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Das Land der Finanzgenies

Markus R. Leeb über den Reiz riskanter Finanzanlagen

Der Staat Österreich hat es getan. Die Länder Niederösterreich, Kärnten und Salzburg sind damit ebenso auf die Nase gefallen wie die ÖBB. Es geht um die riskante Veranlagung von öffentlichem Vermögen. Nun ruft sogar der Bundespräsident nach dem Spekulationsverbot. Doch es ist zu spät. Milliarden an Steuergeld sind futsch.

Spätestens jetzt taucht die Frage auf: Wieso investieren hochbezahlte Manager fremdes Geld in Finanzprodukte, die sie nicht verstehen? Gier als Antwort greift zu kurz, weil es nicht um persönliche Bereicherung geht. Nein, vielmehr geht es darum, der cleverste Finanzmanager zu sein oder zumindest nicht als Dolm dazustehen, der die großen Chancen versäumt hat. Wer Hunderte Millionen Euro verwaltet, vermeint rasch, am großen Finanzmarkt mitspielen zu können.

Investmentbanker, die solche Manager beraten, helfen gerne und gegen gute Provisionen, die besten Anlagen zu finden. Die traurige Wahrheit ist, dass die meisten Verantwortlichen vorher so ahnungslos sind, wie sie sich hinterher geben. Wirklich gefährlich wird es, wenn solche Veranlagungen anfangs gut gehen. Dann fallen die Hemmungen, und man hält sich für ein Finanzgenie. Es ist ein Rausch, eine Art Casinoeffekt. Und so kommt auch das böse Erwachen. Denn eines ist beim Casino sicher: Die Bank gewinnt immer.

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