Pandemie von

Panik vor dem Virus

Thriller "Contagion": Experten überprüfen für NEWS, wie real die Filmszenen sind

Pandemie - Panik vor dem Virus © Bild: APA/EPA/Irham

Gesunde junge Menschen aus Asien, Europa und den Vereinigten Staaten brechen ohne Vorwarnung auf offener Straße, in Büros und U-Bahnen zusammen, bluten aus Mund und Nase, erleiden unkontrollierbare epileptische Anfälle – und liegen wenige Stunden später mit starrem Blick auf den Tischen der Leichenbeschauer. Derweil plündern tobende Menschenmassen Apotheken und Lebensmittelgeschäfte, Bagger heben Massengräber aus, in die Militärs Leichen werfen. Es sind apokalyptische Szenen, die Regisseur Steven Soderbergh in seinem neuen Thriller „Contagion“ auf die Leinwand gebannt hat. Doch sind das realistische Folgen einer Grippewelle?

Fakt ist: Grippeviren dringen via Tröpfcheninfektion in die Schleimhaut von Augen, Nase und Mund und damit in den Körper ein. Oftmals reicht es schon aus, neben einem Kranken zu stehen, der gerade niest oder hustet, ihm die Hand zu schütteln oder Oberflächen (wie etwa Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Türschnallen) zu berühren, mit denen auch Infizierte Kontakt hatten. Über Berührungen des Gesichts mit der Hand finden die Viren dann ihren Weg in den Körper.

Outbreak binnen 48 Stunden
Mögliche Dauer eines weltweiten Outbreaks: im ungünstigsten Fall 48 Stunden. Ernest Groman, Influenza-Experte der Medizinischen Universität Wien: "Theoretisch ist es möglich, dass ein Virus schnell von einem Kontinent auf den anderen übertragen wird. Ob es sich auch wirklich ausbreitet, hängt von einigen Faktoren ab: der Virulenz, also wie hoch die Fähigkeit ist, Krankheiten auszulösen, ob es viele Menschenansammlungen gibt, von Temperatur und Luftfeuchte."

Erst 2009 brach die Schweinegrippe-Pandemie (H1N1) aus - kein Einzelfall. Die Statistik belegt, dass durchschnittlich alle drei Jahrzehnte eine weltweite Grippewelle stattfindet.

Panikmache oder berechtigte Sorge?
Warum bereitet die Angst vor einer Pandemie Medizinern und Politikern schlaflose Nächte, wenn es alljährlich zu nationalen Grippewellen kommt? "Weil es sich", so Ursula Kunze, "dabei um Virentypen handelt, die unbekannt sind und gegen die es keine saisonalen Impfstoffe gibt." Ein bisschen Wahrheit stecke auch in einem Filmszenario à la "Contagion", erklärt Christoph Wenisch, Vorstand der 4. Medizinischen Abteilung mit Infektions- und Tropenmedizin am Kaiser-Franz- Josef-Spital: "Man darf nicht vergessen, dass in Filmen Dinge aus dramaturgischen Gründen überhöht werden. Dennoch haben all diese Szenarien einen wahren Kern. Wir müssen im realen Leben einen Mittelweg zwischen Viren-Hysterie und Negierung der Gefahr, die von Viren ausgeht, finden."

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