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Johan Cruyff ist tot

Die Fußball-Legende erlag im Alter von 68 Jahren ihrer Krebserkrankung

Johan Cruyff © Bild: imago/VI Images

Die niederländische Fußball-Legende Johan Cruyff ist tot. Cruyff sei am Donnerstag im Alter von 68 Jahren im Kreise seiner Familie "nach einem harten Kampf mit dem Krebs" in Barcelona gestorben, teilte seine Stiftung mit. Der frühere Spielmacher war im vergangenen Jahrhundert einer der besten Fußballer der Welt und prägte als Trainer das erste "Dream Team" des FC Barcelona in den 1990er-Jahren.

1991/92 führte er die Katalanen zum Triumph im Cup der Landesmeister, den er als Spieler dreimal mit Ajax Amsterdam gewonnen hatte. Der lange Zeit starke Raucher hatte im vergangenen Herbst eine Lungenkrebs-Erkrankung öffentlich gemacht und wenig später mit einer Chemotherapie begonnen. "Ich habe das Gefühl, mit 2:0 in der ersten Halbzeit eines Spiels vorne zu liegen, das noch nicht zu Ende ist", schrieb er noch Mitte Februar zu seiner Erkrankung. "Aber ich bin mir sicher, dass ich es gewinnen werde."

Eine seiner schwersten Niederlagen erlebte der geniale Regisseur am 7. Juli 1974 im WM-Finale in München. Mit spektakulärem Offensiv-Fußball waren die von Rinus Michels, Cruyffs Entdecker bei Ajax Amsterdam, betreuten Niederländer ins WM-Finale eingezogen, dort durch einen Elfmeter, den der Superstar herausgeholt hatte, auch 1:0 in Führung gegangen. Doch dann wurde Cruyff, der Spieler des Turniers, von den Deutschen neutralisiert und die Gastgeber gewannen mit 2:1.

Cruyff vs. Beckenbauer
© imago/PanoramiC WM-Finale 1974: Johan Cruyff im Duell mit Franz Beckenbauer

Somit war eine einmalige Gelegenheit für Cruyff vergeben, denn 1978 in Argentinien war er nicht mehr dabei. Nicht einmal der legendäre Wiener Erfolgstrainer Ernst Happel vermochte den Star zu einer Rückkehr ins Oranje-Team zu überreden, das 1978 im WM-Finale erneut an den Gastgebern (1:3 n.V.) scheiterte. Sein letztes von 48 Länderspielen bestritt Cruyff am 26. Oktober 1977 beim 1:0 gegen Belgien.

Cryuff hatte stets seinen eigenen Kopf

Cruyff hatte immer seinen eigenen Kopf - egal ob als Spieler, Trainer oder Fußball-Kritiker. Als Spieler mit der legendären Rückennummer 14 führte er seinen Stammclub Ajax 1971, 1972 und 1973 zu Triumphen im Europacup der Landesmeister. Drei Mal - 1971, 1973 und 1974 - wurde er zum europäischen Fußballer des Jahres gewählt.

Mit Barcelona gewann er die spanische Meisterschaft (1974) - der erste "Barca"-Titel seit 14 Jahren - und den spanischen Cup (1978), ehe er in den USA die Los Angeles Aztecs und die Washington Diplomats verstärkte und anschließend in die Niederlande zu Ajax zurückkehrte. Mit 37 Jahren holte er noch mit Feyenoord Rotterdam das Double (1984).

Johann Cruyff im Barcelona-Dress
© imago/Colorsport Johan Cruyff im Dress des FC Barcelona

Danach wechselte er ins Trainer-Geschäft, gewann 1987 mit Ajax den Europacup der Cupsieger. Schon damals entwickelte er jenen taktischen Ansatz, der noch heute als "Ajax-Schule" gilt und auf einem 4-3-3-System mit schnellen und vor allem technisch starken Spielern beruht. Von dieser Grundordnung ausgehend forcierte Cruyff hohen Ballbesitz und konsequenten Angriffsfußball.

»Cruyff hat eine Kathedrale errichtet. Wir haben sie nur instand gehalten«

Zu seinen zahlreichen Bewunderern und Schülern zählt auch der scheidende Trainer des FC Bayern München, Pep Guardiola. Der Katalane bezeichnete seinen früheren Mentor mehrmals als wichtigsten Ratgeber während seiner Spielerkarriere, zudem nannte er ihn den erfolgreichsten Trainer in der Geschichte von "Barca". "Cruyff hat eine Kathedrale errichtet. Wir haben sie nur instand gehalten", sagte Guardiola einmal über den Niederländer, der 1991 nach einer Herzoperation das Rauchen aufgab.

In Folge dessen rief der am 25. April 1947 in Amsterdam geborene Ausnahme-Kicker die Johan-Cruyff-Stiftung zur Unterstützung von Projekten für arme und behinderte Kinder ins Leben und gründete auch eine Johan-Cruyff-Universität. Seinen 69. Geburtstag sollte er nicht mehr erleben.

