Erklärt von

Feiertage & ihre
wahre Bedeutung

Fronleichnam, Siebenschläfertag & Co. - Was gibt es da eigentlich zu feiern?

Freunde feiern © Bild: iStockphoto.com

Was zu Weihnachten und zu Ostern gefeiert wird, weiß jeder. Dass es Mitte Mai fast jedes Jahr ziemlich kalt werden kann, ist auch den meisten bekannt. Aber können Sie sich noch erinnern, worum es zu Fronleichnam geht, was es mit dem Siebenschläfertag auf sich hat und warum wir am 15. August alle frei haben?

Es gibt viele Bräuche, Rituale und Traditionen, die noch vor zwei Generationen allgemein bekannt waren, aber jetzt nicht mehr jedem geläufig sind. Das hat damit zu tun, dass die meisten Feiertage in Österreich christlichen Ursprungs sind und der Einfluss der Kirche auf den Alltag stark abgenommen hat. Andere Bräuche hängen mit einem bäuerlichen Leben zusammen, das nicht mehr viele führen. Doch selbst wenn man sich nicht für Religion und Tradition interessiert, ist es doch interessant zu wissen, warum man an manchen Tagen nicht zur Arbeit muss.

2. Februar: Mariä Lichtmess

40 Tage nach Weihnachten wird das Fest "Darstellung des Herrn", auch "Mariä Lichtmess" genannt, gefeiert. "Zur Zeit Christi galt ein erstgeborener Sohn als Eigentum Gottes und musste in den Tempel gebracht werden. Das taten die Eltern 40 Tage nach der Geburt, weil die Mutter bis dahin als unrein angesehen wurde und ein Reinigungsopfer darzubringen hatte", erklärt Nora Witzmann, Kuratorin im Volkskundemuseum in Wien. Schon seit Mitte des fünften Jahrhunderts wurde dieser Tag mit Lichterprozessionen gefeiert. An Mariä Lichtmess wurden die Kerzen für den liturgischen Gebrauch geweiht und Dienstboten bekamen ihren Lohn.

3. Februar: Blasiustag

Der heilige Blasius, ein Märtyrer aus dem vierten Jahrhundert, zählt zu den 14 Nothelfern. Der Blasiussegen, der mit zwei gekreuzten Kerzen gespendet wird, soll gegen Kopf-, Hals-und Ohrenschmerzen helfen. Früher war am Blasiustag arbeitsfrei.

28. Februar: Faschingsdienstag

Der Fasching geht wahrscheinlich auf vorchristliche Rituale zurück. Die Menschen versuchten, den langen Winter zu vertreiben, indem sie sich als Geister und Kobolde verkleideten. Im Mittelalter duldete die Kirche den Brauch. Die Geistlichen wussten vermutlich, dass die Gläubigen die Fastenzeit eher durchhalten konnten, wenn davor umso mehr erlaubt war. Früher fanden in ganz Österreich Maskenumzüge statt, auch in Wien. Weil diese immer wieder behördlich beschränkt wurden, etablierte sich allmählich die Ballkultur.

1. März: Aschermittwoch

Die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern beginnt. "Die Fastenzeit entspricht aber auch dem natürlichen Kreislauf", sagt Nora Witzmann. "Gegen Ende des Winters gingen die Vorräte zur Neige. Das war vor allem für die ärmere Bevölkerung eine harte Zeit." In der Kirche spendet der Pfarrer das Aschenkreuz als Symbol der Sterblichkeit der Menschen.

19. März: Josefstag

Der heilige Josef, der Ziehvater von Jesus, galt als Sinnbild der Treue und wurde daher als eine Art himmlischer Heiratsstifter angesehen. Mädchen und Burschen beschenkten einander an diesem Tag, junge Paare heirateten gerne am 19. März.

12. bis 15. Mai: Eisheilige

Die Eisheiligen -Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie - sind eine meteorologische Singularität. Sie können anzeigen, wann es die stärksten Temperaturabweichungen gibt. "Zwar nicht direkt zu den Eisheiligen, aber zehn Tage danach zeigt die Statistik einen Ausreißer nach unten", sagt Meteorologe Thomas Wostal von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)."Man vermutet, dass das mit der Kalenderreform zusammenhängt: Beim Wechsel zum gregorianischen Kalender wurden zehn Tage ausgelassen und die Eisheiligen dadurch verlegt." Markant sticht auch die Schafskälte heraus, die Mitte Juni einen Kälteeinbruch bringen kann. "Warum Singularitäten auftreten, ist noch nicht wissenschaftlich gesichert geklärt", sagt Wostal. Sicher ist, dass ihnen nicht einmal der Klimawandel den Garaus machen kann. Die Abweichungen nach oben werden aber stärker, jene nach unten schwächer.

