Maßnahme gegen "Komasaufen" kommt: Personalausweis für Jugendliche ab Sommer

Uneinigkeit über Sinnhaftigkeit des neuen Ausweises Unterscheidung zu Erwachsenen-Ausweis durch Farbe

Maßnahme gegen "Komasaufen" kommt: Personalausweis für Jugendliche ab Sommer © Bild: APA/Gindl

Der Personalausweis für Minderjährige, der am Mittwoch im Parlament beschlossen worden ist, wird voraussichtlich ab Sommer bundesweit erhältlich sein. Für Jugendliche unter 16 Jahren wird sich der Ausweis farblich vom normalen, blauen Personalausweis unterscheiden. Welche Farbe der Ausweis bekommt, steht noch nicht fest. Vertreter der Wirtschaft und der Jugend sind sich allerdings nicht einig, wie sinnvoll der freiwillige Ausweis ist.

Die Kosten für den Jugendpersonalausweis im Scheckkartenformat betragen laut Innenministerium 27 Euro. Über die Farbe müssten Experten noch beraten, damit es zu keinen Überschneidungen mit anderen Ausweisen kommt, so ein Sprecher des Ministeriums. In nächster Zeit ist ein Testbetrieb geplant, "wo und in welcher Form, steht noch nicht fest", sagte der Sprecher. Im Sommer sollen dann alle Jugendlichen den Ausweis beantragen können.

Maßnahme gegen das "Komasaufen"
Ursprünglich von der damaligen Familienministerin Andrea Kdolsky vor allem als Maßnahme gegen das "Komasaufen" initiiert, steht man dem Ausweis bei der Bundesjugendvertretung "skeptisch" gegenüber. "Wir sehen da eher einen Ausweis-Aktionismus", meinte Wolfgang Moitzi, Vorsitzender der BJV. Dem Jugendschutz bringe der Ausweis "sehr wenig", er sei "kein Weg", das Problem des Alkoholmissbrauchs durch Jugendliche zu lösen. Stattdessen fordere die BJV eine Vereinheitlichung des Jugendschutzgesetzes. Aber auch für Reisen sieht Moitzi keinen Sinn im neuen Ausweis: "Die meisten haben ja ohnehin einen Reisepass."

Das Bundesgremium des Lebensmittelhandels der Wirtschaftskammer Österreich hätte lieber verpflichtende Ausweise, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin Anka Lorencz. Die geplante farbliche Unterscheidung sei zwar eine gute Idee, damit "Kassiererinnen auf einen Blick sehen, ob jemand alt genug ist, ohne viel Zeit zu verlieren", so Lorencz. Wegen der Freiwilligkeit sei die Lösung aber "unzureichend".

In der Gastronomie hält man den Jugend-Personalausweis für sinnvoll, obwohl er freiwillig ist. "Kontrollieren muss der Wirt sowieso, aber es gibt insofern eine Erleichterung, dass er sofort an der Farbe das Alter erkennt", so Gernot Liska, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbands für Gastronomie der WKÖ. Auch Otmar Körner, Geschäftsführer des WKÖ-Bundesgremiums der Tabaktrafikanten, sieht im neuen Ausweis "grundsätzlich eine Hilfe".

(apa/red)