Spitzentöne von

Geburtstagsgrüße
an Dominique Meyer

Heinz Sichrovsky gratuliert dem Staatsoperndirektor, der dieser Tage sechzig wird

Heinz Sichrovsky © Bild: News

Die Glückwünsche sind als aufrichtig und untertonarm zu verstehen: Der Staatsoperndirektor Dominique Meyer wird in diesen Tagen sechzig, und er hat sich die gute Nachrede durch geglückte Amtsführung erarbeitet. Als er das Haus anno 2010 übernahm, kannte man ihn hier nicht. Die damalige Ministerin Schmied bestellte den Direktor des zweiten Pariser Opernhauses gegen den Kanzler Gusenbauer, der seine Präferenz für den Tenor Neil Shicoff mit einer Tatsachenentscheidung verwechselte.

Für Gusenbauer ein Schritt in den Abgrund, für Schmied der verzweifelt benötigte Anlass, öffentliches Ansehen zu gewinnen. Um der neuen Direktion nach dem feudalherrlichen Ioan Holender Ansehen und künstlerisches Gewicht zu geben, wurde fernmündlich Franz Welser-Möst als Chefdirigent verpflichtet. Die beiden hatten einander nie getroffen und trennten sich im Vorjahr unfriedlich. Bei dieser Gelegenheit nahm das Haus erstmals nachhaltigen Schaden. Denn der Ära Meyer ist sonst nichts Abträgliches nachzusagen, vorbehaltlich der schwer quantifizierbaren Tatsache, dass ihr das gewisse Glitzern abgeht, das Holender mit auch eigenwilligen Mitteln zu erzeugen verstand.

Was die bescheidenen szenischen Resultate betrifft, haben einander beide nichts aufzurechnen. Mehr als 99,8 Prozent Auslastung lassen sich nicht erzielen, und dass sich Meyer zu den in Ungnade versunkenen Herren Matthias Hartmann (Burgtheater) und Georg Springer (Bundestheater) bekannte, als flinkes Abrücken für opportun erachtet wurde, ist zu würdigen. Im Herbst beginnt seine zweite fünfjährige Amtszeit. Platz nach oben, für allfällige Steigerungen, ist vorhanden.

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