute kaum noch sichtbar. Und wenn Mediziner sagen, dass Kaiserschnitt-Müttern Glückshormone, die sonst natürlich sind, fehlen, widerspricht Nicole Riedl vehement: "Ich hatte alle Zustände, die natürlich Gebärende auch haben", sagt die Jungmama, die vor sechs Wochen Sohn Fabian zur Welt brachte. Zunächst schien bei ihr alles problemlos zu laufen. Als neun Stunden nach dem Blasensprung die Wehen noch immer auf sich warten ließen, leiteten die Ärzte die Geburt ein. "Ich wollte einfach nur, dass Fabian heil zur Welt kommt."

Also was jetzt: Kaiserschnitt - ja oder nein? "Frauen sind heute sehr selbstbestimmt. Warum sollen sie also nicht auch über die Geburt ihres Kindes entscheiden dürfen. Selbst wenn keine Gefahr in Verzug ist", meinen Kaiserschnitt-Befürworter. Hebammen sind da völlig anderer Meinung: "Wenn der Kaiserschnitt der natürliche Weg wäre, hätten wir einen Reißverschluss am Bauch", sagt Ursula Walch.

Die Antwort geben die Frauen selbst: Nur 1,5 Prozent aller werdenden Mütter wünschen sich von Anfang an einen geplanten Kaiserschnitt.

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Kommentare

Manfred Trapitsch

Weniger lapidare Aussagen wie "Wenn der Kaiserschnitt der natürliche Weg wäre, hätten wir einen Reißverschluss am Bauch", , wären hier vielleicht hilfreicher, für Frauen die keine andere Wahl haben ist der Inhalt dieses Artikels eher abschreckend.

Für alle Frauen, die sich eine normale Geburt wünschen und vor allem für Mütter nach Kaiserschnitt gibt es ein tolles Buch zum Thema. Es heißt: "Meine Wunschgeburt-Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt"! Hier werden Frauen endlich mal gut aufgeklärt und mir hat das Buch geholfen einen weiteren Kaiserschnitt zu vermeiden.

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