"Regierung ignoriert Studenten": VSStÖ will weiter mit Grün Österreichs Unis regieren

Finanzielle Gründe: Blaha kandidiert nicht mehr

Der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) will auch nach den Wahlen zur Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) gemeinsam mit den Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) die ÖH-Exekutive stellen. Als Spitzenkandidatin geht die 22-jährige Wiener Jus- und Sozioökonomie-Studentin Lisa Schindler ins Rennen. Die SP-Vorfeldorganisatioon bemüht sich dabei um Distanz zur "Mutterpartei": Schindler ist aus der SPÖ ausgetreten und will "gegen jede Regierung auftreten, die die Probleme der Studierenden ignoriert", hieß es bei einer Pressekonferenz.

Die derzeitige ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha (VSStÖ) betonte, dass es ihr auf Grund ihrer finanziellen Lage nicht mehr möglich sei, erneut für den ÖH-Chefsessel zu kandidieren. Die SPÖ habe dies "auch nicht erleichtert". Sie will aber weiter in der Studentenvertretung aktiv bleiben.

Schindler will sich vor allem für sozial schwächere Studenten engagieren und für eine Änderung in der Bildungspolitik eintreten. Die Regierung dränge derzeit die Studenten "durch die ungenügenden Stipendien von den Unis, die Rektoren geben die Unterfinanzierung ungeschmälert an die Studierenden weiter und versuchen sie durch die Studienbedingungen loszuwerden". Gerade sozial schwächere Studenten könnten sich aber etwa längere Wartezeiten nicht leisten und würden so aus dem Studium gedrängt. Die Stipendien wiederum würden "hinten und vorne nicht reichen".

Der VSStÖ verlangt neben der Abschaffung der Studiengebühren daher unter anderem eine Anhebung und Ausweitung der Stipendien, die direkte Auszahlung der Familienbeihilfe an die Studenten, eine raschere Bearbeitung der Studienbeihilfe-Anträge sowie eine Erhöhung des Zuschusses für Studenten mit Kindern. Weitere Forderungen: Mehr Lehrveranstaltungen vor allem für Berufstätige, "Open Courseware" (Digitalisierung der Kursunterlagen bzw. anderer Lehrmethoden und freie Verfügbarkeit im Internet), mehr Berufungsmöglichkeiten gegen Noten, Betreuer für Pflichtpraktika, Gender Studies als Pflichtfach in allen Studienrichtungen sowie Frauenquoten in Personalentscheidungsgremien.

In der ÖH-Bundesvertretung will der VSStÖ "Vertrags-Checks" für Arbeits- und Praktikumsverträge anbieten sowie ein "Schwarzbuch Studienverzögerungen" erarbeiten. Nach den Wahlen werden nur Koalitionen mit dem Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) ausgeschlossen.

Schindler wurde am 31. Dezember 1984 in Wien geboren und engagiert sich seit dem Beginn ihres Studiums beim VSStÖ, wo sie vor allem frauenpolitische Agenden betreut. Die Taekwondo-Kämpferin entwarf etwa die Studentinnenzeitschrift "corraleras offensiv" und organisierte Veranstaltungsreihen für junge Frauen. Seit dem Vorjahr arbeitet sie im bildungspolitischen Referat der ÖH-Bundesvertretung.

(APA/red)