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UNO-Entwicklungsbericht: "Ein Marathon und kein Sprint"

Österreich im Ranking der menschlichen Entwicklung auf Platz 24

"Menschliche Entwicklung für alle" - Das ist das Motto des aktuellen Berichtes über menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen, der am Freitag in Wien vorgestellt wurde. Vor allem in turbulenten politischen Zeiten mit zunehmendem Populismus sei der Fokus auf jene, die nicht oder nur wenig von Entwicklung profitieren, extrem wichtig, erklärte Selim Jahan, leitender Autor des Berichtes.

"Niemand darf zurückgelassen werden", betonte Jahan. Und dieses Ziel sei durchaus auch möglich, so der Direktor des Büros für den Human Development Report (HDR) anlässlich der Präsentation in Wien. Doch sei Entwicklung "ein Marathon und kein Sprint", Fortschritte würden zwar verzeichnet, oft aber eben langsam. Als größte Herausforderung nannte Jahan, das "mindset", also die Einstellung bzw. geistige Haltung der Einzelnen, zu verändern.

"Wir müssen jene erreichen, die am weitesten hinten sind, und uns dann erst auf die Reise machen", bekräftigte er. Ob das in Zeiten von zunehmendem Nationalismus und Populismus nicht besonders schwierig sei? Ja, doch gerade jetzt brauche es diesen Ansatz. "Ansonsten werden wir in ein paar Jahren noch mehr Marginalisierung erleben."

Marginalisiert, diskriminiert und oder gar ausgeschlossen von Entwicklung sind schon jetzt zahlreiche Menschen. Und das trotz des weltweiten Anstiegs menschlicher Entwicklung in quasi allen Regionen, wie die Erhebungen der vergangenen 25 Jahre zeigen. In allen Regionen der Welt gibt es Gruppen, die von systemischen, oft nicht erfassten Hindernissen zum Aufschließen betroffen sind.

Jahan nennt hier insbesondere Frauen und Mädchen, die in fast allen Gesellschaften weiterhin diskriminiert werden, aber auch Minderheiten wie indigene Bevölkerung, Flüchtlinge oder Migranten. Investitionen in die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen bezeichnete der UNO-Diplomat als "klügste Investition einer Gesellschaft".

Wolfram Schaffer vom Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien gab indes zu bedenken, dass eine positive Entwicklung auf einer Seite oft eine negative Entwicklung auf der anderen zur Folge hat. Die entwicklungspolitische Dachorganisation AG Globale Verantwortung erinnerte daran, dass dies der oft fehlenden Politikkohärenz geschuldet sei.

Johanna Mang, Geschäftsführerin der Hilfsorganisation Licht für die Welt, betonte, dass bei Entwicklungsprojekten nicht nur "die Stimme" der Betroffenen gehört werden solle. Sie sollten den Prozess von Anfang bis Ende "formen und mitgestalten".

Im globalen Kontext wurde der Weltentwicklungsbericht, der HDR 2016, bereits Ende März vorgestellt. Norwegen, Australien, die Schweiz, und Deutschland liegen dabei auf den ersten vier Plätzen des Index für menschliche Entwicklung (Human Development Index, HDI). Österreich liegt in der aktuellen Statistik auf dem 24. Platz. Auf den hinteren Rängen finden sich die Zentralafrikanische Republik, Niger und der Tschad.

(SERVICE: Jahresbericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), der Human Development Report (HDR) - http://go.apa.at/z8NSExCG)

Kommentare

Ghanisham D. Gulati

Was bedeutet die menschliche Entwicklung? Für die Ermittlung der Indikator werden die in diese Artikel stehenden 4 Faktoren berücksichtigt. Die entwickelten Länder erreichen diese "Menschliche Entwicklung" durch Ausbeutung von Entwicklungsländern. ist diese eine menschliche Vorgehensweise? Oder gehört zu menschliche Entwicklung auch eine Werte Entwicklung. www.managementvonwerten.de

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