Jugendliche Komatrinker in Vorarlberg: Suchthelfer prüfen Anzeige gegen Discothek

Heranwachsender musste auf die Intensivstation In nächsten Monaten "Mystery Shopping" geplant

Jugendliche Komatrinker in Vorarlberg: Suchthelfer prüfen Anzeige gegen Discothek

Die Vorarlberger Suchtprophylaxe-Institution "Supro" überlegt nach einem erneuten Fall von jugendlichen Komatrinkern eine Anzeige gegen einen Disco-Betreiber. Laut einem Bericht der "Vorarlberger Nachrichten" mussten Anfang Mai aus einer Discothek in Lustenau drei Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren volltrunken ins Krankenhaus eingeliefert werden. Laut Supro wurde einer der Heranwachsenden auf der Intensivstation behandelt.

Kurt Fischer, Vize-Bürgermeister von Lustenau, und Supro-Leiter Andreas Prenn wollen nun überprüfen, von wem die Jugendlichen den Alkohol in dem Nachtlokal bekamen. "Gegebenenfalls bringen wir die Verantwortlichen bei der Polizei zur Anzeige", so Prenn. Wer 14-Jährigen Alkohol zu trinken gebe, dem müssten die rechtlichen Konsequenzen klar gemacht werden, betonte der Suchthelfer gegenüber der Tageszeitung. Die betreffende Disco gehöre diesbezüglich zu den "Hotspots" in Lustenau, hieß es seitens der Gemeinde. "Wir werden uns des Themas annehmen, haben bereits eine Arbeitsgruppe gegründet", erklärte der Vize-Bürgermeister.

Nahezu alle Discotheken in Vorarlberg geraten wegen des Komatrinkens Jugendlicher immer mehr unter Druck. Durch die häufig fehlende Kooperation der Heranwachsenden gestalte sich die rechtliche Verfolgung der Betreiber allerdings schwierig, bedauerte Prenn in dem "VN"-Bericht. In den nächsten Monaten werde es verstärkt so genannte "Mystery Shopping"-Aktionen geben, kündigte Prenn an. Wenn die minderjährigen Tester Alkohol bekommen, drohen den betroffenen Betreibern hohe Strafen.

Hermann Metzler, Sprecher der Vorarlberger Discotheken-Betreiber, erklärte, er versuche seit Wochen mit der bewussten Discothek in Kontakt zu treten, um über den Jugendschutz zu sprechen, bisher erfolglos. Damit steht das Nachtlokal aber offenbar nicht allein: Laut Metzler gebe es weitere Discotheken im Land, die Anfragen dazu bisher abblockten.

Maßnahmenpaket der Stadt Wien
Die Stadt Wien hat ein Maßnahmenpaket gegen den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen geschnürt. In Kooperation mit Partnern aus Polizei und Wirtschaft seien stärkere Kontrollen von Veranstaltungen - wie etwa bei den so genannten Flatrate-Partys - vereinbart worden. Zudem wird es eine Aufklärungskampagne im "Bermudadreieck"geben. Dort werden unter anderem Infobroschüren zum Thema Alkohol verteilt, kündigte SP-Gemeinderätin Tanja Wehsely an.

"Das Problem Alkohol ist ernst zu nehmen, allerdings ist auch Panikmache fehl am Platz: Tatsache ist, dass es in Wien keine Steigerung der Rettungseinsätze bei unter 16-Jährigen gegeben hat", betonte Wehsely. Wien setze auf Prävention, habe aber nun auch ein zusätzliches Maßnahmenpaket geschnürt. Unter anderem werde bei Veranstaltungen die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes verstärkt kontrolliert. Auch soll laut Wehsely noch enger mit den Bezirksämtern kooperiert werden.

Weiters sollen im Bermudadreieck in den kommenden Wochen unter anderem 3.000 so genannte Pocketinfos zum Thema Alkohol verteilt werden. Diese enthalten demnach kurzgefasste, jugendgerechte Texte. Zusätzlich habe die jetzige Diskussion auch das Verantwortungsbewusstsein der Lokalbetreiber geweckt, versicherte die SP-Politikerin. Die Wirte wollen demnach ihr Image aufwerten und nicht mehr als "Kinder-Abfüller" dargestellt werden. Nicht sinnvoll sei es aus fachlicher Sicht, Streetworker und Polizei gemeinsam zu Kontrollen zu schicken, so Wehsely.

(apa/red)