Jede fünfte Frau ist Opfer von Gewalt:
Thema aber nach wie vor ein großes Tabu

Experten fordern mehr Offenheit und Aufklärung Betroffene erdulden Übergriffe aus Angst und Scham

Jede fünfte Frau ist Opfer von Gewalt:
Thema aber nach wie vor ein großes Tabu
© Bild: Corbis

Schlagen, bespucken, mit Füßen treten, würgen, an die Wand drücken oder auf den Boden werfen - für Frauen zwischen 16 und 45 Jahren ist es weltweit gesehen wahrscheinlicher, von ihrem Lebenspartner oder einem Verwandten getötet zu werden, als durch Krieg und Terrorismus ums Leben zu kommen. Jede fünfte Frau in Österreich ist Gewaltopfer. Anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen heute haben sich Experten bei einer Pressekonferenz in Wien für die Enttabuisierung des Themas engagiert.

"Ich bringe dich um, wenn du mich verlässt!", "Dich finde ich überall!" - hinter den Androhungen von gewalttätigen Männern steckt ein "kleines gekränktes Selbst, das nach Zuwendung und Nähe schreit", sagte Reinhard Pichler, Leiter des Wiener Krankenhauses der Barmherzigen Brüder. Gewalt in der Familie ist immer noch ein Tabuthema. Aber erst wenn das Schweigen gebrochen wird, sind Wege aus der Gewaltspirale möglich.

Angst vor Konsequenzen
"Uns ist klar, dass Menschen, die unter Druck gesetzt werden, Angst haben und Gewalt dulden", sagte Wilfried Ilias, Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie bei den Barmherzigen Brüdern. Betroffene haben häufig Angst vor den Konsequenzen, wenn sie das Schweigen brechen, und sehen in der Erduldung der Taten den "einfacheren" Ausweg, sagte Ilias. Sie würden die Täter oft aus Scham und Angst sogar noch schützen.

Gewalt in der Familie, am Spielplatz oder am Arbeitsplatz ist prägender, als wir dachten, betonte der Mediziner. "Wir sind im Krankenhaus darauf aufmerksam geworden, dass viele Menschen mit psychischen Problemen an chronischen Schmerzen leiden." Zwischen 35 und 50 Prozent der chronischen Schmerzpatienten waren in ihrer Vergangenheit Opfer von Missbrauch, Misshandlungen oder emotionaler Gewalt.

Experten: Gewalt herrscht in allen Schichten
"Gewalt ist nicht Ausdruck von gewissen Schichten. Sie nimmt keine Rücksicht auf Bildungsgrad oder finanziellen Hintergrund", sagte Ilias.

Wichtige Zielgruppe in der Gewaltaufklärung sind Schüler. Familiäre Gewalt "muss Thema sein in Schulen", sagte die Präsidentin des Wiener Stadtschulrates, Susanne Brandsteidl. "Es gibt Möglichkeiten der Aufarbeitung, damit Kinder später als Erwachsene Gewalt nicht in die eigene Familie weiter tragen", sagte sie.

Ärztliches und pflegerisches Personal ist für die Aufklärung von Gewalttaten ausschlaggebend. Sie kommen häufig als erste mit Betroffenen in Kontakt und haben dadurch eine Schlüsselfunktion, betonte Gerichtsmedizinerin Andrea Berzlanovich. "Ein einfühlsames ärztliches Gespräch ist Grundvoraussetzung dafür, dass das Opfer Mut fasst und sich öffnet."

Frauen und Kinder werden meist in der gewohnten Umgebung geschlagen. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien-Leopoldstadt beherbergt derzeit die Ausstellung "Hinter der Fassade". Sie zeigt anhand einer nachgebauten Familienwohnung jenen Ort, an dem Gewalttaten stattfinden.

(apa/red)

Kommentare

Alle paar Monate eine andere Statistik hilft den Frauen nicht!
Wie lange wollen die vielen FrauenministerInnen (Bund und Länder) noch weg schauen?

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Jede 5. Frau ...heisst das, dass 4 Frauen entwischen?

nein - jetzt mal ernsthaft...Gewalt darf nicht toleriert werden...nicht gegen Kinder, Frauen oder Männer.

Gibt´s eigentlich eine Statistik über männliche Opfer?

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Re: Jede 5. Frau Nein, das ist gesellschaftlich nicht akzeptiert. Und jedesmal wenn ich Bekannten erzähle, dass auch Männer vergewaltigt werden können werde ich ausgelacht!

Woodentree melden

Re: Jede 5. Frau Quote: "Nach offiziellen Angaben sind ein Viertel aller Opfer von häuslicher Gewalt Männer." - in D zumindest, kann bei uns aber auch net groß anders sein.
Auch interessant: http://www.maennerherz.de/Studien+zu+h%C3%A4uslicher+Gewalt+gegen+M%C3%A4nner
Statistiken gibt es genug, aber wie hier bereits gesagt, die helfen nicht. Im Gegenteil, je öfter sie eine neue Statistik raushauen, desto abgehärteter wird man dagegen, insbesondere weil sich die Zahlen kaum ändern sondern höchstens höher werden... zumindest so der Eindruck.

christian95 melden

Was? - Und das bei sauteuren FraunministerInnen??? (Eine für den Bund und 9 für die Länder). Dann gibt es auch noch 10 ÖGB und 10 AK FrauenreferentInnen......
Wozu leisten wir uns vielen "VersagerInnen"???
Sie kosten viel Geld und bringen für die Frauen keine Hilfe!

