Tirol von

"Goldmord"-Polizist tot

Zu lebenslanger Haft verurteilter Ex-Beamter beging in seiner Zelle Suizid

Der angeklagte Polizist im Goldmord-Prozess © Bild: APA/Parigger

Der 52-jährige Ex-Polizist, der nach dem Tod einer leitenden Tiroler Bankangestellten am 2. Mai am Landesgericht Innsbruck nicht rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist, hat sich am Dienstag allem Anschein nach in seiner Zelle das Leben genommen. Laut dem Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, Hansjörg Mayr, gibt es keine Hinweise auf Fremdverschulden. Der Mann sei zum Tatzeitpunkt allein in der Mehrpersonenzelle gewesen.

"Die beiden Mithäftlinge hatten zu diesem Zeitpunkt die Zelle für einen Hofspaziergang verlassen", erklärte Mayr im Gespräch mit der APA. Der 52-Jährige war um 9.20 Uhr erhängt an der Querstrebe eines Fensters aufgefunden worden. Er habe für die Tat Verbandsmaterial verwendet. Eine Obduktion soll die genaue Todesursache klären.


Dem Anwalt des Ex-Polizisten, Hansjörg Mader, war vorerst nicht bekannt, ob sein Mandant womöglich etwas Schriftliches hinterlassen habe. "Ich muss erst mit den Angehörigen sprechen", meinte er gegenüber der APA. Er selbst habe den 52-Jährigen zuletzt vor drei Wochen gesehen. Er könne auch nicht sagen, ob der Grund für einen möglichen Selbstmord darin zu finden sei, dass sich sein Mandant ungerecht verurteilt gefühlt habe, oder ob es ein Schuldeingeständnis gewesen sei. Mader hatte nach der Verurteilung Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung gegen das Urteil und die verhängte Höchststrafe angemeldet.

Erdrückende Beweise

Der Ex-Polizist war am 2. Mai am Landesgericht Innsbruck zu lebenslanger Haft verurteilt worden. "Die heimtückische und grausame Vorgehensweise verlangt ein derartiges Urteil", hatte Richterin Verena Offer das Urteil begründet. Sieben Geschworene hatten die Schuld des Angeklagten als erwiesen angesehen, einer stimmte dagegen. Der Beschuldigte hatte bis zum Schluss seine Unschuld beteuert und behauptet, gemeinsam mit der Bankerin einen Raubüberfall fingiert zu haben. Die Goldbarren im Wert von 333.388 Euro, die bisher verschwunden blieben, hätten für einen Neustart in Mallorca verwendet werden sollen, so der Angeklagte in der Verhandlung. Diese werden jetzt wohl auch unauffindbar bleiben.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 52-Jährigen zur Last gelegt, die Bankangestellte am 15. März 2012 in Wiesing vorsätzlich getötet zu haben, indem er sie zunächst mit Chloroform betäubt, mit Benzin übergossen und schließlich den Pkw, in dem sie saß, mit zwei Signalfackeln in Brand gesetzt haben soll. Unter anderem wurden DNA-Spuren des Beschuldigten auf einer Stoffwindel sowie auf einem Kanister und einem Papierknäuel nachgewiesen, die allesamt am Tatort gefunden worden waren.

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