Festival von

Nova Rock: Fulminantes
Finale mit Black Sabbath

Perfekter Rockgenuss und positive Bilanzen zum Ende des Festivals

Nova Rock 2014: Ozzy Osbourne von Black Sabbath rockt die Bühne. © Bild: APA/EPA/HERBERT P. OCZERET

Zum Ende des zehnten Nova Rock traten die Urväter des Heavy Metal erstmals in Nickelsdorf auf, und Black Sabbath spielten alles in Grund und Boden. Es war nicht nur ein Konzert, sondern ein Ereignis, die Briten in absoluter Topform zu erleben. "Go crazy", rief Ozzy Osbourne. Es war nicht schwer, dem zu folgen.

Nova Rock 2014: Die finalen Show-Acts des Festivals.
© APA/HERBERT P. OCZERET Ozzy Osbourne auf der Bühne.

Sirenengeheul kündigte die Band an, die Ende der 60er-Jahre aus Birmingham ausgezogen war, um einen neuen Sound zu kreieren und damit die Rockwelt zu verändern. Großartige Platten, Drogenexzesse, Streitereien, Umbesetzung, weniger gute Alben, Wiedervereinigung, starkes Comeback im Studio und auf den Bühnen - so lässt sich die Geschichte von Black Sabbath in aller Kürze zusammenfassen. Aber eigentlich brauchte es nur das gestrige Konzert im Burgenland, um das Phänomen zu verstehen.

Nova Rock 2014: Die finalen Show-Acts des Festivals.
© APA/HERBERT P. OCZERET Frontman Ozzy Osbourne gibt alles.

Wuchtig donnerten die Bassläufe von Geezer Buttler, als Schreiber der großen Hits der Formation und virtuoser Rhythmus-Halter ein essenzielles und oft im Schatten von Frontman Ozzy Osbourne und dem Gitarristen Tony Iommi stehendes Gründungsmitglied, über die Pannionia Fields. Dann ein Gitarrenriff wie ein Fels in der Brandung und Ozzys markanter, diesmal glasklarer, aussetzerloser Gesang - Black Sabbath starteten mit War Pigs das Programm. Untermalt mit einer gediegenen Video-Installation (schön geschnittene Live-Sequenzen und Clips) auf einem großen Schirm im Rücken ging es bis zum obligatorischen "Paranoid" über 90 Minuten.

Mit "Into The Void" mit seinem schleppenden heavy Beginn, ein Lehrbeispiel für Doom-Rock, mit den gefinkelten Tempowechsel und Iommis fantastischer Gitarrenarbeit, die gegen Ende des Liedes immer intensiver wurde, wiesen Sabbath alles der vorangegangenen drei Tage und vielleicht sogar der bisherigen zehn Jahre in die Schranken. Markant, dass gerade das schaurig-langsame "Black Sabbath" eines der schwersten Brocken des Abends sein sollte. Lärm alleine macht eben noch keinen Heavy Metal, mögen sich manche Newcomer ins Büchlein notieren. Mit Drummer Tommy Clufetos hatten Sabbath einen starken Ersatz für den nach Vertragsuneinigkeiten nicht wiedervereinten Ur-Schlagzeuger Bill Ward.

Solider Rock zum Abschluss

Zum Finale hat Nova-Rock-Veranstalter Ewald Tatar Bilanz gezogen und zeigt sich sehr zufrieden: "Es ist mega-positiv dieses Mal." Die Bands am Sonntag wollten diese Bilanz nicht trüben. Auf allen Bühnen wurde zum Finale der zehnten Ausgabe des Festivals solide gerockt, sogar Duff McKagan, Ex-Bassist von Guns N' Roses, schaute vorbei und hatte - fast unerkannt - mit seiner Band Walking Papers in der Nachmittagssonne Spaß.

Ein Häufchen Zuschauer versammelte sich vor der Blue Stage, um McKagans lässigen Bluesrock mitzuerleben. Der Großteil der Besucher war unterdessen mit dem Abbau und Abtransport der Campingausrüstungen beschäftigt. Stärker war der Zustrom zu Black Label Society, der Gruppe um Ex-Ozzy-Osbourne-Gitarristen Zack Wyld, und zu Hatebreed. Beide Formationen wussten zu gefallen. Später brachte Rob Zombie mit stampfenden Rock-Industrial-Liedern sowie seiner Gruselshow - stilgerecht u.a. mit King Kong und dem Wolfman als Dekoration - eine Portion Augenzwinkern ein: seine Darbietung glich einem unwiderstehlichen B-Movie. "School's Out", eine Coverversion eines Alice-Cooper-Klassikers, ließ die Menge zum Schluss ausrasten.

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© APA/HERBERT P. OCZERET "Huntress" mit Sängerin Jill Janus.

Alt-Punks auf der Red Stage

Während auf der Red Stage die Alt-Punks Bad Religion, Dropkick Murphys und später The Offspring zum Pogo-Tanz einluden, ließen es Huntress auf der Brandwagen-Stage thrashig krachen. Sängerin Jill Janus und ihre Musiker waren hart und ein Magnet, bald war das Areal um die von einem Getränkehersteller gesponserte Bühne gefüllt. Sollten vielleicht mehr Frauen - ihr Anteil am Jubiläums-Nova-Rock äußerst gering - Rockbands gründen? "Nein, davon kann ich nur abraten", meinte Janus. "Nur wenige Frauen können im Heavy Metal bestehen. Das ist eine Männerwelt." Über ihre eigene Erfahrung sagte sie: "Auf der ersten Tournee war ich geschockt, dann habe ich einfach meine weibliche Seite verdrängt." Das hielt das Ex-Playmate aber nicht davon ab, in High Heels auf die Pannonia Fields in Nickelsdorf zu kommen.

Kontrast mit "Fettes Brot"

Fettes Brot brachten willkommenen Kontrast ins Programm, es herrschte dichtes Gedränge vor der Red Stage, die Hamburger rappten sich souverän durch ihre Gassenhauer. Kaiser Franz Josef hielten auf der Brandwagen-Stage die österreichische Fahne hoch. Alle Gruppen wurden dem Festivalgedanken gerecht: Spaß haben und sich gut präsentieren. Am Abend sollte dann mit den Top-Headlinern Black Sabbath und Soundgarden das Open Air ausklingen, Avenged Sevenfold sollten die Wartezeit verkürzen.

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© APA/HERBERT P. OCZERET Nova Rock 2014 - das Festivalgelände.

Ausgelassene, aber friedliche Stimmung

Auch zum Schluss gab es von den Einsatzkräften Lob für die Festivalbesucher. "Die Stimmung ist ausgesprochen gut, zwar ausgelassen, aber friedlich. Die Fans sind sehr freundlich", erzählte Thomas Horvath, Pressesprecher des Roten Kreuzes. Insgesamt mussten die Sanitäter und Notärzte bis Sonntagnachmittag 2.076 Patienten versorgen. 74 Personen wurden ins Spital gebracht.

"Generell lassen sich offenbar die männlichen Besucher (57 Prozent) lieber behandeln als die weiblichen (43 Prozent). Die Gründe für einen Besuch bei den Sanitätern waren auch bei der zehnten Ausgabe "Klassiker": Von Hitzeerschöpften bis juckenden Augen durch den Staub und Verknöchelungen sowie Insektenstichen war alles dabei.

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