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Ab mit den Huren in die Ghettos…!

Pohl-Position von Walter Pohl

Meinung - Ab mit den Huren in die Ghettos…! © Bild: NEWS

Es gab einmal Zeiten des Geschäfts mit der Liebe, in denen die Politik den Prostituierten unterlegen war. Als etwa Maria Theresia im 18. Jahrhundert mit Keuschheitspolizisten Jagd auf Dirnen machen ließ, obwohl die Kronprinzen der Habsburger gleichzeitig notorische Puffgeher waren. Die Sondertruppe wurde wenige Jahre später wieder aufgelöst.

Auch im frühen 21. Jahrhundert versucht sich die Politik an der Prostitutionsfrage. Mit ähnlich untauglichen Mitteln.

Seit 1. November gilt das neue Wiener Prostitutionsgesetz, das den Straßenstrich aus Wohngebieten verbannen soll. Wie billige Ware werden die Mädchen auf Stehplätze gezwungen, die den Legisten in einem ziemlich sinnentleerten Moment eingefallen sein müssen. Und so übersiedeln die Prostituierten nun in Gegenden, wo allen Beteiligten das Gruseln kommen muss: einerseits der Tankstellen- und Shoppingmoloch Wien-Auhof, andererseits der finstere Strich hinter dem Wiener Messegelände und – als besondere Chuzpe – das Areal rund um den Josef-Holaubek-Platz. Am Ende des Garagenmonsters der Wirtschaftsuni. Alles Plätze, die in den Nachtstunden eher ein Sicherheitsrisiko darstellen, unbewohnt, düster, Gotham City für Huren sozusagen.

Warum das alles? Weil eine „überparteiliche“ Bürgerinitiative das Gebiet um den Westbahnhof „hurenfrei“ bekommen wollte. Und zu Demos gegen den Strich immer wieder mit an den Ku-Klux-Klan erinnernden Fackeln aufmarschiert ist. Und die Politik vor fast jeder Bürgerinitiative devot in die Knie geht. Überhaupt, wenn’s um die Huren geht, deren Lobby eher überschaubar ist. Sind ja kaum WählerInnenstimmen zu gewinnen, oder?