strizzi49 melden

Re: Was? Tschapperl! Was sollen denn die Ministerinnen tun, wenn Du Deiner Alten eine auflegst? Die (die Ministerin) ist ja nicht da und geht dazwischen! Schiebts nicht immer alles auf die Politiker!

christian95 melden

Re: Was? Entsprechende Gesetze und Vorschrifrten schaffen!
Bei den Autofahrern, Umweltschutz z.B. funktioniert das ja auch.

christian95 melden

Re: Was? Alle paar Monate eine neue Statistik, diesmal sogar nur "geschätzt" hilft den Frauen auch nicht weiter.
Spätestens im Jänner folgt wiederum die Statistik über die niedrigen Fraueneinkommen. AK, ÖGB und PolitikerInnen.... warum ändern sie das nicht?

strizzi49 melden

Re: Was? Christian95:
Die Gesetze gibts ja! Aber was nützen die, wenn alle wegschauen, sie nicht kontrolliert werden, die Betroffenen nix sagen, ..... ?

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Re: Was? Ja die Gesetze gibt es!
Ein Vater, der sich um sein Kind kümmern will, wird weggewiesen (SPG §38a) oder eingesperrt (Terrorismusparagraph 278). Wenn dann ein Freund dem besorgten Kind Nachricht vom eingesperrten Vater bringt, wird er wegen Stalking verurteilt ...
Wer es noch immer nicht kapiert hat: FrauenGEWALT ist nur anders aber keinesfalls weniger!
Nur um die echten Opfer - Kinder, Frauen und Männer - kümmert sich niemand.
www.scheidungsindustrie.at

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Gewalt ist sehr oft auch weiblich ! Wer glaubt eigentlih noch diese Propaganda über die bösen Männer? Was hier ein paar intelligenzfreie RegierungspolitikerInnen und die Medien abhalten könnte bestenfalls einen Reichspropagandaminster erfreuen.
Auch in Österreich ist Gewalt sehr oft auch weiblich ... und speziell in Österreichische förden Behörden und Justiz die Gewalt durch Frauen - siehe: www.scheidungsindustrie.at

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Re: Gewalt ist sehr oft auch weiblich ! No na , werden nun schon die Emansen gewalttätig? Ich muß schon beschämend sagen, in erster Linie sinds doch Männer die gegen Frauen los gehen, aber in den meisten Fällen im Einfluß von Alkohol und das gehöhrt so wie in Irland verboten.

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Re: Gewalt ist sehr oft auch weiblich ! @Erich122 ... und noch einer (oder doch EINE), der auf oberlächlche Propagande reinfällt. - Kleiner Tip: erst denken, dann die Relität anschauen und zuletzt erst reden.

DerLeutnant melden

Und wer ist die Finanzmelkuh? Schlimm wenn statt Argumenten und Einsicht die Gewalt regiert. Und absolut unehrenhaft wenn ein Mann die Hand gegen seinen Partner erhebt der in den meisten Fällen auch der physisch Schwächere ist. Ich finde so ein Verhalten absolut verachtungswürdig. Nur bitte schön wer wird denn nach einer Trennung/Scheidung meist in den finanzielen Ruin getrieben? Da ist die Rache dann doppelt und dreifach liebe Frauen. Mit diesem Wissen müssen Männer leben was aber natürlich keine Entschuldigung für brutales Verhalten sein soll/darf. Also reist euch zusammen und gebt auch einmal nach!

Kontrollorgan melden

Herr Leutnant, wenn sich Paare trennen, reisen sie nicht mehr zusammen :-))

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Re: Und wer ist die Finanzmelkuh? So ein Blödsinn! Natürlich wird es Frauen geben die alles nach einer Scheidung daran setzen, finanziell gut abzuschneiden. Das gleiche gilt aber ebenso für Männer! Wenn Kinder aus einer Gemeinschaft da sind, so gibt es ja ein Gesetz, nach welchem das Gericht die Höhe der Unterhaltszahlung festlegt. Das liegt doch nicht im Ermessen einer Frau, wie die Höhe der Alimente ausfallen. Und trotzdem sind es oft die Alleinerzieherinnen, die mit Ihren Kindern an der Armutsgrenze leben.Ich kenne einen Fall, da hat sich der geschiedene Mann bei seiner neuen Freundin, die selbst ein gutgehendes Gasthaus betreibt, gerinfügig anstellen lassen, nur damit er seiner Exfrau für die leiblichen Kinder keine Alimente zahlen muss. Ja!!! Auch so etwas is möglich und bestimmt kein Einzelfall!!!!

DerLeutnant melden

Re: rosebud12? Also wirklich ...ich kenne da einen Fall... so fangen da immer wieder diese schönen Beispiel an. Ja es ist hart als Alleinerzieher/In ich weis das weil ich als Mann (hört hört) auch in so einer Lage war. Die Ex hat sich einen Sch... um die Kinder gekümmert und so habe ich sie gerne bei mir gehabt und für sie gesorgt und ich denke zu guten Menschen erzogen. Und ja es ist eine wirklich Zeit Geld und Nervenaufreibende Sache das zu meistern. Nur frage einmal nach wie vielen Männern werden ihre Kinder nur entzogen weil es noch immer in unserer Gesellschaft üblich ist die Kinder der Frau zuzusprechen und nur in ganz besonderen Fällen dem Vater!!!!!!! Und die Höhe der Alimentationsberechnung ist auch ein Witz. Es sollte endlich ein fixer Betrag festgelegt werden damit manche Summen nicht zu einem Witz ausfallen.

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