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Mekka der Sterngucker

350 Sternschnuppen heute Nacht: Wo der beste Ort für das Himmelsspektakel ist

Sternschnuppe © Bild: istockphoto.com/Oreste Gaspari

In der Nacht von 12. auf 13. August werden bis zu 350 Sternschnuppen pro Stunde erwartet. Wer das Himmelsspektakel ungefiltert verfolgen will, sollte ins "Sternendorf" Großmugl im Weinviertel fahren.

Mitten im Weinviertel, auf halbem Weg zwischen Wien und Tschechien, liegt ein kleines Dorf namens Großmugl: 650 Einwohner, ein Kindergarten, eine Schule, ein Arzt, ein Supermarkt, ein Grabhügel aus der Hallstattzeit, zwei Wirtshäuser. Und einer der besten Orte, um die Sternschnuppen zu beobachten, die in der Nacht der Perseiden -vom 12. auf den 13. August - auch heuer wieder gehäuft auftreten werden. Denn Großmugl ist ein "Sternendorf".

Der perfekte Himmel

Zu ihrem Attribut kam die Ortschaft durch Zufall. Vor ein paar Jahren ging der Astronom Günther Wuchterl ins vegane Gasthaus von Karl "Charly" Schillinger in Großmugl essen. "Er war damals gerade auf der Suche nach dem perfekten Himmel für Sternenbeobachtungen", erinnert sich der Wirt. "Und bei uns wurde er fündig."

Astronom Wuchterl erklärt: "Das Besondere an Großmugl ist, dass es hier praktisch keine Lichtüberflutung gibt. Es ist heutzutage sehr schwer, einen naturnahen Himmel zu finden. Viele Hobbyastronomen reisen daher bis nach Namibia. Doch die Lage von Großmugl ist nahezu perfekt. Es ist - im Gegensatz zu Orten im Hochgebirge -leicht erreichbar, und die Lichter der Großstadt Wien werden durch drei Hügelketten abgeschirmt."

Normalerweise verhindert Großstadtlicht die ungetrübte Sicht auf den Himmel. Noch mehrere 100 Kilometer entfernt seien diese Lichter wahrnehmbar, sagt Wuchterl.

Lichtverschmutzung ist ein Problem

Im Nationalpark Hohe Tauern etwa sieht man viele Sterne aufgrund der hell beleuchteten Poebene in Norditalien nicht. "Das Licht der Städte, das nach oben strahlt, wird in der Wetterschicht von Eiskriställchen reflektiert. Daher ist es auch aus weiter Entfernung noch sichtbar", beschreibt Wuchterl den Effekt. In Großmugl kennt man das Problem der Lichtverschmutzung nicht. Es gibt keine Reklametafeln. Und mit dem Pfarrer wurde ein Kompromiss gefunden: Die Kirche wird nur noch bis 22.30 Uhr und nicht mehr die ganze Nacht lang beleuchtet. Zu speziellen Anlässen, wie etwa der Nacht der Perseiden, wird auch die Straßenbeleuchtung abgeschaltet. Bürgermeister Karl Lehner steht voll und ganz hinter dem Projekt Sternendorf: "Mir war zwar bewusst, dass wir die Sterne hier sehr gut sehen können, aber Hobbyastronom war ich früher keiner", sagt er. "Als mir Charly dann von seinem Gespräch mit Wuchterl erzählt hat, ist mir klar geworden, dass der Himmel über Großmugl einzigartig und es nicht selbstverständlich ist, die Milchstraße und sämtliche Sternbilder sehen zu können." So wurde aus Großmugl "Großmugl an der Milchstraße". Im Jahr 2011 wurde im Ort erstmals ein "Sternenfest" gefeiert. Das Interesse daran war enorm. "Darum haben wir beschlossen, einen Sternenweg zu errichten", sagt der Bürgermeister. Der rund 1,5 Kilometer lange Spazierweg führt vom Gasthaus Schillinger zum Leeberg. Der große Grabhügel aus der Hallstattzeit gab dem Ort seinen Namen. Rund um diesen Hügel ist Wiese. Auf dieser können es sich die Sterngucker bequem machen, um den perfekten Blick auf den Nachthimmel zu haben.

Die Perseiden sind jedes Jahr Mitte August zu sehen, immer dann, wenn die Erde durch den alten Staub des Kometen " Swift-Tuttle" fliegt. "Der Komet selber ist sehr klein, seine Staubwolke aber recht groß", erklärt Astronom Wuchterl. Der Staub kann nirgends hinfallen und bleibt daher im Weltall.

Darum sieht man so viele Sternschnuppen

Der Komet Swift-Tuttle, der 1862 entdeckt wurde, kreuzt die Erdumlaufbahn regelmäßig. Daher fliegt die Erde einmal jährlich durch dessen alte Staubbahnen. Der Staub trifft mit hoher Geschwindigkeit auf die Atmosphäre und bringt Luftmoleküle zum Leuchten, was als Sternschnuppe sichtbar wird. Da der Ursprung dieser Sternschnuppen im Sternbild Perseus zu liegen scheint, trägt das um den 12. August auftretende Phänomen den Namen Perseiden. 100 bis 350 Sternschnuppen pro Stunde werden heuer in der Nacht der Perseiden erwartet. Die beste Zeit für Beobachtungen ist von Mitternacht bis zur Morgendämmerung. Die Esoterikszene würde den Hügel, über den an den Tagen der Winterund Sommersonnenwende die Sonne zu rollen scheint, gerne in Beschlag nehmen. Bürgermeister und Wirt sehen das eher skeptisch. "Wir wollen, dass bei uns interessierte Menschen einen netten Abend verbringen können. Mit schwarzen Messen und dergleichen haben wir nichts am Hut", stellt Lehner fest. So sei es schon vorgekommen, dass ein nackter Mann am helllichten Tag an das Kreuz gebunden und von einer Domina ausgepeitscht wurde, sagt Schillinger.

Bürgermeister Lehner hat allerdings noch ein großes Ziel: Großmugl soll Unesco-Weltkulturerbe werden. Demnächst komme eine internationale Kommission in den Ort, um den Antrag zu prüfen. "Wir bieten diesen tollen Sternenhimmel, der für Millionen Menschen aus dem Großraum Wien sehr schnell erreichbar ist", sagt der Bürgermeister. "Dazu haben wir den Hügel aus der Hallstattzeit und die Kreisgräben." Massentourismus will man in Großmugl eigentlich vermeiden. Wenn man den Bürgermeister so schwärmen hört, könnte das schwierig werden.

STERNE SCHAUEN

In der Nacht der Perseiden (12./13. August) werden heuer bei Schönwetter besonders viele Sternschnuppen zu sehen sein. Sternenbeobachter sollten Decken zum Draufliegen und Zudecken, eine Rotlichttaschenlampe und etwas Geduld mitbringen. Nicht notwendig ist ein Fernglas, da man damit nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels sehen kann. Unerwünscht sind Lichtquellen aller Art, zum Beispiel Smartphones mit beleuchtetem Display.

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