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Natalie Portman: "Haneke ist der beste Regisseur der Welt!“

Oscar-Gewinnerin spricht im Interview über Wien-Sehnsucht und neuen Film

Natalie Portman im NEWS-Interview. © Bild: Getty Images/ Ian Gavan

Jemand wie Natalie Portman betritt nicht einfach einen Raum. Sie erscheint - stilsicher im Kleinen Schwarzen von Dior, stets um höfliches Understatement bemüht. Ort der Begegnung ist das Berliner Hotel Ritz. Dass sie sieben Sprachen spreche, unter ihnen Deutsch, verweist sie ins Reich der zahlreichen online-Mythen. Englisch, Hebräisch, leidlich Französisch, das wäre es auch schon. Aber Kosmopolitin ist sie, hat österreichische Urgroßeltern, nimmt die mitgebrachten Mozartkugeln gern entgegen.

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NEWS: Was bedeutet Ihnen der Oscar und wo steht er?
Portman: Er war zunächst eine riesige Ehre. Ein großartiger Moment, auch ein wenig furchteinflößend, das riesige Auditorium! Den Oscar haben wir ins Souterrain unseres Haues verbannt. Ich möchte Besuchern nicht zumuten, vor Ehrfurcht zu erstarren, sobald sie das Haus betreten. Stünde er im Wohnzimmer, wäre er das Erste, das sie sehen.

NEWS: Was reizt eine so gefeierte Schauspielerin an einem Superhelden-Film?
Portman: Ich mache diese Filme gerne. Das Publikum hat immer eine gute Zeit damit, weil es nichts als pures Entertainment ist. Für mich als Schauspielerin sind solche Filme auch eine gute Übung, Fantasie zu entwickeln. Man spielt ja sehr viel vor Green Screen, also praktisch im Leeren. Was immer sich drumherum abspielt, muss man sich vorstellen.

NEWS: Nun übersiedeln Sie bald nach Paris, wenn ihr Mann dort Ballettchef wird. Paris ist auch Michael Hanekes Wahlheimat. Würden Sie gern mit ihm arbeiten?
Portman: Natürlich! Ich liebe Hanekes Arbeiten. Sie gehören zu meinen Lieblingsfilmen, zum Beispiel "Code: unbekannt“ und "Das weiße Band“. Haneke ist einer der besten Regisseure der Welt, wenn nicht der beste überhaupt. Ich habe ihn einmal kurz persönlich getroffen. Er schien mir eine wahnsinnig charismatische Person zu sein. Die Begegnung hat ungeheuren Eindruck bei mir hinterlassen.

NEWS: Demnächst verfilmen Sie als Regisseurin und Hauptdarstellerin das Leben der Mutter des israelischen Autors Amos Oz. Sie hatte schwere psychische Problem. Inwiefern hilft Ihnen Ihr Psychologiestudium bei der Arbeit?
Portman: Der Film beruht auf Amos Oz’ autobiografischem Werk "Eine Geschichte von Liebe und Dunkelheit“. Wir drehen an Neujahr in Israel, auf Hebräisch! Mein Studium hilft natürlich, die Muster menschlichen Verhaltens verstehen und einordnen zu können. Warum Menschen so handeln, wie sie es tun. Das ist eigentlich dasselbe, was ein Schauspieler tut, wenn er eine Figur erforscht.

NEWS: Weshalb gibt es denn so wenige Regisseurinnen in Hollywood? Sie selbst haben vergebens für Patty Jenkins als "Thor“-Regisseurin plädiert.
Portman: Ja, das ist mir ein Rätsel. In den USA ist die Situation besonders krass, obwohl es massenhaft talentierte Frauen in der Branche gibt und Frauen auch immer öfter Chefposten in den Studios einnehmen. Deshalb bin ich froh, nach Paris zu ziehen. Hier wächst eine neue Generation von Filmemachern heran, die Frauen als wirklich gleichberechtigt betrachtet. Es ist aufregend zu sehen, was da alles möglich ist. Aber ich beginne ja gerade erst als Regisseurin.

NEWS: Die europäische Migrationspolitik und ihre Folgen: Haben Sie sich mit diesem Aspekt Ihrer neuen Heimat schon befasst? Sie selbst sind in verschiedenen Hilfsorganisationen humanitär engagiert.
Portman: Natürlich! Der Fall der 15-jährigen Schülerin, die ins Kosovo abgeschoben und von ihrer Familie getrennt wurde, hat Aufsehen erregt. Es ist eine sehr diffizile Frage, die auch die USA beschäftigt: Immigranten helfen der Wirtschaft, wann sollen sie im Gegenzug die Staatsbürgerschaft mit den zugehörigen Rechten erwerben?

NEWS: Welche Konsequenzen fordern Katastrophen wie die von Lampedusa, wo 300 Bootsflüchtlinge ertranken?
Portman: Der Kern des Problems ist die massive Ungleichverteilung von Wohlstand auf der Welt. Länder, die nichts haben, stehen Ländern gegenüber, die alles haben. Die Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie keine Hoffnung haben, keine Perspektive. Ich arbeite mit der Hilfsorganisation FINCA. Sie stellt Frauen in der Dritten Welt leistbare Kredite zur Verfügung, um daheim Geschäfte eröffnen zu können. Würde man in Ländern, die weniger begünstigt sind, die Wirtschaft ankurbeln, könnte man schon viel ausrichten. In manchen Ländern ist der tägliche Kampf so hart, dass die Menschen ihr Leben riskieren, um in ein anderes Land zu gelangen. In den USA haben wir die Mexikanische Grenze, wo sich schlimme Dramen abspielen. Wir sollten lieber in die Wirtschaft des Nachbarlandes investieren.

NEWS: Ihr Sohn Aleph ist 2 Jahrer alt. Sind die arbeitenden Mütter nicht die eigentlichen Heldinnen des Alltags?
Portman: Ja, das kann eine Herausforderung sein. Aber ich habe Glück. Ich liebe mein Kind, ich liebe meine Arbeit und ich bin froh, beides haben zu dürfen. Aber jede Frau erlebt das anders. Ich glaube überhaupt, dass jede Mutter, jeder Vater eine völlig einzigartige Erfahrung macht. Die kann man nicht generalisieren.

NEWS: Sie leben vegan, konsumieren also auch keine Tierprodukte. Weshalb?
Portman: Ernährung hängt eng mit dem Glaubenssystem zusammen. Jede Religion hat ihre Ernährungsvorschriften. Juden und Moslems etwa dürfen kein Schwein essen. Und alle haben Fastenzeiten. Ich praktiziere meinen Glauben, indem ich mich dreimal am Tag erinnere, wie wichtig der Respekt vor dem Leben ist. Auch ist veganes Leben viel besser für die Gesundheit. Schon wegen der Massentierhaltung und ihren Folgen.

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