Die Unschuld vom Lande

Wo sein Name fällt, floss schmutziges Geld - ein Porträt.

Erhaben wie ein Adler im Horst thront Gerhard Lumplecker, der alte Oberförster, in seiner Wohnstube. Über ihm seine Pokale vom Schützenverein und seine Jagdtrophäen, neben ihm seine Frau. „Sag doch, dass du dem Peter schon damals gesagt hast, dass dir dieser Meischberger suspekt ist“, liefert sie ihrem Mann Munition. Doch das Büchslein des Waidmanns, des Cousins von Peter Hochegger, bleibt stumm. Wozu auch viele Worte? „Man sieht ja, wohin ihn all das Geld geführt hat“, resümiert Frau Lumplecker mit wegwerfender Handbewegung. – „Die Liebe hört niemals auf“, prangt drüben am Friedhof auf dem Familiengrab der Hocheggers. Doch so ganz stimmen dürfte das heute nicht mehr.

von Peter Hochegger - Die Unschuld vom Lande © Bild: APA/Schlager

Wen wundert’s? Von Buwog über ÖBB bis Telekom, wo immer in den letzten Jahren dunkle Geldflüsse freigelegt wurden, fiel unweigerlich sein Name: Peter Hochegger, 62, einst strebsamer Emporkömmling aus der Provinz, dann mythenumrankter Netzwerker in der Wiener City – und heute Österreichs personifizierte Unschuldsvermutung.

Mann mit Maske
Doch wer ist dieser Mann, den die Öffentlichkeit seit Monaten nur noch als starr schweigende Maske wahrnimmt? Ein Blick hinter Hocheggers Fassade ist zunächst ein Blick zurück. Ein rauschendes Bächlein, dichte Wälder, spröde Menschen – Hocheggers Heimatort Mürzsteg im hintersten Winkel des Mürztals ist ein Mikrokosmos wie aus dem Heimatfilm. Eine kleine Welt, die Hocheggers späteres Verhalten in der großen zumindest ansatzweise erklärt: Der Lobbyist mit seinem Penthouse wurde in ein Landmilieu hineingeboren, in dem Sozialprestige alles war.

Den Engelbrechts, wie Peter Hocheggers Familie mütterlicherseits heißt, gehörten in Mürzsteg das Sägewerk und das kleine Wasserkraftwerk, die Kernbichlers hingegen waren die örtliche Kaufmannsfamilie. „Zwischen den beiden Clans herrschte seit jeher ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft“, erzählt Mürzstegs Naturparkführerin Renate Dobrovolny, die mit Hocheggers vier Jahre jüngerem Bruder Paul die Schule besuchte. Aus dieser Konkurrenzsituation heraus hatte Peters Vater Viktor, als Obmann des Kameradschaftsbundes und des Tourismusverbandes ein Mann von Rang, auch mit seinem Ältesten Großes vor. „Er war überzeugt, dass unsere kleine Volksschule für den Peter eine viel zu geringe Herausforderung war“, erzählt Dobrovolny. Noch mit 83 wurde Hochegger, der Vater, Landesschützenmeister mit dem Flobertgewehr; und wie der Vater sollte auch aus dem Sohn ein Sieger werden.

Kampf den Betonköpfen
Von klein auf auf Erfolg getrimmt, wurde Hochegger schon mit neun Jahren ins Internat nach Fürstenfeld und danach ins Konvikt des Gymnasiums Waidhofen transferiert. Was nach der HTL folgte, waren ein Wirtschaftsstudium in Wien und parallel dazu diverse Gelegenheitsjobs. Alles in allem der mühselige Weitwanderweg eines Burschen vom Land, der in der Hauptstadt langsam Fuß fasst, überaus ehrgeizig, aber weitgehend unspektakulär. Erst als er gemeinsam mit Bruder Paul eine Unternehmensberatung gründet, fällt für den späteren Wunderwuzzi der Wenderegierung erstmals ein wenig Glamour ab – weil er für Christoph Leitl, den späteren Wirtschaftskammerpräsidenten, eine fulminante Kampagne entwirft.

Leitl, in den späten Siebzigern noch hauptberuflich Ziegelproduzent in Eferding, hatte zusehends mit der Billigkonkurrenz der Beton-Fraktion zu kämpfen. Da praktiziert Hochegger, mit dem alten Standesbewusstsein der Engelbrechts ausgestattet, im PR-Entwicklungsland Österreich erstmals das, was man heute Power-Lobbying nennt.