15. Juni: Fronleichnam

Der Feiertag, der 60 Tage nach Ostern begangen wird, ist das Fest der leiblichen Gegenwart Christi in der Eucharistie. Das Wort kommt vom mittelhochdeutschen "vrôn", also "Herr", und "lîcham", was "Leib", nicht "Leiche" bedeutet. Das Fest wurde im 13. Jahrhundert eingeführt, um den Glauben zu stärken, und schon früh mit Prozessionen gefeiert, bei denen die Hostie in einer Monstranz vorangetragen wird. "Die Protestanten lehnten Fronleichnamsprozessionen als Spektakel ab, weshalb sie durch die Gegenreformation erst recht wieder in Szene gesetzt wurden", erklärt Volkskundlerin Witzmann.

24. Juni: Johannistag

Der Bibel zufolge ist Johannes der Täufer ein halbes Jahr älter als Jesus. Daher wird am 24. Juni der Tag seiner Geburt gefeiert. Die Bräuche zum Johannistag sind eng mit der Sommersonnenwende und dem Sommerbeginn drei Tage zuvor verbunden. Johannisfeuer werden angezündet; in dieser Nacht gesammelten Kräutern wurde besondere Heilwirkung zugeschrieben.

27. Juni: Siebenschläfertag

Der Siebenschläfertag ist ein Lostag. Laut einer Bauernregel bleibt das Wetter dieses Tages sieben Wochen lang erhalten. "Wenn man sie mathematisch testet -Regen am 27. Juni bedeutet sieben Wochen Regen -, hat die Regel eine schlechte Trefferquote", sagt Meteorologe Wostal. "Man weiß aber, dass sich Ende Juni der Sommer entscheidet. Wenn sich um diese Zeit ein stabiles Hochdruckgebiet eingestellt hat, bleibt das bis weit in den Juli und manchmal sogar August so. Das Gleiche gilt für wechselhaftes Wetter." So betrachtet taugt der Siebenschläfertag als Anhaltspunkt ganz gut.

15. August: Mariä Himmelfahrt

Der Marienfeiertag wurde im fünften Jahrhundert eingeführt und gilt als Frauentag. In den Kirchen werden an diesem Tag Kräuter geweiht. Der Hintergrund: Manche Heilkräuter sind durch die warme Sonne im August besonders wirksam.

25. November: Hl. Katharina

Katharina von Alexandrien ist eine der bekanntesten Heiligen. "Kathrein sperrt Tanz und Geigen ein", hieß es früher, weil am 25. November noch einmal ordentlich gefeiert wurde, bevor der Advent begann, der ursprünglich eine Fastenzeit war.

4. Dezember: Hl. Barbara

Auch die heilige Barbara war sehr beliebt. An ihrem Namenstag stellt man Obstbaumzweige ins Wasser. Blühen die Knospen bis Weihnachten auf, soll das Glück bringen. Früher wollte man so ablesen, wie die nächste Obsternte ausfallen würde.

21. Dezember: Raunächte

Nach der Wintersonnenwende beginnen die Raunächte, die bis zum 6. Jänner dauern. Es war eine beliebte Zeit für Orakelbräuche, Mädchen riefen etwa den heiligen Thomas an, er möge ihnen im Traum den künftigen Ehemann zeigen. Dem Aberglauben zufolge geht in diesen Nächten die Wilde Jagd um. Man darf keine Wäsche aufhängen, damit sich die bösen Geister nicht darin verfangen können, und geht mit Weihrauch und Weihwasser durch Haus und Stall, um sich und das Vieh zu schützen. "Es ist verständlich, dass solche Bräuche genau um diese Zeit aufkamen", sagt Witzmann, "gefördert durch Finsternis und Winterstürme und weil viele Arbeiten ruhten" - die Menschen hatten nun Zeit, der Fantasie ihren Lauf zu lassen.

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