Brennpunkt Ischgl

Keine Spur von Osterfrieden, bei Peter Kolba staut sich es in diesen Tagen beim E-Mail-Eingang: Gut 4.500 mittlerweile heimgekehrte Tirol-Touristen haben sich bereits beim Chef des Verbraucherschutz-Vereins gemeldet, um eindringlich von ihren Erlebnissen zu berichten. Und sich wahrscheinlich einer Sammelklage anzuschließen, die der Ex-Politiker gegen all jene anstrengen möchte, welche die Bekämpfung des Coronavirus seiner Meinung nach sträflich lange hinausgezögert hätten.

von Corona - Brennpunkt Ischgl © Bild: APA/Gruber

Denn für Kolba steht klipp und klar fest: „Das Offenhalten von Skigebieten, obwohl man von einer Gefahr der massenhaften Ansteckung wissen müsste, ist ein Grund für Schadenersatz.“ Der Großteil der Urlauber, die Kolba kontaktierten, stammt aus Deutschland. Und: Überwiegend hatten sie in jenen verhängnisvollen Tagen im März, in denen Covid-19 von der Bagatelle zum Brandherd wurde, im Paznauntal, also in und um Ischgl, Quartier bezogen.

Die aktuellen Entwicklungen zur Corona-Krise in Österreich

Dick wie ein Telefonbuch

Mittlerweile hat der Konsumentenschützer die via Fragebogen eingegangenen Informationen fein säuberlich sortiert und in Excel-Dateien aufbereitet: mit Namen, Kontaktadressen, Details zu Aufenthalt und Krankheitsverlauf – sowie daneben oft auch die persönlichen Erfahrungen der Urlauber, protokollarisch festgehalten, direkt und ungefiltert. Würde man dieses Kompendium der Einzelschicksale ausdrucken, es hätte wohl die Stärke eines mittleren Telefonbuchs. Aber ungleich mehr Sprengkraft: „Die letzten zwei Wochen waren die Hölle“, schreibt etwa Martin.

Und: „Die Tiroler haben uns aus dem Land geworfen.“ Und Renate schreibt: „Man hat uns nicht gewarnt, wir sind ins offene Messer gelaufen.“ (News verzichtet aus Gründen des Datenschutzes selbst auf die Nennung von abgekürzten Nachnamen und von Herkunftsregionen.)

Plötzlich ungebetene Fremde

Und plötzlich fühlten sich die vormals umworbenen Gäste wie ungebetene Fremde – doch diese atmosphärischen Nachwehen sind nichts im Vergleich zu den wahren Problemen, welche die Skiurlauber mit nach Hause nahmen. Fast alle der Tirol-Heimkehrer, die sich bei Kolba meldeten, sind selbst an Corona erkrankt, die meisten haben nach Quarantäne und Verdienstentgang mit schwerwiegenden finanziellen Problemen zu kämpfen, etliche stehen unmittelbar vor dem Bankrott. Und einige müssen sogar um das Leben ihrer Urlaubsbegleiter zittern: „Einer von uns liegt seit zwei Wochen auf der Intensivstation, wird beatmet und ringt immer noch mit dem Tod“, schreibt Rainer.

Die komplette Reportage können Sie in der aktuellen Printausgabe von News (15/2020) nachlesen!