Ermittlungen von

Missbrauch in Großbritannien:
Über 1.400 Verdächtige

Polizei ermittelt auch gegen mehrere Prominente und Politiker

Die Flagge Großbritanniens © Bild: Thinkstock

Die britische Polizei ermittelt gegen mehr als 1.400 Verdächtige wegen Kindesmissbrauchs - darunter viele Prominente und Politiker. 261 dieser Verdächtigen seien als "Prominente" eingestuft, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

135 seien Fernsehen, Film und Radio zuzuordnen, 76 seien Politiker, 43 aus der Musikindustrie und sieben aus dem Sportbereich. Er nannte allerdings keine Namen.

Einige der mutmaßlichen Missbrauchsfälle liegen schon Jahrzehnte zurück, sagte Simon Bailey vom National Police Chiefs' Council, einer Organisation, die Polizeioperationen koordiniert. 216 der 1.433 Verdächtigen seien bereits tot. Fast täglich kämen neue Fälle hin zu, sagte Bailey, es handle sich um eine Augenblicksaufnahme: "Wir sehen einen nie da gewesenen Anstieg in der Zahl der Meldungen, die eingehen."

Vertuschungsvorwürfe gegen britische Polizei

Erst vor kurzem ist im britischen Missbrauchsskandal der Vorwurf erhoben worden, die Polizei habe im großen Stil Fälle von Kindesmissbrauch vertuscht, weil Politiker, Richter und hohe Polizeibeamte darin verwickelt waren. 14 entsprechende Vorwürfe würden geprüft, teilte die zuständige Aufsichtsbehörde Mitte März mit. Es gehe um Fälle zwischen 1970 und den 2000er-Jahren.

Unter anderem soll Scotland Yard Beweise zurückgehalten, Ermittlungen be- oder verhindert und Taten vertuscht haben. So soll Hinweisen nicht nachgegangen worden sein, die Parlamentsabgeordnete und ranghohe Polizisten mit einem Pädophilen-Ring in Verbindung brachten."Bei diesen Vorwürfen geht es um sehr schwerwiegende Korruption in der Vergangenheit auf hoher Ebene", sagte die Vize-Vorsitzende der unabhängigen Polizei-Beschwerdestelle IPCC, Sarah Green. Parallel laufen polizeiinterne Untersuchungen.

Innenministerin Theres May hatte Anfang März gesagt, Kindesmissbrauch sei "unsichtbar in die Struktur der britischen Gesellschaft eingewoben". Schlagzeilen hatten vor allem Fälle Prominenter gemacht, etwa DJ Jimmy Savile, Ex-Rocker Gary Glitter oder Entertainer Rolf Harris.

Kommentare