Stichwort Erfrierungen: Anfängliche Taubheit endet mit Gewebe-Sterben

Kälte sorgt für einen erhöhten Energieverbrauch

Erfrierungen kommen in Österreich kaum vor und betreffen vor allem bestimmte Personengruppen, die sich schwer vor Kälte schützen können. Dabei handelt es sich vor allem um kleine Kinder, in Not geratene Bergsteiger oder Betrunkene, die nicht mehr angemessen auf frostige Temperaturen reagieren können, so Chefarzt Wolfgang Schreiber vom Roten Kreuz. Wie bei Verbrennungen gibt je nach dem Ausmaß der Symptome auch bei "Frostschäden" eine genaue Abstufung.

Erfrierungen sind Gewebeschädigungen, die von Durchblutungsstörungen hervorgerufen werden. Neben Kälte und Wind kann auch Nässe dafür sorgen, dass die Blutzufuhr zu sehr verringert wird. Zu erkennen sind Frostfolgen anfangs vor allem durch Schmerzen, Gefühllosigkeit und Blässe. Diese oberflächlichen Erfrierungen (Stufe 1) sind auch durch eine blauroten Verfärbung gekennzeichnet.

Bei einer tiefergehenden Schädigung (Stufe 2) bilden sich Blasen und die Haut zeigt eine weiße bis graublaue Schattierung. Die Bewegungsfähigkeit ist eingeschränkt, Berührungen werden nicht mehr wahrgenommen oder schmerzen stark. Bei der schlimmsten Form der Erfrierung - Stufe 3 - stirbt das Gewebe ab und es drohen irreparable Schäden. Körperteile wie Finger oder Zehen müssen amputiert werden.

Direkte Wärme - zum Beispiel heißes Wasser - ist bei Erfrierungen keinesfalls ratsam. Besser ist es, die Temperatur an betroffenen Körperstellen langsam in einem beheizten Raum oder mit Decken zu erhöhen. Wärmflaschen sollte man besser nicht einsetzen, auch ein Einreiben oder Frottieren mit Schnee ist nicht hilfreich. Wenn innerhalb einer Stunde die Schmerzen nicht nachlassen und die Haut eine Verfärbung zeigt, muss man jedenfalls einen Arzt aufsuchen.

Bei starken Erfrierungen sind laut Schreiber zunächst beengende Kleidungsstücke zu öffnen und betroffene Stellen mit einem keimfreien Verband abzudecken. Wichtig ist der Konsum von warmen, wenn möglich gezuckerten Getränken. "Kälte ist ein intensiver Faktor für das Hinaufschrauben des Stoffwechsels", so Schreiber. Das Zittern führe zu extremen Muskelkontraktionen, die Zufuhr von Glukose gebe daher neue Energie.

Das Trinken von heißen Getränken ist nicht nur zur Erwärmung wichtig. "Kälte führt zu einem Ansteigen der Harnproduktion und kann zu Flüssigkeitsverlust führen", erklärte der Mediziner. Der Grund: "Die Niere veranlasst, dass Flüssigkeit aus dem Organismus abgezogen wird." Sonst sind ähnliche Effekte wie bei Hitze möglich.

(apa/red)