Rätsel von

Wie starb Osama bin Laden?

Über den Tod des Al-Kaida-Gründers herrscht seit dem Wochenende Unklarheit

Rätsel - Wie starb Osama bin Laden? © Bild: imago/ZUMA Press

Vier Jahre lang glaubte die Welt den USA relativ unhinterfragt ihre Version des Todes Osama bin Ladens. Doch seit US-Journalistenlegende Seymour Hersh am Sonntag einen Artikel veröffentlichte, in dem er behauptet, alles sei ganz anders, wankt dieses Bild. Mangels eindeutiger Beweise einer Seite bleibt die große Frage: Wer hat Recht?

Hershs in der London Review of Books veröffentlichter 10.000-Wörter-Artikel ließ kaum jemanden kalt. Die Kernaussage des Essays: Die USA hätten gelogen, was die Umstände von bin Ladens Tötung betrifft. Entgegen der vom Weißen Haus und der CIA verbreiteten Version hätten Pakistans Offizielle schon lange über den Aufenthaltsort des Al-Kaida-Chefs Bescheid gewusst, der sei zum Zeitpunkt des Zugriffs nicht schwer bewacht, sondern vielmehr ungeschützt gewesen und seine Leiche sei auch nicht auf See bestattet, sondern über dem Hindukusch in mehreren Teilen aus einem Hubschrauber geworfen worden.

Außerdem hätten die Vereinigten Staaten bin Ladens Versteck nicht selber entdeckt, sondern hätten von einem Mitarbeiter des pakistanischen Geheimdiensts ISI davon erfahren, der die 25 Millionen Dollar Belohnung einstreichen wollte, die für bin Ladens Ergreifung ausgelobt waren.

Dünne Quellenlage

Anlass für diese Verschwörung sei gewesen, Barack Obama kurz vor seiner anstehenden Wiederwahl einen dringend benötigten Erfolg im Kampf gegen den Terror zu liefern. So weit, so nachvollziehbar. Doch die Geschichte hat einen Haken: Der Pulitzer-Preisträger Hersh stützt seine These auf lediglich zwei Quellen, die auch nicht gerade als Schlüsselfiguren taugen, wie das US-Onlinemagazin „Vox“ in seiner Analyse süffisant formuliert.

Zusätzlich listet „Vox“ auch noch mehrere Stellen auf, an denen sich Hersh in seinem Artikel widerspricht. Am deutlichsten tritt das bei seinem Hauptargument für Pakistans Unterstützung der US-Kommandoaktion im Mai 2011 zutage. Demzufolge hätte Washington den Pakistanis sowohl erhöhte Militärhilfen als auch freie Hand in Afghanistan zugesagt. In der Praxis sanken die US-Zuschüsse aber und auch in Afghanistan konnte in den vergangenen Jahren von Einvernehmen keine Rede sein.

Bin Ladens Versteck in Abbottabad
© FAROOQ NAEEM/AFP/Getty Images Unstrittig: In diesem Anwesen in Abbottabad hielt sich Osama bin Laden versteckt

Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Hinweise, die Hershs Geschichte stützen. So zitiert der TV-Sender NBC zwei - gleichfalls anonym bleibende – CIA-Quellen, denen zufolge die Amerikaner ein Jahr vor dem Einsatz von einem ISI-Mitarbeiter von bin Ladens Aufenthaltsort erfahren haben. Der ISI sei seinerseits schon seit Jahren über das Versteck informiert gewesen.

Gleiche Version schon 2011 öffentlich gemacht

„The Intercept“, der Blog, auf dem die Snowden-Dokumente mittlerweile vorwiegend öffentlich gemacht werden, berichtet wiederum, dass die US-Journalistin und Schriftstellerin R.J. Hillhouse bereits drei Monate nach bin Ladens Tötung berichtete, die offizielle Version der Ereignisse wäre falsch. Auch Hillhouse behauptete, die USA hätten von einem ISI-Mitarbeiter von bin Ladens Aufenthaltsort erfahren und Pakistan hätte die Kommandoaktion der US-Special Forces aufgrund massiven Drucks aus Washington nicht verhindert.

Außerdem hätten die USA behaupten wollen, bin Laden wäre bei einem Drohnenangriff im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet ums Leben gekommen – weswegen ja auch laut Hersh die Leiche des Al-Kaida-Anführers in dieser Region aus dem Hubschrauber geworfen wurde. Nachdem aber einer der Hubschrauber verunglückte, der die Soldaten in bin Ladens Anwesen absetzte, hätte man diese Version der Geschichte nicht mehr halten können.

Seymour hersh
© Alex Wong/Getty Images Einst gefeiert, hat Hershs Ruf in den vergangenen Jahren durch mehrere umstrittene Artikel gelitten

US-Offizielle dementieren freilich, im Zusammenhang mit dem Tod des meistgejagten Mannes des dritten Jahrtausends gelogen zu haben. "In dem Artikel gibt es zu viele Ungenauigkeiten und unfundierte Behauptungen", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Edward Price, am Montag. Von der Kommandoaktion habe nur "ein sehr kleiner Kreis von ranghohen US-Vertretern" gewusst. Präsident Barack Obama habe keine ausländische Regierung, auch nicht die pakistanische, in die Pläne eingeweiht. Beweise konnte auch er keine vorlegen.

Kommentare

Wen interessiert das jetzt noch? Die 9/11 Anschläge waren sowieso ein Inside Job und die Al Qaida wurde in den 70ern von den Amis gegründet, um die Sowjets zu bekämpfen!

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