Kinder zum Stehlen geschickt: 54-jähriger Kopf der Bande zu drei Jahren Haft verurteilt

Minderjährige hatten pro Tag 1.000 € abzuliefern

Im Wiener Straflandesgericht ist der Prozess gegen ein bosnisches Pärchen abgeschlossen worden, das im vergangenen Frühjahr in Wien mindestens zwölf Kinder zum Stehlen gezwungen haben soll. Der Kopf der Bande, ein 54-jähriger Bosnier mit dem Spitznamen "Feho", wurde wegen Menschenhandels und Anstiftung zum gewerbsmäßigen schweren Diebstahl zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Seine 53 Jahre alte Lebensgefährtin bekam zwei Jahre unbedingt. Die Urteile sind bereits rechtskräftig, Verteidiger Alexander Philipp war mit den Strafen einverstanden.

Die teilweise noch unmündigen Kinder - das Jüngste war erst acht Jahre alt - waren laut Anklage sechs Tage pro Woche jeweils von 9.00 Uhr an bis weit in die Nacht hinein vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, um ihre Vorgaben zu erfüllen: Täglich hatten sie 1.000 Euro abzuliefern. Untergebracht waren die Mädchen und Buben - vorwiegend Roma und teilweise mit "Feho" blutsverwandt - zum Teil zu zehnt in kleinen Wohnungen und unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Laut Anklage sollen sie zwischen April und Juli 2006 1.600 Taschendiebstähle begangen haben. Inkriminierter Schaden: 240.000 Euro. Das war für das Gericht (Vorsitz: Claudia Bandion-Ortner) allerdings nicht mit der für ein Strafverfahren nötigen Sicherheit nachweisbar, so dass der Senat in seinem Urteil von mindestens 100 Fakten ausging und den Schaden mit unter 50.000 Euro annahm.

Von seinen Einnahmen konnte "Feho", der vor Gericht behauptete, mit dem Verkauf von Zehn-Euro-Shirts sein Einkommen zu erzielen, jedenfalls sehr gut leben. Er trug nur Markenanzüge - mit Vorliebe aus dem Haus Versace - und fuhr einen teuren Mercedes. Es fiel ihm auch nicht schwer, ein Porsche Carrera Cabrio zu kaufen, das er dann seinem Sohn schenkte.

Die Angeklagten hatten sich bis zuletzt "nicht schuldig" bekannt. Der Staatsanwalt belaste sie zu Unrecht. Die Indizien sprachen jedoch gegen ihre Unschuldsbeteuerungen: Die Anklagebehörde verfügte nicht nur über umfangreiche Telefonüberwachungsprotokolle, sondern vor allem über einige Aussagen der Kinder, die inzwischen wieder in ihre Heimatländer in Südosteuropa zurückgekehrt sind.

Vor allem eine 14-Jährige hatte vor ihrer Abreise aber noch massiv gegen "Feho" ausgesagt. Laut Anklagebehörde sollen sie und ihre Verwandten darauf hin unter erheblichen Druck gesetzt worden sein, diese Angaben zurück zu ziehen. Angeblich wurde auf den Großvater des Mädchens sogar zwei Mal mit einem Messer eingestochen.

(apa/red)