OENB-Skandal von

Tangas für die Nationalbank

OENB-Vizegouverneur im Gespräch über Potenzmittel und andere Spesen-Skandale

Nationalbank Front Wien © Bild: Profil /Walter Wobrazek

Sie gilt als Hort des Geldes: die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Nirgendwo im Land sollte so sorgfältig mit jedem Euro umgegangen werden wie hier. Doch gerade die heimische Zentralbank ist offenbar das Spesenparadies der Republik. Denn über Jahre gelang es hier einer hochrangigen Mitarbeiterin, Verschiedenstes von Potenzmitteln über Unterwäsche bis hin zu Schuhen und sogar Bügeleisen auf Unternehmenskosten abzurechnen. Über die Vorwürfe sprach NEWS mit dem zuständigen Vizegouverneur der Nationalbank Wolfgang Duchatczek.

NEWS: Wie konnte es dazu kommen, dass die Nationalbank mit ihrer Gelddrucktochter OeBS zum Spesenparadies der Republik wurde? Haben Sie hier als Aufsichtsrat nicht versagt?

Wolfgang Duchatczek: Der Aufsichtsrat wurde von der Geschäftsführung falsch informiert. Das ist die Wahrheit. Der Betrieb ist zuvor 22-mal geprüft worden. Erst ich habe die Sonderprüfung gefordert, die die erstaunlichen Spesenabrechnungen ans Licht brachte: Potenzmittel sind ganz sicher nichts, was man im normalen Geschäftsleben für den Vertrieb brauchen würde. Von einem Geschäftsführer erwarte ich mir, dass er es nicht akzeptiert, wenn ihm solche Spesen vorgelegt werden. Doch im Zuge dieser Prüfung wurde mir auch mitgeteilt, dass wir bei den Provisionen ein Problem haben.

NEWS: OeBS-Geschäftsführer Wolf wurde ebenso suspendiert wie die Marketingleiterin Raluca T. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf, auch gegen den Aufsichtsrat – doch hier sind nur mehr Sie im Visier. Der Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft ist laut NEWS-Recherchen fertig. Angst vor der Anklage, die von Amtsmissbrauch bis Bestechung lauten könnte?

Duchatczek: Ich bin seit 1997 im Direktorium der Nationalbank, 2004 habe ich auf Zureden auch den Aufsichtsratsvorsitz in der Gelddrucktochter OeBS übernommen. Damals habe ich interimsmäßig Michael Wolf als Geschäftsführer eingesetzt. Das Ziel der Druckerei war eine ausgeglichene Bilanz. Das konnten wir 2004/2005 erreichen, denn wir haben ein Kostensenkungsprogramm umgesetzt. Zudem haben wir neue Geschäftsbeziehungen zu Syrien und Aserbaidschan geschlossen, denn nur mit dem Drucken des Euro wäre die Druckerei nicht kostendeckend zu führen gewesen. Wolf blieb also und hatte mein Vertrauen. Doch er hat mich über Spesen wie auch über Provisionen nicht ausreichend informiert. Hätte die Staatsanwaltschaft andere Informationen, wäre das in den vergangenen 14 Monaten sicher öffentlich geworden. Ich sehe allem gelassen entgegen, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe.

NEWS: Können Sie sich erklären, warum nur mehr Sie im Visier der Staatsanwaltschaft sind?
Duchatczek: Nein, denn Wolf sagte zuerst, er habe den gesamten Aufsichtsrat über die Hintergründe der Provisionszahlungen informiert. Später sagte er aus, dass er davon ausgegangen ist, dass nur ich um diese Hintergründe gewusst habe. Fakt ist, dass Wolf in der 51. Sitzung den Aufsichtsrat gesamt falsch informiert hat und bei anderer Gelegenheit den gesamten Aufsichtsrat nicht vollständig informiert hat. Mein Wissensstand war immer jener, den der gesamte Aufsichtsrat hatte. Ich möchte klar sagen, dass ich nie besonderes Wissen hatte. Dabei bleibe ich.

Den vollständigen Artikel mit allen Informationen des aktuellen OENB-Prüfberichts über String-Tangas, Potenzmittel und andere Spesen-Skandale lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS (50/2012).

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