Vom Sträflingsanzug in die Armeeuniform:
US-Militär nimmt mehr Vorbestrafte auf

Rekrutenmangel: Hürden für Zulassung gesenkt Irak und Afghanistan schrecken viele Freiwillige ab

Vom Sträflingsanzug in die Armeeuniform:
US-Militär nimmt mehr Vorbestrafte auf © Bild: AP/Wigglesworth

Wegen der Personalknappheit infolge der Kriegseinsätze im Irak und in Afghanistan nehmen die US-Streitkräfte immer mehr Vorbestrafte in ihre Reihen auf. Die Zahl der Ausnahmegenehmigungen, die für die Aufnahme von Rekruten mit Vorstrafenregister benötigt werden, sei im vergangenen Jahr um ein Viertel gestiegen, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf Daten des US-Verteidigungsministeriums (Pentagon).

In der Armee seien im Finanzjahr 2007 rund 10.250 solcher Genehmigungen erteilt worden, für die Marineinfanterie gut 17.400. Im Vorjahr habe die Zahl bei 8.130 für die Armee und 16.970 für die Marineinfanterie gelegen.

Die Zahl der Armeerekruten mit Vorstrafen für Straftaten wie Körperverletzung, Einbruch und schwerer Diebstahl sei von 248 auf 511 gestiegen, heißt es in dem Bericht weiter. Bei der Marineinfanterie nahm die Zahl solcher neuen Soldaten demnach von 208 auf 350 zu. Einzelne Rekruten seien auch wegen Brandstiftung, terroristischer Drohung mit Bombenexplosionen oder sexueller Übergriffe verurteilt. Die große Mehrheit der Ausnahmegenehmigungen sei aber wegen reiner Ordnungswidrigkeiten, nicht wegen krimineller Taten erteilt worden.

Ein Pentagon-Vertreter räumte gegenüber der "Washington Post" ein, dass die Streitkräfte inzwischen mehr Ausnahmen für Vorbestrafte machten, weil die Zahl der anderen Interessenten wegen der Kriegseinsätze im Irak und in Afghanistan rückläufig sei. Um ihre Rekrutierungsziele zu erreichen, müssten die Streitkräfte auch Bewerber mit problematischem Hintergrund aufnehmen. In den USA gibt es keine Wehrpflicht. Die Armee besteht aus Freiwilligen.
(apa/red)