"Insel der seligen Tschick": FORMAT über den Auszug aus dem Raucher-Paradies

Ganz Europa verbietet Rauch - außer Österreich Ärzte verlangen seit Langem schärfere Gesetze

"Insel der seligen Tschick": FORMAT über den Auszug aus dem Raucher-Paradies © Bild: APA/dpa/Breloer

Etwas vom russischen Flair ist im Berliner Restaurant Pasternak verloren gegangen: Der blaue Dunst, dem die männlichen Russen mit Hingabe (70 Prozent Raucher) frönen, fehlt seit vergangenem Sommer. Noch ohne Zwang verzichtete Geschäftsführer Binar Tahayori auf das rauchende Publikum. Beinahe alle EU-Länder verschärfen ihre Rauchverbote - mit einem Erfolg, dem man in Österreich noch wenig Glauben schenkt.

Seit dem 1. Jänner müssen es ihm auch die anderen Berliner Wirte gleichtun und entweder aufs rauchende Publikum verzichten oder separate Raucherräume einrichten. So wie in nunmehr zehn anderen deutschen Bundesländern, so wie in Italien seit 2005 oder in Finnland seit 2007. Noch strenger nehmen es die Franzosen mit dem Nichtraucherschutz: Sie folgen den Beispielen von Großbritannien, Irland, Litauen und Norwegen und sprechen gleich ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie aus - ein Modell, gegen das sich 80 Prozent der österreichischen Raucher wehren.

Letztes Refigium
Österreich ist damit eines der letzten Raucherparadiese innerhalb der EU. Eine Schonfrist, die nach dem EU-Willen spätestens 2009 zu Ende geht: Der EU-Parlamentarier Karl-Heinz Florenz bekräftigte gegenüber Ö1 das Vorhaben, ein Rauchverbot in Bars und Restaurants über den Umweg einer Arbeitnehmerschutzrichtlinie einführen zu wollen.

Bis dahin nutzen Wirtschaft wie Ärzte die Zeit für einen Schlagabtausch über die Folgen von Nichtraucherschutzmodellen. Thomas Wolf, Leiter der WKÖ-Sparte Gastronomie, warnt vor generellen Verboten und beruft sich auf repräsentative Studien wie jene aus Slowenien, wonach zwei Drittel der Gastwirte mit Umsatzeinbußen zu kämpfen hätten. Besonders betroffen sind mit 89 Prozent kleine Lokale bis zu 50 Quadratmetern Fläche und jene, die nur Getränke ausschenken (87 Prozent). Ähnlich alarmierend sei eine Umfrage für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband: Jeder vierte gastronomische Betrieb in Niedersachsen und Baden-Württemberg habe seit August um durchschnittlich zehn Prozent weniger Gäste begrüßen kön- nen als vor den Rauchverboten. Folglich klagen 40 Prozent der Betriebe über geringere Bier-Absätze. Gesundheitsministerin Andrea Kdolskys (ÖVP) Modell der "Wahlfreiheit" für Lokale bis zu 75 Quadratmeter Fläche steht deshalb hoch im Kurs bei Wolf.

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