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Bauernregeln: Unsinn oder Wahrheit?

Welche Wetter-Sprüche es gibt und was von den alten Weisheiten wirklich zutrifft

Wetter - Bauernregeln: Unsinn oder Wahrheit? © Bild: Thinkstock

Sie sind bereits uralt und über Generationen weitergegeben worden - die Bauernregeln. Sprüche und Reime gibt es zahlreiche. Doch wie viel Wahrheit steckt in den alten Weisheiten über das Wetter?

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1. "Eichen soll man weichen, Buchen soll man suchen"
Zieht ein Gewitter auf, wird dieser Spruch gerne zitiert. Aber wenn es blitzt und donnert sucht man besser nicht unter einem Baum Schutz. Denn Blitze schlagen meist in emporragende Objekte, wie einzelne Bäume, Masten oder Aussichtstürme ein. Außerdem ist es ein Irrglaube, dass manche Baumarten seltener getroffen werden als andere. Der Blitzeinschlag wirkt sich laut Experten lediglich unterschiedlich aus: Buchen leiten durch ihre glatte Rinde den Blitz meist direkt in den Boden, ohne dass Schäden sichtbar sind. Eichen sind hingegen aufgrund der zerklüfteten Rinde, die viel Wasser aufsaugt, empfänglich für elektrische Ladungen, der Einschlag ist daher auch sichtbar.

Hat man keine andere Wahl und muss bei einem Gewitter im Freien ausharren, so empfehlen Experten sich in einen Graben oder eine Mulde zu hocken und die Füße dabei dicht nebeneinander zu positionieren.

Am sichersten ist man jedoch in einem Haus mit Blitzableiter, einem Auto oder einem Eisenbahnwagen.

2. "Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen so bleiben mag"
Der 27. Juni, auch Siebenschläfertag genannt, ist laut den alten Regeln richtungsweisend für das weitere Sommerwetter. Wörtlich sollte man den Spruch allerdings nicht nehmen. Auch wenn die Weisheit sich aus jahrelanger Wettererfahrung zusammensetzt und durchaus zutreffen kann, ist die Siebenschläferregel nicht für jedes Jahr gültig, wie meteorologische Aufzeichnungen zeigen. Laut Experten Thomas Wostal ist die Siebenschläfer-Regel nicht völlig abwegig. In seinem Buch "Mythos Bauernregeln" beleuchtet der Meteorologe der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) was hinter Bauernregeln steckt, und wie diese funktionieren.

In Bezug darauf, wie wahrscheinlich Bauernregeln zutreffen, hat sich für ihn herausgestellt, dass jene Regeln, die sagen "wie das Wetter jetzt ist, verhält es sich auch in absehbarer Zukunft" einigermaßen gut funktionieren. Denn ebenso wie sich Menschen manchmal auf Beständigkeit ausruhen, habe auch die Atmosphäre zuweilen eine gewisse Neigungshaltung. Wenn man die Siebenschläferregel in den Bundesländern meteorologisch überprüft, dann bekommt man in Wien eine Trefferquote von 75 Prozent, Klagenfurt 62 Prozent, Salzburg 59 Prozent und Innsbruck von 53 Prozent. Dabei weist Wostal darauf hin: "Alles um die 50 Prozent herum ist reines Würfelwerfen."

3. "Zur Zeit des Tages Augustin ist der Sommer bald dahin"
Diese Weisheit bezieht sich auf den 28. August. Nach diesem Datum gehen laut der Bauernregel die warmen und sonnigen Tage bald zu Ende. Aus Sicht der Meteorologen ist der Sommer wettermäßig sogar schon Mitte August vorbei. Dennoch können die Temperaturen auch im September noch bis auf 30 Grad klettern.

4. "Werden die Tage länger, wird der Winter strenger."
Ein Spruch, der einen wahren Kern enthält. Nach der Wintersonnenwende am 21. Dezember werden die Tage wieder länger, der Winter hält das Land aber danach noch fest im Griff. Die Temperaturen sinken meist noch deutlich.

5. "Hundstage heiß, Winter lange weiß."
Die sogenannten Hundstage liegen zwischen dem 23. Juli und 23. August und sind nach dem Stern Sirius benannt, der zu Deutsch "Großer Hund" heißt. Die Sonne steht in diesem Zeitraum in der Nähe des Sterns. Meist ist es während dieser Periode tatsächlich sehr heiß. Ein direkter Zusammenhang zwischen den Hundstagen und einem weißen Winter lässt sich statistisch gesehen allerdings nicht nachweisen.

Meteorologen haben aber herausgefunden, dass auf einen warmen Jakobitag (25. Juli), der ebenfalls zu den Hundstagen zählt, mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein kalter Jänner folgt. Die Bauernweisheit "St. Jakobi klar und rein, wird das Christfest frostig sein" scheint sich also zumindest mehr als nur zufällig zu bewahrheiten.

6. "Wenn der April Spektakel macht, so gibts eine Ernte in voller Pracht."
Für die Bauern ist der Regen im April ein Grund zur Freude, denn dann werden auch die Felder und Obstbäume gut bewässert. Davon zeugen auch mehrere alte Weisheiten. Ein sonniger und warmer April hätte hingegen weniger positive Auswirkungen auf die Ernte: "Des Aprilens Lachen verdirbt des Bauern Sachen."