Ehrabschneidung gehört verfolgt

Heinz Sichrovsky über Angriffe gegen die Wiener Philharmoniker

Wenn Politiker unter dem Schutz der Immunität ehrabschneiderische Aktivitäten setzen, sollten die Betroffenen ohne Ansehen der Ideologie Gerichtshilfe in Anspruch nehmen. Blauer Pöbel, der bedeutendste Künstler als Subventionsraffer diffamiert, ist zu belangen. Um nichts weniger niederträchtig aber ist im Lichte neuer Erkenntnisse das Vorgehen des grünen Bildungssprechers Harald Walser, der den Vorstand der Wiener Philharmoniker der Geschichtsfälschung bezichtigte.

von NEWS-Kulturchef Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS/Ricardo Herrgott

Es geht um eine eben ruchbar gewordene, odiose Aktion aus dem Jahr 1966: Unbekannte reichten da dem eben aus der Haft entlassenen Nazi-Gauleiter Baldur von Schirach die Ehrenmedaille des Orchesters nach. Walser monierte, Vorstand Clemens Hellsberg habe das Faktum in seiner Orchesterchronik arglistig unterdrückt. Aktuelle „profil“-Recherchen bestätigen nun, was wir schon schrieben: Offenbar hat man es mit der Initiative eines Einzelnen oder eines kleinen Personenkreises zu tun – es gibt kein Dokument, aus dem der zum Überreichungszeitpunkt 14-jährige Hellsberg von ihr hätte Kenntnis erlangen können. Auch Schirachs Sohn Richard verschweigt die Identität des sicher verstorbenen Überbringers. Hellsberg aber, der vor 25 Jahren das Schweigen über die Vergangenheit brach, trägt die Ehrenzeichen des Staates Israel und der Kultusgemeinde mit Recht und mit Stolz.

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