"Talente müssen eine faire Chance haben":
Heinz Hochhauser exklusiv auf NEWS.at

"Sehe noch immer Chance auf den Meistertitel" Sportdirektor: Mehr Spieler aus eigenen Akademien

"Talente müssen eine faire Chance haben":
Heinz Hochhauser exklusiv auf NEWS.at © Bild: GEPA/Roittner

Seit 2006 ist Heinz Hochauser bei Red Bull aktiv. Als Nachwuchsleiter gekommen, übernahm der Oberösterreicher in der Folge die sportliche Leitung, gab diese Aufgabe jedoch 2009 an Dietmar Beiersdorfer ab und kümmerte sich erneut um die Nachwuchsabteilung. Vor zwei Wochen wurde Hochhauser dann der Nachfolger seines Nachfolgers und übernahm zum zweiten Mal in seiner Karriere die sportliche Leitung von Red Bull. Mit NEWS.at unterhielt er sich über seine Ziele, die Entscheidung für Ricardo Moniz und warum die Champions League mehr verhindert als gebracht hat.

NEWS.at: Sie sind seit kurzem im neuen Amt. Wie sehen die kurzfristigen Ziele mit Red Bull Salzburg aus?
Hochhauser: Die kurzfristigen Ziele sind, dass wir eine Mannschaft zusammenstellen, die uns auch in den nächsten Jahren das garantiert, was wir unbedingt erreichen wollen. Den Titel und womöglich auch international zu spielen.

NEWS.at: Und was soll langfristig in Salzburg passieren?
Hochhauser: Das langfristige Ziel ist, dass wir das auch mit einer Mannschaft machen, wo wir immer mehr Leute auch aus unserer eigenen Fußballwelt, wo wir Akademien haben, in die erste Mannschaft einbauen können.

NEWS.at: Wenn Sie verstärkt auf die Jugend setzen wollen, heißt es dann einheimische Jugend oder ist das als Red- Bull Gesamtprojekt zu verstehen?
Hochhauser: Das ist ein Gesamtprojekt, klar. Einheimische inkludiert, das werden auch immer die meisten sein. Ich möchte aber korrigieren: Ich habe nicht gesagt, wir setzen auf die Jugend. Ich habe gesagt, wir müssen auch unseren Talenten eine faire Chance geben, bei uns zu spielen. Nur müssen sie natürlich die Chance dann auch nützen. Bisher war es so, dass die Talente gar keine Chance bekommen haben. Die sind dann automatisch weggegangen und das müssen wir ändern.

NEWS.at: Gibt es schon eine konkrete Personalplanung? Wer wird den Verein verlassen, wer wird kommen?
Hochhauser: Das ist noch zu früh. Wer den Verein verlassen wird, werden wir in dieser Woche entscheiden und den Spielern mitteilen. Wer kommen wird, da sind wir auf der Suche. Für uns ist das alles natürlich nicht so einfach, weil ich seit einer Woche im Amt bin, die Trainer seit drei Wochen. Die geeigneten Spieler zu finden, das machen alle anderen auch, da sind wir jetzt sehr aktiv. Und ich hoffe, dass wir die zwei, drei geeigneten Spieler, und sehr viel mehr werden es im Sommer nicht werden, finden. Die sollen uns helfen, eine erfolgreichere Mannschaft als heuer hier in Salzburg zu haben.

NEWS.at: Sie haben gesagt, dass die Champions League in Salzburg keine Pflichtvorgabe mehr ist. Wird die Erwartungshaltung im Umfeld den Verein nicht trotzdem stark unter Druck setzen?
Hochhauser: Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, dass der Weg, den wir vorgeschlagen haben, ganz gut hier in Salzburg ankommt. Nämlich den Jungen auch eine Chance zu geben. Das ist eigentlich das, wo wir auch immer wieder kritisiert wurden. Den Weg wollen wir jetzt auch wirklich einmal leben. Mit der Einschränkung, dass die Spieler natürlich auch die Qualität haben müssen, sonst werden sie bei uns nicht spielen können. Die Champions League hat das oft für einen Trainer verhindert, denn es gibt keinen Trainer, der auf Junge setzt mit dem Rucksack, die Champions League unbedingt erreichen zu müssen. Und diesen Rucksack wollen wir den Trainern abnehmen. Und dann schauen wir mal, vielleicht erreichen wir sie trotzdem. Das ist ja nicht verboten. Aber nicht mit der Vorgabe, die gibt es bei uns nicht.

