Song Contest von

Alf Poiers Abrechnung

"Fade Auswahl an österreichischen Kandidaten" - die Ausscheidung findet heute statt

Alf Poier © Bild: Dietmar Lipkovich

Der Mann rülpst aus sicherer Position: Mit dem sechsten Platz, den Alf Poier anno 2003 beim Song Contest einfuhr, hätte er sogar während der vergangenen Ski-WM noch halbwegs schmerzfreie Figur gemacht. Gar nicht zu reden vom nationalen Masochismus, jährlich vor Abermillionen Fernsehteilnehmern den EU-Deppen zu geben und es sich trotzdem nicht verdrießen zu lassen. „Die Katastrophe naht“, schrieb Poier also dieser Tage in der „Kleinen Zeitung“. Den Untergang terminisierte er mit dem 18. Mai in Malmö, Schweden. Dank „vermeintlicher Song-Contest-Stars, die als Friseusen oder Katzenflüsterer besser aufgehoben wären“, eile man dort flugs dem Debakel entgegen.

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Dessen personelle Ausstattung wird heute festgelegt: Da ermittelt der ORF unter den Kandidaten Elija, Natália Kelly, Falco Luneau, The Bandaloop und Yela den Teilnehmer („Österreich rockt den Song Contest“, 20.15 Uhr, ORF eins). „Ich würde nicht wieder so fade Menschen in die Auswahl schicken“, zetert Poier, der mit dem brachialdadaistischen Kalauer-Exzess „Weil der Mensch zählt“ Befremden ebenso wie grelle Heiterkeit – aber jedenfalls keine Langeweile – provoziert hatte. „Auf der Bühne muss sich etwas tun, sonst schlafen die Leute ein.“

Casting im Seniorenheim

Frische, unverbrauchte Kräfte hätten schon vor Jahren ein Casting im Seniorenheim ins Spiel bringen können, regt Poier an. Dann hätten womöglich österreichische Großmütter und nicht postsowjetische Babuschkas den zweiten Platz belegt wie im Vorjahr. Singen können beide nicht, aber was tut’s? „Mich fragt ja keiner, ich werde seit Jahren ignoriert“, klagt der 46-Jährige. „Es entscheiden immer die gleichen Leute“

Freunderln

Damit können nur Thomas Rabitsch und das für die Auswahl der Songs wie der Kandidaten verantwortliche Team gemeint sein. Schon Nadine Beilers 18. Platz im vorvergangenen Jahr hätte dramatische Sanktionen nach sich ziehen müssen, gibt Poier zu bedenken. „Jedes Unternehmen hätte die Verantwortlichen längst zum Ausschwitzen ihrer Unfähigkeit in die Wüste geschickt. Nicht so der ORF. Unfähigkeit und Ideenlosigkeit als Auftragsgarantie? Schieberei und Freunderlwirtschaft scheinen nicht nur die Politik zu dominieren, sondern auch das Showgeschäft. Nicht falsch verstehen, Thomas Rabitsch ist ein super Typ und ein ­toller Musiker, der kann was. Aber er ist für den Song Contest vermutlich der Falsche.

Song Contest keine Witzveranstaltung

Er und sein Team von sogenannten Experten haben jedes Jahr die Finger mit im Spiel, obwohl die bisherigen Leistungen eher blamabel waren.“ Rabitsch nimmt es auf NEWS-Anfrage heiter. „Der Alf ist ein liebenswerter Spinner, ein toller Kabarettist, aber er sollte beim Kabarett bleiben“, sagt er gönnerhaft. „Der Song Contest ist ja keine Witzveranstaltung, wo man jedes Jahr mit Nonsens punkten kann.“

„Beleidigt“

Ralf Strobl aus Rabitschs Team vermutet gekränkte Eitelkeit. „Er ist beleidigt, weil er kein zweites Mal zum Song Contest fahren durfte.“ Poier sei anno 2005 mit dem Song „Good Old Europe Is Dying“ denkbar knapp ausgeschieden. „Gott sei Dank“, fällt Strobl vor dem „ungerechten Wertungssystem“ auf die Knie. „Der Song hatte eine islamfeindliche Textzeile.“ Nun schmäht der offenbar um Haaresbreite an der Fatwa vorbeigeschrammte Künstler die Konkurrenz. „Wollte er damit nur PR für seine Tour machen?“, fragt Strobl da (auch damit können wir dienen: „Backstage“, 5. bis 9. 3. Kulisse Wien, 16. 3. Bad Hall, 21. 3. Wiener Neustadt; www.alfpoier.at). Poier jedenfalls würde dem Grauen jederzeit nochmals ins Auge blicken. „Aber nur, wenn ich direkt den Auftrag bekäme, ohne Castingshow und zweifelhaftes Votingsystem.“ Auch als Berater oder Coach stünde er zur ­Verfügung. Damit wäre dem Untergang wenigstens ein gewisser Unterhaltungswert abzutrotzen.

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Kommentare

Immerhin hatte Österreich mit Alf Poier beim Songcontest den mit Abstand besten Erfolg seit Jahrzehnten! Wurscht ob es wegen der herausragenden (?) Qualität oder wegen der Verarschung war - es hat gepunktet!

powervomland melden

Wer braucht Alf Poier? Seine ihm eigene "Intelligenz" wird nicht von Jedem wahrgenommen und verstanden. Gut, daß wir beim SC ohne solche Leute auskommen. Sonst wärs zum Schämen!

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Zum Schämen war das was Österreich letztes Jahr entsendet hat. Poier hat den Song Contest mit Humor genommen und der ist in ganz Europa gut angekommen.

Karin Muster
Karin Muster melden

zweitklassiger Brit-Pop den man seit bereits 20 Jahren nicht mal mehr in England hört...alle songs auf english - voll österreichisch!

checkt denn keiner von euch, dass menschen von sehr weit herkommen um lederhosen und Jodler zu sehen? ergo: Erfolgsrezept: sexy Tussi, wenig Kleidung, techno plus jodeln? ps alf poier hat als einziger das recht darüber zu urteilen, oder war wer von euch dabei?

Warum Herr Poier begreifen Sie nicht, dass Sie nie ernstlich mit Ihren schwülstig-dümmlichen Liedern vom Publikum zwecks ernsthafter Teilnahme am Song Contest gewählt worden sind, sondern dass der einzige Grund Ihrer Wahl eine "Verarschung" dieser Veranstaltung darstellte. Dass Sie mit Ihrem nahezu dummen Beitrag auch noch Sechster werden konnten, bestätigt die Dümmlichkeit dieser Veranstaltung!

RobOtter

Das Showgeschäft ist dreckig, böse und gemein. Eine Kloake in mitten von Freunderlwirtschaft, Missgunst und Geldgier. Jeder ehrliche Mensch der es mehr als 10 Jahre in diesem Business aushält ist entweder assimiliert oder tot.

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