Sturm-Spieler Sebastian Prödl übernimmt Verantwortung: Kapitän und Führungsspieler

Liga-Stammspieler legte sehr steile Karriere hin

Sturm-Spieler Sebastian Prödl übernimmt Verantwortung: Kapitän und Führungsspieler

Von allen Mitgliedern des österreichischen Fußball-U20-Teams hat Sebastian Prödl in den vergangenen Monaten den steilsten Aufstieg hingelegt. Sein Bundesliga-Debüt feierte der Verteidiger erst am 9. Dezember des Vorjahres beim 0:1 seines Clubs Sturm Graz in Mattersburg, sieben Monate später ist der 20-Jährige zweifacher A-Teamspieler, Kapitän eines Junioren-WM-Viertelfinalisten und als einer von wenigen seiner Nachwuchs-Kollegen Liga-Stammspieler.

Erst rund zwei Wochen vor dem Abflug nach Kanada wurde der 1,92 m große Innenverteidiger von Teamchef Paul Gludovatz zum Kapitän ernannt, innerhalb kürzester Zeit wuchs Prödl in seine neue Rolle hinein. Innerhalb der Truppe ist der Steirer mittlerweile eine absolute Respektsperson. So folgt etwa die gesamte Mannschaft ohne Murren der Order des Abwehrspielers und wirft sich nach jedem Match sofort nach der Rückkehr aus dem Stadion zur Regeneration in den Hotel-Pool, anstatt die Erfolge in Übersee ausschweifend zu feiern.

Zeug zum Führungsspieler
Prödl hat ganz offensichtlich das Zeug zum Führungsspieler. "Ich übernehme eben gern Verantwortung, auch im privaten Bereich. Das hat auch der Teamchef erkannt und ich glaube, dass ich sein Vertrauen gerechtfertigt habe", meinte der Sturm-Kicker, der sowohl abseits als auch auf dem Rasen eine Schlüsselfunktion in den Plänen von Gludovatz einnimmt. Nicht nur, dass Prödl in der Innenverteidigung ständig souverän agiert, war er auch an drei der vier ÖFB-Treffer bei der U20-WM maßgeblich beteiligt.

Gegen Gambia traf er selbst per Kopf und gegen Kongo konnte der Goalie einen seiner wuchtigen Kopfbälle nur kurz abwehren, woraufhin Erwin Hoffer abstaubte. Im Match gegen Kanada lotste er David Edgar, den Kopfball-Spezialisten der mittlerweile ausgeschiedenen Gastgeber, bei einem Eckball aus dem Strafraum-Zentrum, womit der Weg für den Torschützen Rubin Okotie frei wurde.

"Die Öffentlichkeit hat das nicht von uns erwartet, aber wir haben gewusst, welches Potenzial in uns steckt", erklärte der Verteidiger, gab aber auch zu, "dass es vielleicht sogar den einen oder anderen von uns wundert, dass wir so weit gekommen sind".

Das Erfolgsgeheimnis seiner Truppe ist für Prödl schnell erklärt. "Wir bilden eine derartige Einheit, wie sie bei Jugend-Teams selten ist. Bei uns ist Team-Spirit keine Phrase - wir leben das wirklich."

"Großes Potenzial" auch in A-Team
Von Vergleichen zwischen dem erfolgreichen U20-Team und dem momentan eher erfolglosen A-Team hält Prödl nichts. "Als ich erstmals im Nationalmannschafts-Kader war, war ich selbst überrascht, was für ein großes Potenzial dort vorhanden ist. Uns muss einfach nur der Knopf aufgehen." Außerdem seien die A-Team-Mitglieder "alles gestandene Fußballer, das müssen wir erst werden." An ein EURO-Scheitern glaubt er nicht. "Ich mache mir keine Sorgen, dass wir bei der EM die Gruppenphase nicht überstehen."

Prödl könnte möglicherweise selbst einen maßgeblichen Beitrag zu einer erfolgreichen Heim-Europameisterschaft leisten, gilt er doch als aussichtsreicher Kandidat für einen EURO-2008-Kaderplatz, selbst wenn Emanuel Pogatetz bei der Heim-EM dabei sein sollte. Von dem Middlesbrough-Legionär könne er noch einiges lernen, sagte der Verteidiger. "Pogatetz verkörpert eine Vorbildrolle für wahrscheinlich alle österreichischen Spieler."

Aufgrund seiner Spielweise würde er gern einmal so wie Pogatetz in der Premier League kicken, auch die deutsche Bundesliga hat es Prödl angetan. "Aber ich lebe in der Gegenwart", betonte Prödl, der als einziger ÖFB-Kicker neben Michael Stanislaw in allen vier WM-Partien durchspielte. (apa)