Selbstmordanschlag in Bagdad: Mindestens
26 Todesopfer, weitere 54 Menschen verletzt

Anschlag auf Buchmarkt nach Tagen relativer Ruhe Offensive gegen schiitische Mahdi-Miliz geht weiter

Nach einem relativ ruhigen Wochenende ist Bagdad von einem neuen Selbstmordanschlag erschüttert worden. Dabei wurden auf einem beliebten Buchmarkt mindestens 26 Menschen getötet und 54 verletzt, wie die Polizei mitteilte. Es war der erste größere Anschlag in der irakischen Hauptstadt seit drei Tagen. Er erfolgte kurz nach Beginn einer Großrazzia im schiitischen Stadtviertel Sadr City.

Die Sicherheitsoffensive von fast 1.200 irakischen und amerikanischen Soldaten galt der Mahdi-Miliz des radikalen schiitischen Predigers Moktada al Sadr. In der südlichen Stadt Kerbala wurde außerdem das Haus eines Milizführers gestürmt, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Am Wochenende hatte der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki angekündigt, er werde im Zuge einer Regierungsumbildung die Gefolgsleute Al Sadrs aus seinem Kabinett entlassen.

Zweiter Mann von Terrororganisation verhaftet
Das irakische Innenministerium gab unterdessen die Verhaftung des zweiten Mannes an der Spitze der sunnitischen Terrororganisation "Islamischer Staat im Irak" bekannt. Das Ministerium erklärte, Abdullah Latif al-Jaburi sei in der rund 100 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Ortschaft Duluiya bei einer Razzia gefasst worden.

Sunnitische Aufständische schossen auf Pilger
Sunniten haben sich wiederholt beschwert, dass die am 14. Februar begonnene Sicherheitsoffensive nur gegen sie gerichtet sei, während die in der Regierung mehrheitlich vertretenen Schiiten ungeschoren blieben. Diesem Eindruck sollte die jüngste Großrazzia offenbar entgegen wirken. Gleichwohl gingen die Angriffe sunnitischer Aufständischer weiter. In Bagdad schossen sie auf schiitische Pilger und töteten mindestens sieben von ihnen. Bei Kämpfen in der westirakischen Provinz Anbar wurden nach US-Angaben drei amerikanische Soldaten getötet.

Arabische Liga mahnt Regierung
Die Arabische Liga ermahnte die irakische Regierung, den gewaltsamen Konflikt zwischen den verschiedenen Volks- und Religionsgruppen zu beenden. Die Außenminister riefen bei einem Treffen in Kairo die Führung in Bagdad auf, die Verfassung zu ändern und Gesetze zurückzunehmen, die Schiiten und Kurden bevorzugten. Weiter forderten sie die Auflösung der schiitischen Milizen, ein Verbot bewaffneter Demonstrationen und einen Zeitrahmen für den Abzug der ausländischen Truppen.

Geplante Regionalkonferenz
Von Schritten in diese Richtung machte die Liga ihre volle Unterstützung für die am kommenden Wochenende geplante Regionalkonferenz über die Zukunft des Iraks abhängig. An diesem Treffen sollen neben dem Irak die USA, Großbritannien und die Europäische Union sowie Iraks Nachbarstaaten Saudi-Arabien, Iran und Syrien teilnehmen. Der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki deutete an, dass sein Land höchstwahrscheinlich eine Delegation nach Bagdad schicken werde.

(apa/red)