Politiker-Vertrauensindex: Fischer deutlich vor Grünen-Chef Alexander Van der Bellen

Nach Bawag-Tief erholen sich Politiker-Umfragewerte<br>Verlierer durch Yacht-Reise & Co.: Minus für Grasser Wahlkampf zeigt bisher noch keine Auswirkungen

Rechtzeitig vor der Wahl geht es wieder bergauf für die heimischen Politiker: Nach dem deutlichen Vertrauensverlust im Juni in Folge der BAWAG/ÖGB-Krise haben sich im August die Werte für alle Politiker deutlich verbessert. Das ist das Ergebnis des aktuellen APA/OGM-Vertrauensindex für Bundespolitiker. Interessant ist, dass sieben Wochen vor der Nationalratswahl der beginnende Wahlkampf bei den Vertrauenswerten "noch keine deutlichen Auswirkungen zeigt", analysiert OGM-Experte Peter Hajek.

Und so lauten die Ergebnisse für die Spitzenkandidaten: Den höchsten Vertrauenswert weist Grünen-Chef Alexander Van der Bellen mit 28 Prozent (+ 3 Prozentpunkte gegenüber Juni) auf, gefolgt von ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel mit 13 Prozent (+ 2 Punkte) und SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer mit 1 Prozent (plus 5 Punkte). Im Minusbereich rangieren Hans-Peter Martin mit minus 20 Prozent (kein Vergleichwert zu Juni-Umfrage), FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache mit minus 45 Prozent (minus 1 Prozentpunkt gegenüber Juni) und BZÖ-Obmann Peter Westenthaler mit minus 46 Prozent (minus 3).

Die schlechten Werte für Strache, Westenthaler und Martin sieht Hajek nicht als Nachteil für die Nationalratswahl, weil alle drei Kandidaten "sehr spezifische Wählergruppen ansprechen und daher nicht unbedingt das Vertrauen der breiten Bevölkerung benötigen". Anders ist die Situation bei Schüssel und Gusenbauer, "denn da geht es um das Kanzleramt, wofür eine breite Vertrauensbasis bei den Wählern notwendig ist". Schüssel habe hier zwar einen Vorteil gegenüber Gusenbauer. "Für einen amtierenden Bundeskanzler sind Schüssels Vertrauenswerte allerdings bescheiden", so Hajek.

Deutliches Minus für Grasser
Das deutlichste Minus im aktuellen Vertrauensindex - nämlich 5 Punkte - musste Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) hinnehmen. Hajek: "Die Yacht-Reise ist doch nicht gänzlich spurlos an ihm vorbeigegangen." Auch Bundespräsident Heinz Fischer - der mit plus 72 Prozent klar die Nummer eins in Sachen Vertrauen bleibt - musste vier Minuspunkte einstecken. Nach Ansicht Hajeks haben Fischers Aussagen zu den Usancen der Regierungsbildung - wonach nicht der Stimmenstärkste automatisch den Regierungsbildungsauftrag erhalten muss - diesen Rückgang bewirkt.

Deutlich an Vertrauen gewonnen haben BZÖ-Justizministerin Karin Gastinger (18 Prozent - plus 10 Punkte) und die ÖVP-Minister Josef Pröll (27 Prozent - plus 7 Punkte) und Martin Bartenstein (10 Prozent - plus 6 Punkte).

Hajek: "Bei Gastinger spielt sowohl ihre klare liberale Positionierung eine Rolle, als auch die mediale Berichterstattung über die Geburt ihres Kindes. Bartenstein konnte sich während der EU-Präsidentschaft profilieren und ist der Bundespolitiker mit dem höchsten Vertrauensgewinn im Jahr 2006, nämlich plus 21 Prozentpunkte seit Dezember 2005."

"Vertrauen Sie xy oder vertrauen sie xy nicht oder kennen Sie xy nicht", lautete die Frage von OGM in 500 Telefoninterviews. Aus den beiden Werten wird dann der Saldo gebildet, der für das Ranking herangezogen wird.

(apa/red)