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Die größten Wiki-Leaks

Die aufsehenerregendsten Enthüllungen der Plattform

Julian Assange © Bild: JOHN STILLWELL/AFP/Getty Images

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat am Donnerstag Dokumente veröffentlicht, die angeblich ein Hacker vom privaten E-Mail-Konto des CIA-Direktors John Brennan entwendet haben soll. Diese jüngste Veröffentlichung ist freilich mehr peinlich für Brennan als aufsehenerregend, handelt es sich doch um keine sonderlich aufregenden Dokumente. Das war in der Vergangenheit schon ganz anders: Ein Blick zurück auf die größten Aufreger der von Julian Assange gegründeten Plattform.

Den ersten größeren Coup landete Wikileaks im Dezember 2007, als über die Plattform Handbücher der US-Armee für den Umgang mit Gefangenen in Guantanamo veröffentlicht wurden. Die Handbücher belegten Verletzungen der Menschenrechte und der Genfer Konvention, etwa die Vermeidung des Kontakts zwischen einzelnen Gefangenen und dem Roten Kreuz.

Im April 2008 versuchte Scientology , die Veröffentlichung von zahlreichen internen Dokumenten der Sekte zu verhindern und forderte die Plattform auch dazu auf, die Quelle des Materials bekanntzugeben. Wikileaks reagierte erwartbar, und zwar mit der Ankündigung, man werde weitere Dokumente veröffentlichen.

Im Juli 2009 veröffentlichte Wikileaks ein Dokument der isländischen Kaupthing-Bank , das belegte, wie Milliardenkredite an verschiedene Anteilseigner der Bank ohne wirkliche Sicherheiten vergeben wurden. Kurze Zeit später kollabierte der isländische Bankensekor.

Im April 2010 erzielte Wikileaks den bis dahin größten Treffer. Die Plattform publizierte ein 38-minütiges, von der Bordkamera eines US-Kampfhubschraubers aufgenommenes, Video, auf dem zu sehen ist, wie Bordschützen in Bagdad 12 Menschen erschossen, darunter zwei Reuters-Journalisten. Die Besatzung hielt die Kameras der Journalisten fälschlicherweise für Waffen. Auf dem unter dem Titel "Collateral Murder " online gestellten Video ist auch zu hören, wie die Besatzung des Hubschraubers die tödliche Attacke johlend feiert.

Die Aufnahmen sorgten für weltweites Entsetzen und Aufsehen, schadeten dem Ansehen der US-Truppen nachhaltig - und beförderten Bradley - mittlerweile Chelsea - Manning wegen Geheimisverrats ins Gefängnis.

Im November 2010 begann Wikileaks mit der schrittweisen Veröffentlichung der "US Embassy Cables ", einer Sammlung von einer Viertelmillion interner Berichte und Lagebeurteilungen, die zwischen Jänner 2009 und Juni 2010 aus US-Botschaften in aller Welt ins Außenministerium nach Washington rückgemeldet wurden. Eine Reihe internationaler Medien hatte schon im Vorfeld Zugang zu den Botschaftsdepeschen bekommen, um bei der Auswertung mitzuarbeiten. Durch die versehentliche Veröffentlichung des kompletten Datensatzes wurden jedoch auch die Namen zahlreicher Informanten der US-Diplomaten öffentlich, die dadurch in Gefahr gerieten. Das löste eine intensive Diskussion über die Richtigkeit des Vorgehens von Wikileaks aus.

Dessen ungeachtet landete Assange mit seiner Plattform zu Ostern 2011 den nächsten Coup. Knapp 800 Dateien mit Daten zu Guantanamo-Gefangenen wurden publiziert. Die Dokumente belegten, dass der Großteil der Gefangenen nur aus geheimdienstlichen Gründen festgehalten wurde und nur ein relativ kleiner Teil eine tatsächliche Gefahr darstellte. Auch umstrittene Verhörmethoden waren in den Notizen vermerkt; etwa, dass ein CIA-Agent einem Verdächtigen ein Geständnis über seine Beteiligung an den 9/11-Anschlägen nur durch das umstrittene "Waterboarding" abgerungen hatte.

Eine wirklich große Enthüllung lässt seitdem auf sich warten. Die meiste Aufregung verursachte die Veröffentlichung von etwa 200.000 E-Mails und internen Dokumenten, die von Hackern von den Sony-Servern gestohlen worden waren. Für eine breitere Öffentlichkeit relevante Informationen waren aber nicht dabei.

Im Vergleich zu diesen vergangenen Publikationen sind die E-Mails des CIA-Chefs dann nur mehr ein kleiner Aufreger. Unter den Dokumenten befinden sich laut Wikileaks ein Fragebogen, den Brennan zu seiner Person bei der Übernahme seines Amtes ausfüllen musste, aber auch ein Brief eines Senators zu fragwürdigen Verhörmethoden der US-Geheimdienste. In dem Brief des früheren Senators Christopher Bond an weitere Mitglieder des Geheimdienstausschusses spricht er sich dafür aus, künftig nur noch explizit verbotene Verhörmethoden wie etwa Waterboarding oder Stromstöße aufzulisten und nicht die ausdrücklich in einem Handbuch des Militärs erlaubten Methoden als Maßstab zu nehmen. Dies würde die Geheimdienste in die Lage versetzen, neue Methoden zu entwickeln, die "dennoch mit dem Gesetz übereinstimmen", schrieb der Senator.

Auch eine Empfehlung der CIA zum Umgang mit dem Iran ist unter den Papieren, die Wikileaks veröffentlichte. Der Iran sei geostrategisch "von enormer Bedeutung" und die USA hätten gar keine andere Wahl, als mit Teheran auszukommen - egal, welche Regierung dort gerade an der Macht sei, heißt es in dem Papier. Alle Dokumente stammten aus der Zeit bevor Brennan CIA-Chef wurde.

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