Zehn Jahre Handy-Mania in Österreich:
Der freie Mobilfunkmarkt von einst und jetzt

Österreichs Entwicklung zum Vorzeigeland im Fokus FORMAT über das heimische Geschäft mit den Handys

Zehn Jahre Handy-Mania in Österreich:
Der freie Mobilfunkmarkt von einst und jetzt © Bild: Digital Vision

Der Auftakt zur Handy-Dekade fiel 1996: max.mobil war als erste private Konkurrenz zur staatlichen Mobilkom aus der Taufe gehoben worden. Die Gesellschafter - darunter Siemens, Bawag und der spätere Alleineigner T-Mobile - läuteten damit eine neue Zeitrechnung in der heimischen Telekombranche ein. Wie stark der Wettbewerb den Markt revolutioniert hat, zeigt ein simples Beispiel: Gab es vor zehn Jahren im Festnetz noch Vierteltelefone, wo sich vier Haushalte eine Leitung teilen mussten, ist es heute umgekehrt - rein rechnerisch gesehen hat jeder Österreicher bereits mehr als ein Handy.

"Da wurde eine Lawine losgetreten", resümiert T-Mobile-Chef Georg Pölzl. Schlag auf Schlag verkaufte die Republik Österreich weitere Mobilfunklizenzen. Firmen wie One, tele.ring und "3" betraten den Markt und verschärften den Wettbewerb - wovon die Handykunden doppelt profitierten. Einerseits rasselten die Minutentarife in den Keller, andererseits übertrumpften sich die Neorivalen ständig im Verschleudern technisch immer ausgefeilterer Geräte.

Heute gilt Österreich europaweit als Vorzeigeland in Sachen Mobilfunk. Nirgendwo sonst sind die Preise so niedrig - im günstigsten Fall kostet die Minute bei der One-Diskonttochter yesss! 6,9 Cent in alle Netze ohne Grundgebühr. Auch alle anderen Anbieter offerieren niedrige Tarife oder gar Gratisanrufe in mehrere Netze. Die Folge: Das Handy drängt die klassische Festnetztelefonie immer weiter zurück. Bereits 65 Prozent aller in Österreich vertelefonierten Minuten entfallen auf das Handy. In Deutschland ist das Verhältnis noch umgekehrt.

Sogar in akademischen Kreisen zählt der heimische Telekommarkt zu den Paradebeispielen einer gelungenen Liberalisierung. Professor Michael Holoubek, Telekomexperte an der WU Wien: "Das Modell, sich vom Monopol zu verabschieden und mehr Wettbewerb zuzulassen, ist geglückt." Davor, als die Telekom Teil der Post war, war das Geschäft mit der Kommunikation fest in Staatshand.

Georg Serentschy, Chef der Telekom-Regulierungsbehörde RTR: "Es kommt einem heute wie eine Erzählung aus einer anderen Welt vor. Die Minute von Wien nach Vorarlberg kostete fünf Schilling, in die USA 23 Schilling. Bis dann, 1996, erstmals der Wettbewerb aufblitzte." Plötzlich pries der Mobilfunkrivale einen österreichweiten Minutentarif von einem Schilling (7,2 Cent) im eigenen Netz an. "Den Tarif hab ich am Flipchart entwickelt", sagt Hansjörg Tengg, erster Chef und Geburtshelfer von max.mobil. Ein neues Geschäftsmodell war erfunden: Es galt, durch aggressive Preise schnell Marktanteile zu erobern. Mobile Gesprächszeit wurde vom knappen Gut zur Massenware. "Kein Mobilfunker erzielt noch Profite mit Sprachtelefonie", sagt Tengg, der sich heute seine Brötchen in der Energiewirtschaft verdient.

Da die Anrufe kaum Geld bringen, müssen sich die Mobilfunker anderswo schadlos halten. Etwa, indem sie Österreich-Besuchern hohe Roaminggebühren aufbrummen. Tengg: "Da wird hemmungslos abkassiert." Was der EU-Kommission ein Dorn im Auge ist - sie geht derzeit gegen die europaweit hohen Roaminggebühren vor. Eine weitere Cashcow sind SMS - beim 4:0-Tarif von One etwa schlägt jede Kurznachricht mit 19 Cent zu Buche. Außerdem gewinnen die aus Sicht der Mobilfunkbetreiber lukrativen Datendienste bei den Nutzern zunehmend an Beliebtheit. So erzielt der jüngste Marktteilnehmer "3" schon 20 Prozent seiner Umsätze mit Diensten abseits der Sprachtelefonie. Die Kunden laden etwa mp3-Songs, Videoclips oder die besten Torszenen der Fußball-Bundesliga aufs Handy. "3"-Boss Berthold Thoma: "Fernsehen am Handy hebt ab ohne Ende."

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