Sie wurde regelrecht hingerichtet: Tochter von Zagorec-Anwalt in Zagreb erschossen

26-jährige Ivana Hodak war Rechtspraktikantin Zagorec fürchtet bei Überstellung um sein Leben

Sie wurde regelrecht hingerichtet: Tochter von Zagorec-Anwalt in Zagreb erschossen © Bild: APA/EPA/Fohringer

Vier Tage nach der Auslieferung des kroatischen Ex-Vizeverteidigungsministers Vladimir Zagorec an sein Heimatland ist die Tochter seines Anwalts Zvonimir Hodak in Zagreb ermordet worden. Die 26-jährige Ivana Hodak wurde laut Medienberichten im Zentrum der kroatischen Hauptstadt mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet worden. Zagorec' Wiener Anwältin Elisabeth Rech kündigte umgehend einen neuen Vorstoß im Fall Zagorec an, der seine Auslieferung mit dem Argument bekämpft hatte, in Kroatien um sein Leben fürchten zu müssen.

Ivana Hodak wurde nach kroatischen Medienberichten im Zentrum Zagrebs in einem Hausflur mit zwei Kopfschüssen umgebracht. Augenzeugen berichteten von einem 30- bis 35-jährigen Mann, der aus dem Haus gestürmt sei, in dem die Leiche der Rechtspraktikantin gefunden worden war. Schüsse seien aber keine zu hören gewesen.

Auf die Frage nach den Urhebern des Mordes an seiner Tochter sagte der sichtlich geschockte Zagorec-Anwalt gegenüber Journalisten vieldeutig: "Raten Sie doch, wer dahinter steckt." Ein Polizeisprecher betonte, es werde "in alle Richtungen ermittelt". Der Fall ist besonders pikant, weil sich Ivana Hodak Medienberichten zufolge jüngst in einem "besonderen Interessenskonflikt" befand. Seit dem Sommer war sie nämlich mit dem Anwalt von Zagorec' "Erzfeind" Hrvoje Petrac, Ljubo Pavasovic Viskovic, liiert. Petrac wurde wegen der Entführung von Zagorec' Sohn verurteilt.

Kroaten beruft Sicherheitsrat ein
Der kroatische Präsident Stjepan Mesic berief wegen des "schrecklichen Verbrechens" eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein. Premier Ivo Sanader verurteilte die "schreckliche Tragödie". "Wir werden Organisierte Kriminalität und Mafiamorde nicht mehr tolerieren", versprach er. Nach Angaben der Tageszeitung "24sata" sperrte die Polizei die Grenzübergänge Kroatiens, um zu verhindern, dass sich der oder die Täter ins Ausland absetzen können.

Zagorec wird vorgeworfen, Edelsteine im Wert von fünf Millionen Dollar (3,42 Mio. Euro) veruntreut zu haben. Der seit dem Jahr 2000 in Österreich lebende frühere General hatte das Gerichtsverfahren gegen ihn als politisch motiviert bezeichnet. Nach eineinhalbjährigem juristischem Tauziehen wurde er am Donnerstagvormittag an seine Heimat überstellt. Bei seinem ersten Auftritt vor einem Zagreber Gericht am Freitag schwieg Zagorec. Sollte er sein Insiderwissen über die kroatische Politik der 1990er Jahre preisgeben, könnte dies hochrangigen Vertretern der seit 2003 wieder regierenden Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) sehr unangenehm werden.

"Faires Verfahren nicht durchführbar"
Rech zeigte sich in einer ersten Reaktion gegenüber der APA "erschüttert" vom Tod der Tochter ihres kroatischen Kollegen und zugleich in ihren Befürchtungen bestätigt. "Ein faires Verfahren in Kroatien ist unter diesen Umständen nicht durchführbar", betonte die Wiener Anwältin Zagorec'. "Wir werden auf politischem Wege alles unternehmen, dass das Ganze ein Ende findet", verwies Rech unter anderem auf Kontakte mit der EU-Kommission.

Diese hält das EU-Kandidatenland Kroatien wegen schleppender Reformen im Justizbereich und Missständen im Kampf gegen Korruption und Organisierter Kriminalität seit geraumer Zeit unter besonderer Beobachtung. Kroatien haben heuer schon mehrere schwere Gewalttaten im Mafiastil erschüttert, die bisher ungeklärt geblieben sind.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, verteidigte auf APA-Anfrage die Entscheidung zur Auslieferung von Zagorec. Es habe bis jetzt "nur positive Erfahrungen" mit der kroatischen Justiz gegeben, sagte er. Sollte es sich um einen Mord gehandelt haben und stünde dieser im Zusammenhang mit dem Fall Zagorec, wäre dies nicht der kroatischen Justiz anzulasten. "Kroatien hat eine sehr gute Justiz, sie entwickelt sich sehr gut", betonte Jarosch. Zugleich bestätigte er, dass die Auslieferung von Zagorec nicht mehr rückgängig gemacht werden könne.

Zagorec, ein enger Vertrauter des ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman, war während des Kroatien-Krieges (1991-95) für die Beschaffung von Waffen zuständig gewesen. Dabei umging er das für Ex-Jugoslawien geltende UNO-Waffenembargo. Später stieg Zagorec zum zweiten Mann im Verteidigungsministerium auf, musste diesen Posten aber nach der Abwahl der langjährigen Staatspartei HDZ im Jahr 2000 räumen. Mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 26 Mio. Euro gilt er heute als einer der reichsten Kroaten überhaupt.

(apa/red)