Aufstieg durch Impotenz
Betonung der eigenen Qualitäten durch Dämonisierung der Konkurrenz, lückenlose Meinungsmache bei allen Entscheidungsträgern. „Beton macht impotent – zuletzt hatte er sogar die ‚Kronen Zeitung‘ für seine Interessen instrumentalisiert“, schwärmt ein späterer Wegbegleiter Hocheggers.

Seine Wandlung vom drögen Unternehmensberater zum zeitgeistigen Netzwerker war vollzogen, die kleine Agentur boomte; was als Family Business begonnen hatte, wuchs zu einem Propaganda-Thinktank mit 120 Mitarbeitern. Doch plötzlich, es war 1998 und eine Zufallsbegegnung im Kaffeehaus, kommt Walter Meischberger – der langsam zu Hocheggers beruflichem Lebensmenschen werden sollte.

Der Anti-Hochegger
Zehn Jahre jünger, Typ Skilehrer, sozialisiert in Jörg Haiders „Buberlpartie“, war „Meischi“ zunächst eine Art Anti-Hochegger. Denn dieser schaute in den späten Neunzigern mit seinen überdimensionierten Brillen und den mausgrauen Anzügen noch so aus wie Robert Redford in den frühen Siebzigern. „Früher war der Peter ja absolut bieder“, erinnert sich eine ehemalige Führungskraft aus Hocheggers Agentur halb amüsiert, halb angewidert. „Doch seit er regelmäßig mit Meischberger verkehrte, kam er plötzlich Don-Gil-mäßig daher.“

Parallel zum optischen Relaunch stellte sich Hochegger auch inhaltlich breiter auf. Ursprünglich war er ja, nicht zuletzt wegen seines Bruders Paul, eines bekennenden Sozialdemokraten, aber auch wegen seiner wichtigsten Klienten eher links von der Mitte verortet. Doch dann kam die Wende, und die im Vergleich zum belesenen Hochegger intellektuell eher unauffälligen Blauen waren plötzlich ultrachic.

Wenn der Meischi mit dem Peter – schon vor dem Machtwechsel am Ballhausplatz im Jahr 2000 hatte eine Hand die andere gewaschen. Der eine, damals ORF-Stiftungsrat, verwendete sich freundlich für die TV-Präsenz von Hocheggers Klient Iglo in „Willkommen Österreich“. Hochegger wieder - um nutzte seine Beziehungen, um dem Staatsfunk die Rechte am Markennamen „Seitenblicke“ für Meischis künftige Society- Illustrierte „Seitenblicke Magazin“ abzuringen.

Doch das waren nur Peanuts, denn dann kam Meischberger- Spezi Karl-Heinz Grasser an die Macht, und die Buwog- Twins machten mit der Privatisierung der Staatswohnungen so richtig Kasse. „Er hat mich ausgenützt, ich habe ihn ausgenützt“, beschreibt Hochegger im Freundeskreis sein Verhältnis zu Meischi. In Hocheggers Stamm-Agentur hatte Meischberger auf Betreiben der Mitgesellschafter und von Bruder Paul zwar schon seit 2002 Hausverbot. Doch davon ließ sich der Gründer nicht abhalten, die Big Deals wurden ausgelagert.

Ritt auf toten Pferden
Erst im Herbst 2009, als Staatsanwaltschaft und Schicksal fast gleichzeitig zuschlugen, begann Hochegger klarer zu sehen. Als die Buwog-Affäre aufflog, implodierte seine Stammfirma. „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab“, begründet Ex-Geschäftsführer Dietmar Trummer seinen damaligen Ausstieg. Zur selben Zeit wurde bei Hocheggers Bruder Paul Prostatakrebs diagnostiziert, er musste operiert werden, erlitt als Folge der Narkose einen Schlaganfall, ist heute arbeitsunfähig. Das Verhältnis der Geschwister ist nach wie vor alles andere als unbelastet.

Doch auch die guten Tage der eigenen kleinen Familie sind nur noch Erinnerung. An die Zeit, als Hochegger und seine Frau ein drei Tage altes Findelkind adoptierten. Als die drei noch zusammen in ihrem Reihenhaus am Laaerberg lebten, er noch einen schmucklosen Ford-Van fuhr. „Plötzlich fühlte er sich eingeengt, die Scheidung ging von ihm aus“, schildert ein Freund. Dem Leben im spießigen Mittelstand entwuchs eine umfassende Midlife-Crisis, aus dem Reihenhaus wurde ein Penthouse in der City und eine Dauer-Suite im „Intercontinental“. Aus dem Ford erst ein von Grasser vermittelter Jaguar, dann ein Maserati. Und aus dem Leben für Job und Familie ein Clubbing- und Party-Marathon mit wechselnder Damenbegleitung.

