Waldheim findet letzte Ruhestätte: Die Präsidentengruft am Wiener Zentralfriedhof

Karl Renner wurde 1951 als Erster dort bestattet In Mitte der Gruft liegt Sarkophag mit Bundeswappen

Die sterblichen Überreste von Alt-Bundespräsident Kurt Waldheim werden wie die seiner Amtsnachfolger und -vorgänger in der Bundespräsidentengruft am Wiener Zentralfriedhof bestattet. Sie liegt auf dem weitläufigen Platz vor der berühmten Karl-Lueger-Kirche. Errichtet wurde die Anlage für den 1950 verstorbenen Präsidenten Karl Renner, der dort 1951 seine letzte Ruhestätte fand.

Nach Renner wurden Theodor Körner (1957), Adolf Schärf (1965), Franz Jonas (1974), Rudolf Kirchschläger (2000) und zuletzt Thomas Klestil (2004) dort begraben. Die Gruft ist als ein vertieftes, mit Schieferplatten ausgelegtes Rondeau konzipiert, in dessen Mitte sich ein Steinsarkophag mit Bundeswappen befindet.

Zentral liegt auch die unterirdische Gruftkammer. Bei einer Bestattung werden die vor dem Sarkophag liegenden Platten gehoben und der Sarg in die Kammer abgesenkt.

Eingefasst ist das runde Feld in der Mitte von zwei gemauerten Ringen. Der innere ist mit Blumen bepflanzt. Von dort führen an drei Stellen Stufen zum äußeren Ring, der zwei Nischen mit Steinbänken einschließt. Der Durchmesser der Anlage beträgt stolze 24 Meter.

Anlässlich der Fertigstellung 1952 hieß es in der Wiener Rathauskorrespondenz: "Die Aufgabe, auf dem weiten Platz unmittelbar vor der Lueger-Kirche eine dem Wesen und der Größe Renners gerecht werdende Grabanlage zu schaffen, die sich würdig und schlicht der Gesamtanlage einfügt, war ungemein schwierig." Sie sei letztendlich so gestaltet worden, "dass sie als Ganzes zur Wirkung kommt, ohne die unmittelbar benachbarte Kirche zu tangieren, noch von dieser in ihrer Geschlossenheit beeinträchtigt zu werden".

Von vornherein ausgeschlossen sei deshalb eine Lösung in der üblichen Form mit einem aufragenden Grabmonument gewesen. Die Absenkung der Sohle um 90 Zentimeter habe bewirkt, "dass die Grabanlage beim Herankommen nicht in Erscheinung tritt und daher auch die Kirche nicht beeinträchtigt, dann aber plötzlich als geschlossene Einheit vor dem Beschauer liegt, dessen Auge nun nicht mehr durch die nahe Kirche abgelenkt wird".

(apa)