Wiener Staatsoper von

Unbegabte Nazis gehören ins Depot

Ein hässliches Fossil der Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper - Unbegabte Nazis gehören ins Depot © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Was war das mancherorts für ein Aufseufzen der Wiedersehensfreude, als zur Saisoneröffnung der Staatsoper deren inferiorer, anno 1954 vom vormals hochrangigen Nazi-Funktionär Rudolf Eisenmenger entworfener Eiserner Vorhang wieder sichtbar war. Ioan Holender ließ den Schandfleck durch ein jährlich wechselndes Werk der Gegenwartskunst ver­hüllen, und dabei bleibt es: Ende Oktober, wenn sich jeder am fossilen Glumpert sattgesehen hat, gibt es wieder moderne Kunst.

Ich bin der Letzte, der dem ideologisch nicht besudelten Œuvre Weinhebers, Pfitzners oder Hamsuns die Ehre verweigert. Aber ein unbegabter Nazi gehört ins Depot: der Malerbonze Eisenmenger nicht anders als etwa der Dichterbonze Jelusich. Das Problem ist nur, dass die jährlich von einer Jury gewählten Bilder dem zu verhüllenden Objekt an Qualität nicht immer überlegen waren. Oft handelte es sich da um themenverfehlende lobbyistische Trendbedienung. Das lässt mich daran denken, dass Marc Chagall den Eisernen gern gestaltet hätte und bei der Nachkriegsregierung durchfiel; dass Kokoschka großartige Entwürfe zur „Zauberflöte“ gefertigt und Hrdlicka den „Ring“ ausgestattet hat. Hier wäre ein Dauerprovisorium zu finden.

Kommentare

Eisener Vorhang Ich bin entsetzt über Ihren Artikel! Wie kann ein Kunstwerk, dass sich perfekt in die Optik des Zuschauerraumes einfügt, ein "Schandfleck" sein? Wenn Sie nicht wüßten, dass der Maler ein Nazi war, wäre Ihre Meinung wirklich die gleiche? Fanden Sie auch nur eine der "Verhüllungen" der letzten Jahre schön? Ich jedenfalls nicht! Die Orpheussage passt so perfekt in die Oper und ich wünschte wirklich, nie wieder einen anderen Vorhang zu sehen! Und noch eine Frage: Lehnen Sie Bilder von z.B. Caravaggio ab (der war immerhin ein Mörder) oder die Literatur von Francois Villon (zumindest ein Totschläger)? Können sie Werk von Schöpfer nicht unterscheiden? Und noch etwas: auch negative Kritik sollte nicht in derart letzklassigem Stil (Glumpert, Schandfleck) ausgeprochern werden!
MfG, Hildegard Bawitsch

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