Am Vorabend des Prozesses, der ihm vermutlich droht, versucht Hochegger nun, sein Luxusleben zu redimensionieren: Er lebt in einer 60-Quadratmeter-Wohnung und geißelt im Freundeskreis zerknirscht den eigenen Materialismus: „Eigentlich wurde mir durch das Auffliegen der Affäre ja ein Rucksack abgenommen.“ Früher suchte Peter Hochegger die große Freiheit, nun sehnt er sich nur nach innerem Frieden. „Wohin ihn all das Geld geführt hat, sieht man ja“, sagen sie daheim in Mürzsteg. Dort, wo alles begann.

Mehr zum österreichischen Korruptionssumpf lesen Sie im aktuellen NEWS 38/11

Kommentare

Was wäre mit Schadenersatz? Wenn nur genommen aber nichts gegeben bzw.verbessert wird, sind die zuständigen Verantwortlichen (Eigentümer bzw.Vorstände,Geschäftsführer, Aufsichtsräte) zuständig, eine Kosten-Nutzenrechnung zu erstellen! Bei Gewinn für die UNTERNEHMUNGEN (nicht für die Vorstände,Geschäftsführer, Aufsichtsräte) wären bescheidene Provisionen in Ordnung.
Bei Verlusten bzw. Vemögensverminderungen und Vernichtungen sind Schadenersatz zu leisten!!!

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welche POLITIKGAUNER haben den so groß werden lassen ? Wie viele STRASSERS finden wir noch ? Wie konnte der brave österreichische Steuerzahler das eigentlich alles finanzieren ? Daher sofort solche Gauner abwählen !!!!

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Re: welche POLITIKGAUNER haben den so groß werden lassen ? Nein die Gauner nicht abwählen , das dauert zu lange , hinaus schmeißen ,ohne Pension und <rente , jetzt gleich . Die Politgauner haben in einer Regierung nichts verloren.

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Unschuld vom Lande?!? Auf der Alm gibts ka Sünd heißt´s immer - Mürzsteg, eine kleine Ortschaft, und doch so viel Korruption.
Fragt sich denn eigentlich niemand, wie z.B. seine hier nicht erwähnte Cousine G. Wisniewski als eigentliche "Gastwirtin" zu so vielen Asylbetreuungseinrichtungen in der Steiermark gekommen ist - wie die Jungfrau zum Kind?
Und warum in Mürzsteg wie auch in Brasilien alle verfügbaren Grundstücke aufgekauft werden (von G.W.,P.H. und all deren Bekannten, angeblichen Freunden und Verwandten getarnt als Sozialprojekt) - Mürzsteg ist sauer, Parajuru hat keine Grundstücke für ihre Einheimischen mehr... und wer kassiert? Die Famlie Hochegger-Wisniewski-...!
Aber natürlich gilt für Alle die Unschuldsvermutung!

rotra melden

Re: Unschuld vom Lande?!? Asylanten... von der SPÖ in der Steiermark (oder wer auch immer in ihren Villen-Pools planscht und gerade gratis urlaubt)?
Fürs "Sozialprojekt" gabs auch mehrere EU Förderungen:
http://www.europa.steiermark.at/cms/beitrag/10879573/3083708/

In der kl. Zeitung war die G.W. sogar "Steirerin des Monats"
ROFL*!

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Re: Unschuld vom Lande?!? wie viele Gaunereien gibt es denn da noch ? Wer nascht da noch aller mit ? Das schreit ja nach GEFÄNGNIS !
Aber bei diesen Politsumpf ?

Warum hat die Politik solche Leute groß werden lassen ? Politker zeigen heute wenig Moral und Wertschätzung zu uns Österreichern ? Solche Leute zeigen wenig Gewissen, wenn sie unser aller schwer erarbeitetes Geld verwirtschaften ! Hauptsache SIE SELBST sind am Abzocken ! So lange wir uns diesen Machtrausch gefallen lassen, sind wir wohl selbst schuld !! Daher ABWÄHLEN bis wieder ehrliche Menschen, die das heutige Politsystem verhindert, an die Spitez kommen !

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