Craft Beer von

Auf der Suche nach dem ausgewogenen Geschmack

Craft Beer - mehr als ein Trend?

Craft Beer - Auf der Suche nach dem ausgewogenen Geschmack © Bild: Justin Sullivan/Getty Images/AFP

Wer Craft Beer trinkt, schätzt in der Regel die Aromenvielfalt und die Experimentierfreudigkeit. Dem Craft Beer-Trend auf der Spur.

Rund 214 Brauereien gibt es in Österreich. 16 mehr als vor zweieinhalb Jahren. Tendenz steigend.

Vor allem sind viele neue Mini- und Mikrobrauereien entstanden. Das mag den Bierfan freuen, denn der Trend ist eine Gegenbewegung zum Einheitsbier der großen Konzerne, hin zu mehr Vielfalt und Variation.

Dabei bleiben die Biergourmets gerne im eigenen Land - "Die Österreicher schweifen kaum in die Ferne – sondern bleiben den heimischen Bieren treu. Dies kann zum einen daran liegen, dass die heimische Bierkultur in den letzten Jahren noch einmal massiv an Niveau zugelegt hat, aber auch daran, dass unsere heimischen Braumeister immer innovativer werden, und man inzwischen eine unglaubliche Sorten- und Variantenvielfalt auch aus Österreich bekommt", so Markus Liebl, Generaldirektor Brau Union Österreich.

Was ist "Craft Beer"?

Auch der Bierdurst ist hierzulande ungebrochen - 105 Liter werden pro Jahr und Kopf in Österreich konsumiert.
Einen (noch) überschaubarer Teil davon ist das sogenannte Craft Beer.

Craft Beer steht für Bier aus kleinen, unabhängigen Brauereien. Rund 20 sind es in Österreich aktuell, die den heimischen Gaumen mit fast schon exotisch anmutenden Gerstensäften überzeugen wollen.

Experimentierfreudigkeit, die auch Robert Griesmajr feststellt. Griesmajr arbeitet beim Beer Store Vienna und hat sich auf das Heimbrauen spezialisiert.
"Bierinteressierte schauen über den Tellerrand hinaus, sie wollen Alternativen ausprobieren", so Griesmajr.

Die Suche nach dem ausgewogenen Geschmack

Den Beer Store Vienna gibt es nun seit rund zwei Jahren, wenige Jahre zuvor erreichte der "Craft Beer"-Trend auch Österreich. "Das Interesse ist in jedem Fall da", so Griesmajr. Im Laden in Wien-Meidling gibt es rund 240 verschiedene Biersorten zu kaufen - mindestens 65 Prozent des Sortiments kommt aus heimischer Produktion. "Wir haben rund 95 Prozent Craft Beer und fünf Prozent kommen von den größeren Brauereien", sagt Griesmajr, der sich auch gern als Bier-Nerd bezeichnet.

Die Kunden schätzen die Aromenvielfalt des Biers und greifen auch vermehrt zum Starkbier. "Im Vergleich zum Leichtbier lässt sich hier wesentlich besser mit der Geschmacksvariation arbeiten", erklärt der Bierexperte.

»Nur weil eine Industriebrauerei plötzlich Pale Ale im Sortiment hat, ist es noch lange kein Craft Beer«

Dieser Herausforderung stellt sich Evelyn Bäck. Seit Mitte Mai betreibt sie die "Hopfenspinnerei", eine kleine, kreative Brauerei im Schloss Walpersdorf nahe St. Pölten. Die Medienfachfrau und nun ausgebildete Biersommelière hat sich auf die leichten Biere spezialisiert. "Meine Biere sind etwas anders, weil sie in der Regel einen Alkoholgehalt von unter fünf Prozent, teilweise nur um die drei Prozent, haben. Da ist es schon eine besondere Herausforderung, einen ausgewogenen Geschmack hinzubekommen."

© Hopfenspinnerei Evelyn Bäck: "Ich probiere gerne aus, alles mögliche selbst zu machen"

Es sei nicht ganz einfach, Craft Beer allumfassend und endgültig zu definieren, so Bäck. "Im Wesentlichen ist mit dem Begriff handgebrautes Bier gemeint, wobei das für so manche schnell gewachsene Craft Beer-Brauerei nicht mehr gelten kann". Wesentlich sei ein hoher Qualitätsanspruch und eine gewisse Experimentierfreude. Und "nur weil eine Industriebrauerei plötzlich Pale Ale im Sortiment hat, ist es noch lange kein Craft Beer."

»Als Frau musst du doppelt soviel leisten«

Monatlich werden in der Hopfenspinnerei rund zehn Hektoliter produziert. "Ein neuer Tank ist aber schon geordert", fügt Bäck hinzu, "bald produzieren wir bis zu 15 Hektoliter."

Ob man vom Bierbrauen leben kann? "Ganz einfach ist das nicht, weil man schon eine gewisse Produktionskapazität braucht, damit es sich überhaupt lohnen kann"
Es sei aber wichtig "recht rasch in solide Technik zu investieren", fasst Bäck zusammen. "Wenn man beispielsweise viel Zeit für die Abfüllung oder die Etikettierung aufwenden muss, dann geht einem diese Zeit schnell in anderen Bereichen wie Marketing oder Vertrieb ab - Themen, die KleinbrauerInnen leider mitunter vernachlässigen."

© Hopfenspinnerei Camillo ist mit 4,3% Alkoholgehalt das stärkste Bier im Sortiment der Hopfenspinnerei

Evelyn Bäck muss sich in der männerdominierten Bier-Branche durchsetzen. "Es ist wie überall im Leben: Als Frau musst du doppelt soviel leisten wie ein Mann, um annähernd dieselbe Anerkennung zu bekommen". Bei den Braukollegen hatte sie jedoch nie das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Anders bei den Kunden - "Da gibt es manchmal, vor allem ältere Herren, die sich von einer jungen Frau zum Thema Bier nichts erklären lassen."
Die Braumeisterin sieht es gelassen "Ich rolle dann innerlich gewaltig mit den Augen, zapfe ein Bier und dann ist meistens Frieden."

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