Angelika Mlinar - von
Anfängerfehlern gestoppt

Die NEOS-Spitzenkandidatin schafft trotzdem die Rückkehr nach Brüssel

Angelika Mlinar siedelt wieder nach Brüssel. Auch bei ihrem zweiten Antreten bei einer bundesweiten Wahl haben die NEOS den Einzug geschafft. Geschuldet ist dies wohl mehr der günstigen Stimmungslage für die pinken Newcomer als ihrer Spitzenkandidatin, die sich im Wahlkampf etliche Fehler geleistet hatte und das, obwohl sie als Ex-EU-Mitarbeiterin eigentlich als Frontfrau prädestiniert schien.

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Angelika Mlinar im EU-Wahlkampf © Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

Ginge es bei Wahlen nur nach fröhlichem Auftreten, hätte die letzte Parteichefin des Liberalen Forums wohl noch ein deutlich besseres Ergebnis ins Ziel gebracht. Auch von Rückschlägen unbeeindruckt lachte sich die Kärntner Slowenin durch den Wahlkampf und posaunte ihre Liebe zu Europa durchs Land. Journalisten wurden sogar in ihre Wohnung eingeladen, was freilich mit Spott über ihre Einrichtung und den Inhalt ihres Bücherregals wenig gedankt wurde.

Protestwelle nach Auftritt in "Pressestunde"

Das wäre leichter auszuhalten gewesen als die Protestwelle, die Mlinar mit ihrem Auftritt in der ORF-"Pressestunde" auslöste. Das Ja zu einer EU-Armee und den Vereinigten Staaten von Europa ist in Österreich schon eine heikle Position, dass sie aber auch noch über die Privatisierung von Wasser und Gesundheitssystem sinnierte, bot der politischen Konkurrenz dann die willkommene echte Angriffsfläche. Parteichef Matthias Strolz blieb nichts anderes übrig, als persönlich auszurücken und die Positionen seiner Spitzenkandidatin zu relativieren.

Überhaupt sollten die Fernseh-Auftritte Mlinar nicht viel Glück bringen. Bei einer "Puls 4"-Debatte mit den Spitzenkandidaten fast aller Parteien landete sie bei den - begleitet durchgeführten - Umfragen zur Performance der Teilnehmer beständig am letzten Platz, und als sie bei der letzten Elefanten-Runde vor der Wahl im ORF einer fiktiven Mindestpensionistin erklären sollte, was dieser die EU bringt, rutschte der NEOS-Frontfrau ein "Scheiße, das ist echt schwierig" heraus.

Mlinar inhaltlich nicht immer sattelfest

Auch inhaltlich wirkte Mlinar nicht immer sattelfest, was insofern überraschte, als sie schon im Europaparlament tätig war, nämlich in den 1990er-Jahren als Mitarbeiterin für Friedhelm Frischenschlager vom Liberale Forum, dessen Chefin sie später werden sollte - allerdings erst 2009 und damit zu Zeiten, wo es eigentlich aussichtslos schien, dass Liberale in absehbarer Zeit wieder in den Nationalrat einziehen könnten.

EU-Wahl
© APA/Hochmuth Angelika Mlinar bei der Stimmabgabe

Den richtigen Riecher hatte die 43-Jährige, als sie sich im Vorjahr mit den lange unterschätzten NEOS um deren Gründer Strolz zusammentat. Wiewohl inhaltlich zwischen den gemäßigteren NEOS und dem stark markt-liberalen LIF doch einige Meter lagen, schaffte es das Duo Strolz/Mlinar interne Unstimmigkeiten nicht nach außen dringen zu lassen und dem Nationalratswahlerfolg auch noch eine Fusion der beiden Bewegungen folgen zu lassen.

Seit Jugendtagen politisch engagiert

Politischen Einsatz kennt Mlinar schon von Jugend an. Bereits früh setzte sie sich für die Rechte ihrer Volksgruppe ein. Vor einigen Jahren fungierte sie auch als Generalsekretärin des besonders streitbaren Rats der Kärntner Slowenen, dessen Spitze sie im Vorjahr übernehmen wollte, aber an Valentin Inzko scheiterte. An ihrem Engagement ändert das nichts. Bei ihrer Angelobung im Nationalrat sprach sie die Formel auch in Slowenisch.

Freilich ist die studierte Juristin bereits weit über Kärnten hinausgekommen. In Washington absolvierte sie ein Masterstudium, in Brüssel war sie für das LIF unterwegs, später für die EU-Kommission in Slowenien. Dort versuchte sie sich auch als Unternehmerin, nämlich mit der Kekse-Firma "Angelski keksi".

Zur Person: Angelika Mlinar, geboren am 29. Juni 1970 in Altendorf (Kärnten), promovierte Juristin, 1997 Mitarbeiterin des EU-Abgeordneten Friedhelm Frischenschlager, 2000-2005 für die EU-Kommission in Slowenien, Gründerin der Firma "Angelski keksi", 2009 - 2010 Generalsekretärin, Rat der Kärntner Slowenen, 2009 - 2014 Bundessprecherin des Liberalen Forums, sei 2013 Nationalratsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der NEOS.

Kommentare

Parteiintern gibt es aber schon eine Diskussion, sie solle ihr Mandat Stefan Windberger überlassen, weil nur ihre grandiose Performance hat ein zweites Mandat verhindert.

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