Nach "Heil"-Sager auf Wiener FP-Parteitag: Sucher sieht "Hetze" gegen Strache-Partei

Parteitags-Redner: "Das ist ein 200 Jahre alter Gruß" Prokop: Zusammenarbeit mit FPÖ "ausgeschlossen"

Jener Mann, der mit seinem "Heil"-Sager beim Wiener FPÖ-Parteitag für Aufsehen gesorgt hat, sieht sich ungerechtfertigt verfolgt. "Das ist ein 200 Jahre alter Gruß", meinte er am Dienstag in einem Telefonat mit der APA. Auf die Frage, ob es ihn nun erstaune, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet hat, meinte er: "Ich halt sie nicht auf. Bei der Hetze gegen die FPÖ ist alles möglich."

Mehr wollte Sucher zu der Angelegenheit nicht sagen: "Ich bin 72 Jahre und schon aus der Politik weg." Funktionen in der FPÖ strebe er keine mehr an, betonte er.

Walter Sucher ist Inhaber eines Immobilienbüros in Hietzing - politisch gilt er nach wie vor als eine "graue Eminenz" des nationalen Flügels der Wiener FPÖ. 1987 wurde er Bezirksrat der FPÖ. Heute leitet er als Obmann den "Ring Volkstreuer Verbände". Dieser ist laut "Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus" des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW) ein "in den letzten Jahren wenig hervorgetretener Dachverband mit integrativer Funktion im rechtsextremen Lager".

Die Organisation ist laut DÖW inzwischen eher ein "Papiertiger". Sucher selbst ist auch Mitglied der Burschenschaft "Olympia" und zuletzt unter anderem als Mitorganisator des "Totengedenkens" anlässlich der Kapitulation von Hitler-Deutschland aufgefallen. Auch an der Sonnwendfeier der Burschenschafter am Cobenzl hat er bereits teilgenommen.

Kritik an der Parteitags-Aussage Suchers kam unterdessen auch von Innenministerin Liese Prokop (V). "Solche Leute sind unverbesserlich", meinte sie in den "Salzburger Nachrichten". Auf die Frage, ob auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zu den Unverbesserlichen zähle, meinte sie: "Wenn er das verteidigt, dann ja." Aus ihrer Sicht, so betonte sie weiters, sei eine Zusammenarbeit mit der FPÖ "ausgeschlossen".

Häupl: "Straches Rassismus stört mich mehr"
Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) hält die Aussagen von FP-Chef Heinz-Christian Strache am Landesparteitag der Freiheitlichen für kritikwürdiger als das kräftige "Heil", mit dem sich dort ein Delegierter verabschiedet hat. "Dieser ganz offen zu Schau getragene Rassismus des Herrn Strache stört mich viel mehr als der Heil-Sager", sagte Häupl am Dienstag zur APA.

"Wir wissen, was im gegenständlichen Fall gemeint war", so Häupl zum Gruß des Delegierten Walter Sucher, "und die dahinter stehende Geisteshaltung ist zweifelsohne zu verurteilen." Eine gerichtliche Verurteilung Suchers erwarte er deswegen aber nicht: "Ehrlich gesagt würde ich es für ziemlich lachhaft halten, dass man jetzt jeden Bergkameraden oder Bergfreund, der mit 'Berg-Heil' grüßt, wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verurteilt. Das sage ich als ein wirklich aufrechter Antifaschist."

Häupl - der sich selbst während der Schulzeit in der schlagenden Studentenverbindung "Rugia" betätigte, was er später als "eher eine Verirrung" bezeichnet hat - bestätigte, dass "Heil" und "Heil dir" gängige Grußformen in Burschenschafterkreisen seien, was dort nicht als Anspielung an den Nationalsozialismus verstanden werde. Allerdings: "Bei dem Mann weiß man, wie es gemeint war."

FPÖ: Häupl "Anti-Österreich-Rassist"
Nach Ansicht von FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky ist Häupl ein "Anti-Österreich-Rassist". "Folgt man den krausen und infantilen Überlegungen des Herrn Bürgermeisters, dann ist nicht Strache ein Rassist, sondern Häupl ein Inländerrassist, der die Österreicher bzw. Wiener in der eigenen Stadt benachteiligt", so Vilimsky.

In Sachen "Heil"-Gruß sei Häupl der beste Anwalt dafür, dass die Erregung der SPÖ "rein künstlich" sei, zumal dieser Gruß für Häupl in seiner Zeit als schlagender Waffenstudent gang und gäbe gewesen sei. Der Delegierte Walter Sucher habe sich des selben, 200 Jahre alten studentischen Grußes bedient, wie Häupl in seiner aktiven Rugia-Zeit, betonte der FP-Politiker.
(apa/red)