Karzei wünscht sich Frieden in Afghanistan:
Ruft radikale Taliban zu Verhandlungen auf

Präsident an Omar: "Höre auf, deine Brüder zu töten" Taliban-Führer bietet Soldaten "sichere Heimkehr" an

Karzei wünscht sich Frieden in Afghanistan:
Ruft radikale Taliban zu Verhandlungen auf © Bild: APA/EPA/Foley

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat den Anführer der radikal-islamischen Taliban, Mullah Omar, zu Friedensverhandlungen aufgerufen. "Mein teurer Bruder, - komme zurück in dein Heimatland und arbeite für den Frieden und das Wohl deines Volkes und höre auf, deine Brüder zu töten", sagte Karzai vor Journalisten. Er garantiere auch für die Sicherheit von Omar und anderer ranghoher Taliban-Mitglieder, die Frieden mit den ausländischen Truppen schließen wollten.

Gleichzeitig dementierte Karzai Berichte, wonach es bereits zu Verhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und Taliban-Vertretern in Saudi-Arabien gekommen sei. Allerdings habe er den saudischen König um Vermittlungshilfe gebeten. Saudi-Arabien zählt zu den wenigen Ländern, die das Taliban-Regime in Afghanistan während der 1990er Jahre anerkannt hatten. Die Taliban wurden Ende 2001 im Zuge des US-geführten Kriegs gegen Extremisten gestürzt und kämpfen seitdem aus dem Untergrund gegen die ausländischen Truppen.

"Sichere Heimkehr" für ausländische Truppen
Zuvor hatte Omar seinerseits den internationalen Soldaten eine "sichere Heimkehr" angeboten, wenn sie sich zum Abzug entschlössen. "Ich sage zu den Eindringlingen: Wenn ihr unser Land verlasst, dann werden wir ein sicheres Umfeld schaffen, damit das möglich ist", sagte der Talibanchef in einer im Internet veröffentlichten Mitteilung. Wenn die "Invasion" aber anhalte, dann würden die Truppen wie die Sowjetunion eine Niederlage erleiden. Sowjetische Truppen waren 1979 in Afghanistan einmarschiert und zogen 1989 nach verlustreichen Kämpfen ab. Omar hält sich seit dem Sturz der Taliban versteckt. Auf ihn ist ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (17,4 Mio. Euro) ausgesetzt.

Das Jahr 2008 ist schon drei Monate vor Jahresende für die ausländischen Truppen in Afghanistan das verlustreichste seit dem Sturz der Taliban vor sieben Jahren gewesen. Mindestens 221 Soldaten, die meisten von ihnen US-Bürger, sind nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP seit Anfang des Jahres in Afghanistan ums Leben gekommen. Die meisten starben durch Bombenanschläge von Aufständischen auf Patrouillen-Fahrzeuge. Im gesamten vergangenen Jahr starben 219 Soldaten. Die Monate Juni und August 2008 waren mit 49 und 45 Toten die mit den höchsten Opferzahlen.

Die AFP-Zählung basiert auf den Mitteilungen der Koalitionstruppen, die den Tod von drei weiteren Soldaten bei einem Anschlag im Süden des Landes bekanntgaben. Die Nationalität der Toten war zunächst unklar, die Mitteilung überlassen die Koalitionstruppen stets den nationalen Regierungen. In Afghanistan sind derzeit 70.000 ausländische Soldaten stationiert, die meisten im Rahmen der NATO-geführten ISAF-Truppe.

(apa/red)