Rom-treu und Harry-Potter-skeptisch:
Der neue Weihbischof Gerhard Maria Wagner

Alter Hardliner an der Spitze der Linzer Diözese Streitbarer Geistlicher mit eigenwilligen Ansichten

Die liberalen Zeiten in der Diözese Linz sind endgültig zu Ende. Nachdem der vergleichsweise offene Bischof Maximilian Aichern den schon deutlich konservativeren Ludwig Schwarz zum Nachfolger erhielt, kommt nun mit Gerhard Maria Wagner ein richtiger Hardliner an der Spitze der oberösterreichischen Katholiken datz. Öffentlich aufgefallen ist der langjährige Pfarrer von Windischgarsten bisher lediglich durch umstrittene bis skurril anmutende Aussagen zu "Harry Potter"-Romanen und Naturkatastrophen.

Wagner wurde am 17. Juli 1954 als Sohn einer Arbeiterfamilie in Wartberg ob der Aist geboren und besuchte dort die Volksschule. Danach absolvierte er das "Collegium Petrinum", wo er 1972 maturierte. Anschließend studierte er in Linz und Rom Philosophie und Theologie. Seine Priesterweihe erfolgte am 10. Oktober 1978 in der italienischen Hauptstadt.

Studium katholischer Dogmatik
Von 1978 bis 1979 war Wagner Kaplan in Bad Zell, von 1979 bis 1984 in Bad Ischl. 1984 wurde er Kooperator in Marchtrenk und für ein weiteres Studium der katholischen Dogmatik in Rom freigestellt. Das Studium schloss er mit dem Doktorat der Theologie ab. Seit 1988 ist Wagner Pfarrer in Windischgarsten.

Engagement konnte man ihm auch dort nicht absprechen. Wagner betrieb ein sehr aktives Pfarrblatt, auch das Internet nützte er rasch. Für den Pfarrball, der heute am Tag seiner Ernennung stattfindet, wirbt er noch aktuell auf der Website der Pfarre. Überhaupt ist der neue Weihbischof moderneren Kommunikationsmitteln nicht abgeneigt. Er war einer der ersten kirchlichen Handy-User Anfang der 90er-Jahre.

Streitbarer Geistlicher
Überregional bekannt wurde der streitbare und diskussionsfreudige Geistliche erstmals im Jahr 2001, und schuld war Harry Potter. "Da ist Satanismus am Werk", vermutete Pfarrer Wagner nach der Lektüre eines Werkes der Reihe von Joanne Rowling. Lateinische Fluchsprüche, die keiner verstehe und die im Unterbewusstsein weiterwirkten, beängstigten den Wahl-Windischgarstner. "Da bedient man sich einer Sprache, die niemand versteht, weil man damit magische Kräfte mobilisieren möchte und nicht den liebenden Gott."

Das nächste Mal sorgte Wagner für Aufsehen, als er recht seltsam anmutende Theorien zur Hurrikan Katrina-Katastrophe über das Pfarrblatt verkündete: "Es ist wohl kein Zufall, dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs zerstört wurden", formulierte der Pfarrer im Jahr 2005.

Der Verfasser fragt sich auch: "Ist die auffallende Häufung von Naturkatastrophen nur eine Folge der Umweltverschmutzung durch den Menschen, oder mehr noch die Folge einer 'geistigen Umweltverschmutzung.'" In die gleiche Stoßrichtung gehen seine Theorien zur Tsunami-Katastrophe. Es sei vermutlich kein Zufall, dass die Flutwelle zu Weihnachten aufgetreten sei, wenn die Leute aus dem reichen Westen ins arme Thailand flüchteten, um dort die Welt zu genießen, erklärte der neue Weihbischof dereinst als einfacher Pfarrer.

Allzu liberale Aspekte sind von Wagner folgerichtig in Linz nicht zu erwarten. Er gehört zum konservativen Linzer Priesterkreis, der beständig Kritik an den liberalen Zuständen in der Diözese Linz unter Bischof Aichern geäußert hatte. Konservative Kurskorrekturen durch Bischof Schwarz hat Wagner begrüßt, etwa die Abschaffung der Taufe durch Laientheologen. Schon vor Jahren stellte er zur Rangordnung in der Kirche in einem Interview für die "Oberösterreichische Rundschau" klar: "Der Priester soll Priester sein und der gläubige Laie gläubiger Laie."
(apa/red)