Telekom-Affäre von

"Verantwortlich ist
eindeutig der Vorstand"

Topmanager Siegfried Wolf kritisiert das 400-Millionen-Loch bei der Telekom Austria

Siegfried Wolf © Bild: NEWS EHM Ian Ehm

Wenige Österreicher schaffen es in jene Höhen, die Siegfried Wolf erklommen hat. Der steirische Bauernsohn verhandelt mit Staatschefs und internationalen Konzernbossen. Der Maschinenbau-Ingenieur hat für Frank Stronach Magna Europa aufgebaut. Er brachte es an die Spitze des Weltkonzerns. 2010 wechselte Wolf nach Moskau, wo er die gigantische Bau- und Fahrzeug-Division des Multimilliardärs Oleg Deripaska führt. Ende vergangener Woche wurde der Einfluss des Spitzenmanagers mit Bodenhaftung entscheidend erweitert: Wolf wurde zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Staatsholding ÖIAG gewählt. Damit übernimmt er Verantwortung für einige der wichtigsten Unternehmen des Landes und gut 80.000 Arbeitsplätze. Was er in seiner zweijährigen Amtsperiode erreichen will, was ihn zur Weißglut bringt und in welche Wunden er jetzt seinen Finger legt, sagt Wolf im großen NEWS-Exklusivinterview.

NEWS: Herr Wolf, Sie sind zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Staatsholding ÖIAG gewählt. Was kann die ÖIAG in ihrer heutigen Form überhaupt noch bewirken?
Siegfried Wolf:
Die Staatsholding steht für hochprofessionelles Beteiligungsmanagement. Im Jahr 2000 wurde die verstaatlichte Freunderlwirtschaft mit dem neuen ÖIAG-Gesetz beendet.

NEWS: Ist es jetzt nicht nur eine andere Art von Freunderlwirtschaft?
Wolf:
In den letzten 14 Jahren hat sich eine total verschuldete Staatsindustrie zu einer schlanken und gesunden ÖIAG gewandelt. Heute ist der Schuldenberg von 6,3 Milliarden Euro abgetragen. Zusätzlich wurden dem Staat 2,3 Milliarden Euro an Dividenden ausbezahlt. Der Wert der Beteiligungen ist heute um 500 Millionen Euro höher. Gibt die Bilanz des ÖIAG-Teams mit Vorstand und Experten- Aufsichtsrat von plus 9,1 Milliarden Euro Anlass zur Kritik?

NEWS: Kritisiert wird der Aufsichtsrat, der sich selbst erneuert. Entsteht damit nicht ein sich selbst kontrollierender Freundeskreis?
Wolf:
Jeder Aufsichtsrat nominiert Experten, die er für gut und fähig hält, weil er mit dem Vermögen des Staates so sorgsam umgeht wie mit seinem eigenen. Ich selbst habe Brigitte Ederer vorgeschlagen. Sie hat mich nicht zum Vorsitzenden gewählt und sie ist wie jeder von uns frei in ihrer Entscheidung. Das kann man doch nicht Freunderlwirtschaft nennen.

Siegfried Wolf
© NEWS EHM Ian Ehm

NEWS: Wie passt es in die Erfolgsbilanz, dass Ende vergangener Woche bei der Telekom Austria ein Finanzloch von 400 Millionen Euro aufgetaucht ist?
Wolf:
Es ist in der Tat sehr seltsam und auch überraschend für die ÖIAG wie für jeden anderen Aktionär. Ich sehe es als absolute Notwendigkeit, dass hier lückenlos aufgeklärt wird, wie es von Mai bis Mitte Juni zu so einem Abschreibungsbedarf kommen kann. Diese Art von bösen Überraschungen schätzt weder der Kapitalmarkt noch ein Aktionär. So etwas darf nicht mehr vorkommen.

NEWS: War es für die ÖIAG tatsächlich eine Überraschung?
Wolf:
Umso mehr, als der Betrieb weiterhin gut funktioniert. Wir haben uns die Zahlenlage anschaut und das natürlich diskutiert. Sowohl der Cash-Flow als auch die operativen Incomes in der bulgarischen Telekom-Tochter sind wenig verändert. Da muss man der Sache schon genauestens nachgehen. Das Positive ist, dass es nicht Cash-wirksam ist. Es tut verdammt weh. Eine Eigenkapitalabschreibung von 400 Millionen Euro bringt das Unternehmen in eine äußerst prekäre Situation


Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen NEWS in Ihrem Zeitschriftenhandel oder als E-Paper Version.

Kommentare

Der nächste Gschaftler...

Soll doch das Strohsack-Protegé bleiben wo der Pfeffer wächst - samt Putin-Gas-Gschäfteln!!!

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