»Cruyff war der beste Spieler aller Zeiten«

Sein Können ist unbestritten. "Cruyff war der beste Spieler aller Zeiten", zollte ihm der französische Ex-Star Michel Platini Respekt. Dennoch blieb das verlorene WM-Finale ein kleiner Makel der Karriere. "Johan war der bessere Spieler, aber ich bin Weltmeister", sagte Deutschlands "Kaiser" Franz Beckenbauer über den ungekrönten "König" Johan.

Reaktionen zum Tod von Johan Cruyff

Michel Platini (Ex-Spieler/Frankreich): "Ich habe einen Freund verloren, die Welt hat einen großen Mann verloren. Ich habe ihn bewundert. Er war ein Ausnahmespieler, er war der beste Spieler aller Zeiten."

Franz Beckenbauer (Ex-Spieler und -Trainer/Deutschland): "Ich bin geschockt. Johan Cruyff ist tot. Er war nicht nur ein sehr guter Freund, sondern auch ein Bruder für mich."

Joseph Blatter (früherer FIFA-Präsident): "Cruyff hat dem Fußball eine besondere Note gegeben, die viele zu kopieren versucht haben. Ich bin sehr betroffen. Er war eine außergewöhnliche Persönlichkeit und hat gemeinsam mit Rinus Michels den 'Fußball total' auf den Weg gebracht."

Pep Guardiola (Trainer FC Bayern): "Ein Genie, eine Legende und der Mann, der die Mentalität des FC Barcelona verändert hat."

Xabi Alonso (Spanischer Legionär beim FC Bayern): "Die '14' wird nie wieder dasselbe sein. Ruhe in Frieden Johan Cruyff."

Ruud Gullit (Ex-Spieler/Niederlande): "Die Niederlande haben ein Gesicht in der Welt verloren. Er hat unseren Fußball auf die Weltkarte gebracht."

Ronald de Boer (Ex-Spieler/Niederlande): "Er war der beste Fußballer, den wir je gehabt haben."

Lothar Matthäus (Ex-Spieler und -Trainer/Deutschland): "So traurige Nachrichten über Johan Cruyff. Ein großartiger Spieler, der den Fußball verwandelt hat. Mein Beileid an seine Familie und Freunde."

Gary Lineker (Ex-Spieler/England): "Der Fußball hat einen Mann verloren, der mehr dafür getan hat, das schöne Spiel schön zu machen, als jeder andere in der Geschichte."

Gianni Infantino (FIFA-Präsident): "Er war ein herausragender Spieler, einer der größten, die die Welt je gesehen hat. Er hat sich für immer in der Geschichte des Fußballs eingetragen. Ich bin sehr traurig über seinen Tod. Sowohl persönlich als auch im Namen der FIFA und der weltweiten Fußball-Gemeinschaft möchte ich seiner Familie und seinen Freunden mein aufrichtiges Beileid überbringen."

Lionel Messi (Barcelona-Superstar): "Eine weitere Legende hat uns heute verlassen."

Diego Maradona (Ex-Spieler und -Trainer/Argentinien): "Wir werden dich nie vergessen, Dürrer."

Andres Iniesta (Barcelona-Kapitän): "Es ist ein trauriger Tag. Eine Legende und eine Schlüsselfigur des FC Barcelona und des Fußball ist von uns gegangen. Mein tiefstes Beileid an die Familie."

Luis Figo (Ex-Spieler/Portugal): "Er war mein erster Trainer im Ausland, einer der besten, die ich jemals gehabt habe. Er war ein sehr wichtiger Mann in meiner Karriere. Das ist ein immenser Verlust."

Ronald Koeman (Ex-Spieler und Trainer/Niederlande): "Ich bin zutiefst betroffen über den Tod meines besten Trainers und Freundes. Danke für alles. Für immer in unserem Herzen."

FC Barcelona (Offizieller Twitter-Eintrag): "Wir werden dich immer lieben, Johan. Ruhe in Frieden."

Romario (Ex-Spieler/Brasilien): "Ich habe das Privileg gehabt, ihn als Trainer zu haben, als ich bei Barcelona gespielt habe. Er war ohne Zweifel der beste Trainer, den ich je gehabt habe. Er hat besser als jeder andere gewusst, wie man das, was jeden Spieler auszeichnet, für das Team verwendet, und er hat gewusst, dass es meine Fähigkeit war, Tore zu schießen."

König Willem-Alexander (niederländisches Staatsoberhaupt): "Die Niederlande haben einen einzigartigen und genialen Star verloren, der dem Fußball ein neues Gesicht gegeben hat. Er war eine niederländische Ikone."

Mark Rutte (Premierminister Niederlande): "Die ganze Welt hat ihn gekannt, und durch ihn hat die Welt die Niederlande gekannt."

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