Von Adolf Rott zu Klaus Bachler: Die Burgtheater-Direktoren seit dem Kriegsende

Rott bemühte sich um Wiederaufbau nach Krieg Peymann provozierte mit politischen Kontroversen

Als Adolf Rott das Burgtheater 1954 übernahm, war die Instandsetzung des im Krieg zerstörten Hauses am Ring noch voll im Gang. Der Regisseur setzte nach der Wiedereröffnung 1955 die damals hochmoderne Bühnentechnik perfekt für turbulente Inszenierungen ein. Der neue Spielplan des Burgtheaters enthielt von den Nationalsozialisten verbotene Schriftsteller ebenso wie den jungen österreichischen Dramatiker Fritz Hochwälder und die Klassiker. Rott setzte sich für den europäischen Kulturaustausch auf dem Gebiete des Theaters ein und wurde 1959 von Ernst Haeusserman abgelöst.

Der Regisseur, Filmproduzent und einstige Assistent von Max Reinhardt in Hollywood, Ernst Haeusserman (Direktor von 1959 bis 1968) verpflichtete bedeutende Regisseure ans Burgtheater und profilierte den Spielplan durch die Gliederung in Zyklen. Um eine Stagnation zu verhindern, bemühte er sich um Neuengagements mit dem Ziel der Etablierung eines Ensembletheaters. 60 Neuengagements zur Generationsablöse ermöglichten 1968 eine dreimonatige Welttournee des Burgtheaters, die das Ensemble u.a. in die USA, Japan und nach Israel führte.

Seit 1959 war der Schauspieler Paul Hoffmann Ensemblemitglied des Burgtheaters, bevor er 1968 dessen Direktor wurde. Der Deutsche setzte bis 1971 auf Gesellschaftskritik durch klassische Werke, die er auf die Zeit bezogen sehen wollte. Er gewann etwa Heinz Reincke und Klaus-Jürgen Wussow für das Ensemble.

Die damalige internationale Regieavantgarde wie Giorgio Strehler, Luca Ronconi und Peter Hall holte der Wiener Gerhard Klingenberg (1971-76) in seiner Amtszeit an die Burg, die er so für das zeitgenössische Theater öffnen wollte. Er setzte sich zudem zum Ziel, die deutsche Sprache zum Träger einer spezifisch österreichischen Theaterkultur zu machen. Unter Klingenberg wurde die Ensemblevertretung gestärkt und auch das Publikum nach seinen Wünschen befragt. Später war Klingenberg auch Leiter des Zürcher Schauspielhauses und des Berliner Renaissancetheaters.

Der deutsche Schauspieler und Regisseur Achim Benning (1976-86) kam als Ensemblevertreter an die Spitze des Burgtheaters, bekannte sich während seiner Direktionszeit mit zirka 50 Stücken pro Spielzeit zum Repertoiretheater und initiierte zahlreiche Auslandsgastspiele. Auch wichtige Ur- und Erstaufführungen standen am Spielplan.

Kulturschock Peymann
Eine Art Kulturschock provozierte der Deutsche Claus Peymann (1986-99), der trotz zahlreicher politischer Kontroversen immer wieder im Amt bestätigt wurde. Durch Änderung des Abonnementsystems und Neustaffelung der Eintrittspreise konnte er neue, jüngere Publikumsschichten für das Burgtheater gewinnen. Auch im Ensemble sorgte er durch das Mitbringen zahlreicher Stützen seiner Bochumer Direktionszeit (wie etwa Gert Voss und Kirsten Dene) für größere Veränderungen. Unter Peymann wurden nicht nur viele Stücke Thomas Bernhards aufgeführt, sondern auch Peter Handke und Peter Turrini zu Hausautoren.

Unter dem Steirer Klaus Bachler (seit 1999) wurde das Burgtheater eine Tochtergesellschaft der ausgegliederten Bundestheater-Holding. Der Kulturmanager, der zuvor die Wiener Festwochen und die Wiener Volksoper geleitet hatte, setzt auf eine Mischung von unterschiedlichen Regie-Temperamenten (etwa Andrea Breth, Peter Zadek, Christoph Schlingensief und Martin Kusej), die er für kontinuierliche Arbeit ans Haus holte, und eine breite inhaltliche wie ästhetische Palette. Ab 2008 übernimmt Bachler die Direktion der Bayerischen Staatsoper und übergibt die Burgtheater-Direktion im Herbst 2009 an Matthias Hartmann. (APA/red)