Trauer in der FPÖ: Ex-Bundesparteiobmann Friedrich Peter ist heute 84-jährig gestorben

Wandelte sich vom SS-Mann zum Demokraten Alt-Blauer war unerbittlicher Kritiker von Jörg Haider

Trauer in der FPÖ: Ex-Bundesparteiobmann Friedrich Peter ist heute 84-jährig gestorben

Der frühere Bundesparteiobmann der FPÖ, Friedrich Peter, ist 84-jährig verstorben. Wie sein langjähriger Weggefährte, der frühere Wiener FP-Obmann Erwin Hirnschall, am Montag auf Anfrage der APA mitteilte, ist Peter am Sonntag im Wiener Hanusch-Krankenhaus gestorben. Mit Unterbrechungen befand sich Peter dort seit August wegen eines Nierenleidens in Behandlung.

Peter sei es bis zum heurigen Sommer sehr gut gegangen, sagt Hirnschall. "Er ist körperlich in einem beneidenswerten Zustand gewesen." So habe Peter noch im Juni einen einstündigen, frei gesprochenen Vortrag im Liberalen Club gehalten. Im Sommer seien dann jedoch Probleme mit Nieren und Blut aufgetreten. Vor zwei bis drei Wochen habe sich sein Zustand dann rapide verschlechtert, berichtet Hirnschall.

Hirnschall, der wie Peter zur "Gründergeneration" der FPÖ gehört, hatte auch nach dem Zerwürfnis Peters mit der Parteiführung um Jörg Haider den Kontakt zum früheren Obmann gehalten. Peter habe Mitte der 90er Jahre den EU-Beitritt angestrebt und sich scharf gegen den Anti-EU-Kurs Haiders gewendet, erinnert sich Hirnschall. Außerdem habe Peter die Partei in eine liberale Richtung führen wollen und daher auch enge Kontakte zur FDP unterhalten.

Der vormalige SS-Obersturmbannführer wurde in der Zweiten Republik zum "brauchbaren Demokraten", wie er selbst meinte. Seinen politischen Höhepunkt erlebte er als Stütze der SPÖ-Minderheitsregierung unter Bruno Kreisky sowie als Architekt der rot-blauen Koalition Anfang der 80er Jahre.

Später wandte sich der Alt-Blaue von der FPÖ ab - unter anderem im Streit mit Jörg Haider. Die Partei verließ er 1992, nachdem er den Kärntner Landeshauptmann wegen seines Lobs für die "ordentliche Beschäftigungspolitik" im Dritten Reich scharf kritisiert hatte. Für die schwarz-blaue Koalition fand Peter nur kritische Worte. Wörtlich sprach er von einer "innenpolitischen Sonnenfinsternis". Das Delegiertentreffen von Knittelfeld, das zum Ende von Schwarz-Blau I geführt hatte, nannte Peter ein "freiheitliches Verbrechen".

Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte in der Fernsehsendung "Offen gesagt" im April dieses Jahres bezeichnete er die Spaltung der Freiheitlichen als Abschluss einer Sache, die vor 20 Jahren begonnen habe. Chancen hätte die freiheitliche Sache nur, wenn sich Haider und FP-Chef Heinz-Christian Strache die Hände reichen würden, prophezeite er einen Monat später bei einem Vortrag im Liberalen Klub.

Friedrich Peter wurde am 13. Juli 1921 in Attnang-Puchheim in Oberösterreich geboren. Bereits 1938 NSDAP-Mitglied geworden, diente er nach einer freiwilligen Meldung von 1941 bis 1945 in der 1. Infanteriebrigade der Waffen-SS. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Peter zunächst fast ein Jahr im amerikanischen Anhaltelager für ehemalige Nationalsozialisten in Glasenbach inhaftiert, anschließend war er Lehrer und Landesschulinspektor in OÖ.

Seine politische Karriere begann 1955, als er als Abgeordneter - zunächst noch für den Verband der Unabhängigen (VdU) - in den Oberösterreichischen Landtag einzog. Am 14. September 1958 wurde er als 37-Jähriger zum Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) gewählt, an deren Gründung als Nachfolgepartei des VdU er 1956 führend beteiligt gewesen war. In den Nationalrat kam Peter am 30. März 1966, vier Jahre später wurde er Klubobmann seiner Fraktion.

Eines der wichtigsten Ziele Peters, der nach einer persönlichen politischen Umorientierung eine Strategie der Liberalisierung seiner Partei verfolgte, war immer eine Regierungsbeteiligung der FPÖ. 1970 verbaute er sich diese schon vor der Wahl: "Kein roter Kanzler, keine schwarze Alleinregierung", legte er sich fest - dass die ÖVP auch die relative Mehrheit verlieren würde, schien vor dem Urnengang nicht vorstellbar. Die Freiheitliche Partei unterstützte in der Folge aber die Minderheitsregierung Kreiskys, was ihr die SPÖ mit einer der kleinen Oppositionspartei entgegenkommenden Wahlrechtsreform dankte.

Als es auf der Basis der neuen Wahlordnung zu Nationalratswahlen im Oktober 1971 kam, konnte die FPÖ ihre Mandatszahl im - zahlenmäßig von 165 auf 183 vergrößerten - Plenum zwar von sechs auf zehn erhöhen, die Idee von der Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen war aber dahin: Es begannen die zwölf Jahre der absoluten Mehrheit von Kreiskys SPÖ. In diese Phase fiel auch der Konflikt mit Simon Wiesenthal. Als dieser 1975 die SS-Vergangenheit Peters aufdeckte, stellte sich Kanzler Kreisky erstaunlicher Weise hinter Peter.

Die rot-blaue Koalition 1983 hatte Peter - wiewohl schon seit fünf Jahren nicht mehr Parteichef - als einen ihrer Architekten. In ein Regierungsamt kam er zwar nicht, doch führte er bis zur innerparteilichen Machtübernahme Haiders den Klub. Die Wahl zum Dritten Nationalratspräsidenten scheiterte an seiner Nazi-Vergangenheit, die er auch selbst nie vergaß. Deren Hypothek und Folgen "trage ich bis an den Rand meines Grabes", so Peter.

Schüssel würdigt "markante Persönlichkeit"
Als "markante Persönlichkeit der österreichischen Nachkriegsgeschichte", die für mehr als eine Generation das dritte politische Lager verkörpert habe, bezeichnete Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) am Montag den verstorbenen langjährigen FPÖ-Chef Friedrich Peter. Er habe ihn im Parlament als "immer seinen Grundsätzen verpflichteten und aufrichtigen Gesprächspartner" erlebt, so Schüssel in einer Aussendung.

Strache: "Peter ist von der FPÖ großes Unrecht geschehen"
Mit Betroffenheit und Trauer kommentierte heute der Bundesparteiobmann der FPÖ, Heinz-Christian Strache, das Ableben von Alt-Obmann Friedrich Peter. Der frühere Bundesparteiobmann der FPÖ habe sich große Verdienste um die FPÖ erworben. Dass er "uns jetzt vorausgegangen ist", schmerze ihn, Strache, besonders. Leider sei es nicht mehr möglich gewesen, Frieden mit Friedrich Peter zu schließen, so der FPÖ-Chef Montag in einer Aussendung.

Auch wenn er, Strache, keinen Disput mit Peter gehabt, so sei diesem doch in der Vergangenheit von der Partei großes Unrecht geschehen. Die FPÖ trauere um einen großen Politiker des Dritten Lagers, "um einen Freiheitlichen aus bestem Schrot und Korn", so Strache abschließend.
(apa/red)