Wetten dass ..? von

Millionentricks der Gottschalk-Brüder

Christophs Firma "Dolce Media" hat offenbar verbotene Schleichwerbung verkauft

Thomas und Christoph Gottschalk bei den Salzburger Festspielen © Bild: APA/Neumayr

Über Thomas Gottschalks Zeit bei "Wetten, dass ...?" fällt ein millionenschwerer Schatten. Über die Firma seines Bruders Christoph, "Dolce Media", wird seit Jahren für horrende Summen verbotene Werbung in der Samstag-Abend-Show verkauft. Verträge der Gottschalk-Firma mit DaimlerChrysler und Solarworld belegen diese Vorgänge, wie der "Spiegel" berichtet. Sogar werbetaugliche Anmoderationen und Kamerapositionen wurden dort offenbar festgelegt.

Laut "Spiegel" finden sich in den Verträgen auch Passagen, die die redaktionelle Unabhängigkeit des ZDF untergraben. Die Moderation bezüglich eines Mercedes-Sondermodells etwa sollte "zwischen den Parteien einvernehmlich festgelegt" werden. In der Sendung müsse das Auto "im Schnitt 45 Sekunden" präsentiert werden. Anweisungen zur Präsentation folgen. Insgesamt 1.250.000 € plus Mehrwertsteuer war das dem Autobauer wert. Dass "Herr Gottschalk während der Vertragslaufzeit einen gemeinsam ausgesuchten Mercedes-Benz zur Nutzung in Europa" bekommt, ist fast nur mehr eine Randnotiz. Der im Vertrag genannte CL 600 kostete damals übrigens mindestens 133.516 Euro.

Von "Dolce Media" konnte das deutsche Magazin keine Stellungnahme bekommen. "Ausdrückliche Verschwiegenheitsklauseln" wurden als Verhinderungsgrund genannt. Aus Sicht von Daimler handelte es sich um einen normalen Vorgang, sagt Konzernsprecher Jörg Howe. Die Verträge hätten versichert, dass die Gottschalk-Firma mit dem ZDF eine Kooperationsvereinbarung habe und die entsprechenden Werbe- und Sponsoringrichtlinien eingehalten würden, außerdem der Rundfunkstaatsvertrag nicht verletzt werde. Das ZDF sieht das übrigens anders. "Dolce Media" habe dazu keine Berechtigung gehabt. Eine "unzulässige Einflussnahme" auf die Sendung sieht man allerdings trotzdem nicht. Seitens der Firma Solarworld lobt man sogar explizit das Engagement. Beworbene Carports seien in der Sendung gezeigt worden, der Werbeeffekt sei toll gewesen. "Ich bin mit dem Gegenwert sehr zufrieden", so Unternehmens-Boss Asbeck.

Audi statt Mercedes
Mittlerweile ist Audi seit 2007 Kooperationspartner von "Wetten, dass ..?" - auf Basis einen Vertrages mit der "Dolce Media" Christoph Gottschalk, was 2008 sogar die österreichische Medienaufsicht auf den Plan rief. Gottschalk habe einen Audi so hemmungslos beworben, dass man nicht einmal mehr von Schleichwerbung reden könne, sondern von in Österreich gesetzwidriger Werbung sprechen müsse, hieß es damals.

Die umfangreiche Vermarktung und Akquise von Gewinnspielpreisen aus einer Hand wie unter Gottschalk werde es künftig aber nicht mehr geben, stellt ZDF-Intendant Thomas Bellut klar. "Es schadet dem Sender, wenn auch nur der Anschein entsteht, dass da nicht sauber agiert wurde."

Gottschalk-Anwalt stellt die Sache klar

Aus Anlass der aktuellen SPIEGEL-Berichterstattung weise ich als Anwalt von Herrn Gottschalk auf Folgendes hin: In dem SPIEGEL-Artikel geht es um die Firma seines Bruders, der die Markenrechte des ZDF an "Wetten, dass...?" verwertete. Thomas Gottschalk war weder Vertragspartner der im aktuellen SPIEGEL erwähnten Verträge, noch war er an den Verhandlungen oder Abschlüssen beteiligt. Ihm persönlich ist daher in diesem Zusammenhang auch keinerlei Fehlverhalten vorzuwerfen, so dass es auch keinen Grund gibt, sich konkret hierzu zu äußern. Allerdings hat Herr Gottschalk weder, wie im Artikel behauptet, jemals einen Mercedes zur Verfügung gestellt bekommen, noch hat er jemals privat eines der Audi Modelle genutzt, mit denen er im Artikel abgebildet wird.

Was ihn allerdings schwer trifft, ist der in einem zweiten Artikel im aktuellen SPIEGEL vermittelte Eindruck, er habe aufgrund von Verträgen oder Gewinnstreben den verunglückten Wettkandidaten Samuel Koch in seiner Fahrzeugwahl bei der verhängnisvollen Wette beeinflusst. Herr Gottschalk erklärt hierzu: "Das Gegenteil ist der Fall: Ich habe bei der Probe am Tag vor der Sendung Samuel eindringlich abgeraten, über eine Limousine zu springen, und ihn mehrfach beschworen, sich mit den kleinen Smarts zufrieden zu geben. Michelle Hunziker hat versucht mich dabei zu unterstützen. Ich wünschte nichts sehnlicher, als dass Samuel damals auf uns gehört hätte."

Kommentare

Elis Ter melden

Typisch, dass sie den Gottschalk jetzt demontieren müssen. Als ob das ein Einzelfall wäre. Jeder casht überall ab wo es geht. Stört mich eigentlich mehr bei Politikern als bei einem Showmaster.

wintersun melden

Ja das sehe ich ähnlich. Überall wird wie Sie so trefflich sagen abgecasht, natürlich im Showbiz genauso ordentlich.
Auch wenn mir der Saubermann Gottschalk persönlich weniger sympatisch ist, seine Arbeit als Moderator hätte glaube ich niemand besser machen können.
Dass da sein Bruder involviert ist und beide scheinbar bestmöglich mitgeschnitten haben überrascht mich persönlich auch nicht.
Die Leute begnügen sich ja nicht mit viel, es muss mehr, mehr und verdammtnochmal noch mehr sein...
Und wie Sie sagen, im Showbiz stört mich das auch weniger als in der Politik.

huginator melden

grundsätzlich würde ich das auch wie sie sehen. aber die gottschalks haben das eben im öffentlich-rechtlichen - also steuerfinanzierten - fernsehen gemacht. und das ändert schon einiges.

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