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Wahnsinn in 42 Serpentinen

Die Tour de France muss zweimal nach L'Alpe d'Huez. Die Abfahrt ist lebensgefährlich.

L'Alpe d'Huez im Panorama © Bild: 2011 AFP/Getty Images/Clatot

L'Alpe d'Huez ist schon einmal ein Horror. Bei der heutigen Etappe der 100. Tour de France müssen die Athleten die 21 legendären Serpentinen aber gleich zweimal erleiden - eine Premiere in der 110-jährigen Geschichte. Der Wahnsinn ist aber auch bei den Fans vorprogrammiert. 1,5 Millionen werden am Berg erwartet.

Den Radprofis graut dagegen vor allem vor der Abfahrt vom anschließenden Col de Sarenne, der das Doppel-Spektakel überhaupt erst möglich macht. Ein Sturz dort könnte lebensgefährlich sein.

"Wenn man dort eine Kurve nicht richtig nimmt, fällt man sehr, sehr tief", warnt Spitzenreiter Christopher Froome vor der gefährlichen Talfahrt. Der Brite hat die schmale Straße mit dem unebenen Belag bereits einmal im Training und bei der Dauphine-Rundfahrt im Juni erlebt.

Es gibt nur einen Weg
Die Strecke über den Col de Sarenne ist der einzige Weg von L'Alpe d'Huez zurück ins Tal, um die 21 Spitzkehren hinauf noch einmal in Angriff nehmen zu können. "Ich hoffe, dass niemand ein zu hohes Risiko geht", sagte Froome. Wer erlebt hat, wie riskant der derzeit zweitplatzierte Spanier Alberto Contador am Dienstag bereits vom weit weniger gefährlichen Col de Manse gerast ist, wird diese Hoffnung kaum teilen.

Auch Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin plädiert für Vernunft entlang der steilen Schluchten. Der 28-jährige Wahlschweizer gehört zu den schärfsten Kritikern der Streckenführung. "Ich kenne keine Abfahrt mit diesem Gefahrenpotenzial und hätte keine Probleme die Sache ruhiger angehen zu lassen und nur darauf zu achten, nicht aus dem Zeitlimit zu fallen", sagte Martin. "Mein Leben ist mir lieber."

28. Ankunft in L'Alpe d'Huez
Bei der Jubiläumstour endet zum 28. Mal in der Geschichte eine Etappe auf der Alpe. Bereits am Mittwoch war entlang der Strecke kein Platz mehr zu bekommen. Zelte und Wohnmobile nahmen jedes Fleckchen Erde ein. Erster Sieger dort war 1952 der Italiener Fausto Coppi. Danach dauerte es bis 1976, ehe die Rundfahrt erneut Station auf 1.850 Meter Höhe machte. Seitdem kommt die Tour regelmäßig in L'Alpe d'Huez vorbei. Die Namen der Etappensieger sind in den 21 rücklaufend nummerierten Kehren auf Tafeln verewigt.

In den Kurven 21 und 19 steht heute noch der Name Armstrong zu lesen, der dort auch 2001 gewonnen hatte. "Es gab heiße Diskussionen darum, die Tafeln zu entfernen. Aber wir haben uns dagegen entschieden", erklärte der Bürgermeister von L'Alpe d'Huez, Jean-Yves Noyrey, der Nachrichtenagentur dpa. Auch der 2004 an einer Überdosis Kokain gestorbene Italiener Marco Pantani hat noch seine Ehrentafeln. Der "Pirat" fuhr den Anstieg 1997 in nur 37:35 Minuten hinauf - bis heute die schnellste Zeit.

Der Berg der Holländer
In den Siebziger und Achtziger Jahren dominierten die Niederländer. Acht Etappensiege von niederländischen Profis haben den Anstieg zum "Berg der Holländer" gemacht. Auch heuer bevölkern wieder hunderttausende "Oranje"-Fans die Strecke.

Aus den Niederlanden sind eigens neun Polizisten angereist, damit die bierselige Stimmung nicht zu sehr aus den Fugen gerät. Diese wird während der Etappe ihren Höhepunkt erreichen und vermutlich auch nackte Tatsachen produzieren. "Wenn nur halb so viele Frauen ihre Brüste zeigen wie Männer ihre Ärsche, bin ich glücklich", sagte der Deutsche John Degenkolb am Ruhetag der dpa.

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