Wiener U1 fährt jetzt bis nach Leopoldau: U-Bahn-Neubaustrecke in Betrieb gegangen

Linie wächst im 21. und 22. Bezirk um fünf Stationen

Seit Samstag, 9.40 Uhr, läuft der Regulärbetrieb auf der Neubaustrecke der Wiener U-Bahn-Linie U1. Zu diesem Zeitpunkt traf die erste Garnitur mit Ehrengästen aus der neuen Endstation Leopoldau in der ebenfalls neuen Haltestelle Kagraner Platz ein. Zuvor hatten in Leopoldau Verkehrsminister Hubert Gorbach, Bürgermeister Michael Häupl und weitere politische Prominenz in einer launigen Conference das Zeitalter der U1-Neu eingeläutet.

Im Anschluss bestiegen die Ehrengäste und das zahlreich erschienene Publikum eine der neuen Wiener U-Bahn-Garnituren "V-Wagen". Mit Höchstgeschwindigkeit, die bei 80 km/h liegt, ging es dann ohne Zwischenstopp von der Leopoldau vorbei an den neuen und noch leeren Stationen Großfeldsiedlung, Aderklaaer Straße und Rennbahnweg. Als der Zug mit der kostbaren Fracht schließlich in der fünften und letzten der neuen Haltestellen, Kagraner Platz, einfuhr, galt der Betrieb auf der neuen Strecke offiziell als eröffnet. Nun verkehren alle Garnituren auf der U1 zwischen den Stationen Reumannplatz und Leopoldau.

Stilistisch orientieren sich die neuen U-Bahnhöfe am bekannten Rot der bisherigen U1-Bauten aus den 1970er und 80er Jahren. Die Züge werden auf der Neustrecke teils unterirdisch und teils in Hochlage geführt. Die U1 erschließt damit Teile der Bezirke Donaustadt und Floridsdorf, wo rund 90.000 Menschen im direkten Einzugsgebiet des neuen Abschnittes leben. Ein erstes Opfer der U1-Verlängerung ist bereits zu beklagen: Die Straßenbahnlinie 25 wurde zwischen Kagran und Leopoldau aufgelassen und ihre restliche Route von der Linie 26 übernommen. Insgesamt wurden in den Ausbau der U-Bahn 560 Mio. Euro inklusive neuer Garnituren investiert.

Begonnen hatte die Geschichte der neuen U1 als Teil der dritten Ausbauphase der Wiener U-Bahnen 1998, als der damalige VP-Planungsstadtrat Bernhard Görg die fixe Trassenführung präsentierte. Am 29. Oktober 2001 erfolgte dann der Spatenstich in Kagran.

Beim Bau waren zahlreiche technische Hürden zu überwinden. Vor allem der hohe Grundwasserspiegel führte dazu, dass die Planer Spezialtaucher engagieren mussten, die den U-Bahn-Schacht teils unter Wasser betonierten. Auch kam bei den Arbeiten erstmals seit 1977 wieder der "Wiener Maulwurf", eine Tunnelvortriebsmaschine, zum Einsatz. Das High-Tech-Gerät maß 45 Meter Länge bei sieben Meter Durchmesser und einem Gesamtgewicht von 500 Tonnen. (apa/red)