NEWS.at: Ist im Sinne der Entwicklung der Spieler auch die Entscheidung für Ricardo Moniz gefallen, der als Anhänger von Wiel Coerver gilt?
Hochhauser: Nicht nur das war ausschlaggebend. Wir haben ein Trainerteam. Ricardo Moniz ist seit einem Jahr bei uns und war mit mir für die globale Entwicklung zuständig. Das heißt, er hat Trainerschulungen gemacht in den verschiedenen Akademien, auch mit mir gemeinsam. Niko Kovac war zwei Jahre lang Trainer unserer zweiten Mannschaft. Und das ist auch ein Zeichen. Ich sage immer, man braucht ja nur die Trainer in der Bundesliga anschauen. Die Leute, die aus dem Nachwuchs kommen, haben mehr Vertrauen in junge Spieler als andere. Als Beispiel Paul Gludovatz, der über 20 Jahre sehr erfolgreich im Nachwuchs gearbeitet hat, hat weniger Probleme als andere, junge Spieler einzubauen. Und das ist auch für uns ein Zeichen, dass wir auf zwei Trainer vertrauen, für die es zwar im Profifußball ihre erste Station ist, die aber doch eine Erfahrung und eine Vergangenheit als Nachwuchstrainer haben, so wie ich das auch gehabt habe. Ricardo Moniz vielleicht etwas mehr, denn der war ja schon bei mehreren Clubs in ähnlicher Funktion tätig,

NEWS.at: Sind die Red-Bull-Vereine gleichberechtigt oder wird für RB Leipzig ausgebildet? Was passiert, wenn sich ein Spieler in Salzburg sehr gut entwickelt?
Hochhauser: Es sind gleichberechtigte Vereine. Es ist nicht so, dass New York Priorität hat oder Salzburg oder Leipzig oder Brasilien oder Ghana. Wir haben eine gemeinsame Fußballphilosophie im Nachwuchs und die versuchen wir umzusetzen. Das heißt Spieler zu entwickeln, und da werden wir immer besser. Man sieht das auch. Unsere Spieler sind überall begehrt. Da muss ich mir nur jetzt Salzburg anschauen. Das sind Nachwuchsspieler, die alle eine Top-Ausbildung haben. Aber jeder Club macht natürlich seine eigene Arbeit. Es ist nicht so, dass wir die Spieler herumschieben, wie wir wollen. Es gibt da auch Regeln. Das ist gar nicht so einfach, aber es ist natürlich auch nicht auszuschließen. Wir haben jetzt zum Beispiel drei Brasilianer und einen Ghanaer hier. Dass einmal ein New Yorker nach Leipzig geht oder ein Salzburger, das ist auch nicht auszuschließen.

NEWS.at: Sie waren schon einmal in der jetzigen Position und wurden abgelöst. Denken Sie noch zurück oder haben Sie Angst, dass das wieder passiert?
Hochhauser: Das ist abgehakt. Und Gedanken über eine Ablöse im Fußball sollte man sich nicht machen, das passiert immer wieder. Das sehe ich relativ schmerzfrei. Ich versuche aus Fehlern zu lernen. Ich versuche zu garantieren, dass wir keine großen Ausrutscher haben. Auch was die Kaderplanung betrifft. Dass die jungen Spieler eine Chance bekommen. Dafür bin ich angetreten und das möchte ich auch durchziehen.

NEWS.at: Sollte Sturm Punkte liegen lassen, dann ginge sich der Meistertitel noch aus. Ist das ein konkretes Ziel oder ist für Sie die Saison schon vorbei?
Hochhauser: Abgehakt ist die Saison noch nicht. Wir wissen, dass wir aus eigener Kraft nicht mehr Meister werden können. Sturm hat natürlich alles in der Hand. Sie haben Wiener Neustadt und ich hoffe, dass Wiener Neustadt sich noch einmal wirklich zur Wehr setzt. Das ist ein Fairness-Gebot für alle anderen Clubs. Aber Sturm ist der große Favorit und wir können nichts anderes machen, als unsere zwei Spiele gewinnen. Dann werden wir sehen, was rauskommt. Aber ganz abhaken können wir das nicht. Es sind noch zwei Spiele, wir sind einen Punkt hinten und die Meisterschaft hat heuer schon viele Überraschungen gebracht. Ich sehe noch immer die Chance, dass wir Meister werden.

(Paddy Fischer)

Zur Person:
Heinz Hochauser wurde 1947 geboren. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer an einer HTL verfolgte er seine Karriere im Fußball. 1990 wechselte er in das Bundesnachwuchszentrum Linz und stieg 1995 zum Nachwuchsleiter des FC Linz auf, wo er in der Folge auch Cheftrainer wurde. Nach einer Saison kehrte Hochhauser zurück zum Nachwuchsfußball und wechselte zur SV Ried. Außerdem übernahm er eine Nachwuchsauswahl des ÖFB. 1998 wurde der gebürtige Welser Trainer der Profimannschaft der SV Ried, ging zwei Jahre später zur Wiener Austria. 2002 folgte ein Kurz-Comeback beim FC Kärnten, im Jahr darauf sprang er für den erkrankten Georg Zellhofer beim SV Pasching ein. Nach erneut 2 Jahren in Diensten von Ried erfolgte schließlich der Schritt zu Red Bull Salzburg.