"I wer narrisch!": Wie der Sieg von Cordoba zum österreichischen Heldenepos wurde

Sieg über Deutschland bei WM 1978 als "Sternstunde" Triumph machte Krankl und Edi Finger zu Legenden

"I wer narrisch!": Wie der Sieg von Cordoba zum österreichischen Heldenepos wurde

Cordoba 1978 - Es sind bereits drei Jahrzehnte vergangen und doch lebt der Mythos weiter. Das 3:2 über Deutschland bei der WM-Endrunde 1978 in Argentinien gilt als "das" Heldenepos der jüngeren ÖFB-Geschichte. Ein Sieg, der sich tief in das kollektive Gedächtnis der österreichischen Fußball-Seele eingebrannt hat.

Für die nüchterne Statistik bedeutete das Ergebnis lediglich Platz sieben statt Rang acht. Größere Ambitionen hatte man bereits mit dem 0:1 gegen Italien und dem 1:5 gegen die Niederländer verspielt. Und Deutschland 1978 mit Karl-Heinz Rummenigge, Hans Müller oder Rüdiger Abramczik war bei weitem nicht mehr vergleichbar mit der Weltmeister-Elf von 1974 mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Paul Breitner.

In der österreichischen Seele lebt der Sieg aber weiter. Das ist das wahre Phänomen. Das nicht zuletzt durch ein Faktum erklärbar ist: Selten trat die Interdependenz zwischen einem Ereignis und seiner massenmedialen Vermittlung deutlicher zutage als an jenem 21. Juni 1978 und in den darauffolgenden Jahren.

Zum "Narrischwerden"
So wie es Edi Fingers legendäres "Narrischwerden" ohne Hans Krankls Siegestor in fast letzter Minute nie gegeben hätte, hätte das 3:2 ohne Fingers Urschrei niemals einen derart prominenten Platz im rot-weiß-roten Bewusstsein eingenommen.

Wann immer die Szene später im Fernsehen gezeigt wurde und wird, spielte man die Stimme des damaligen ORF-Radioreporters Edi Finger ein. So verschmolzen Krankls Siegestor und seine Übermittlung per Radio zu "einer" Heldentat. Dass damals im TV eigentlich Robert Seeger das Match übertrug, weiß heute fast keiner mehr.

"Erlaubtes Doping" im Spiel
Das "Wunder von Cordoba" hatten zwei Treffer von Hans Krankl, ein Eigentor von Berti Vogts und "erlaubtes Doping" möglich gemacht. "Einige unserer mitgereisten Journalisten haben uns vor dem Spiel richtiggehend aufgeganselt und so motiviert, dass wir uns gesagt haben, denen Deutschen zeigen wir es aber jetzt", erinnert sich Krankl. Die deutsche "Bild"-Zeitung hatte in ihrer Vorschau den Österreichern in großen Lettern prophezeit: "Ihr bekommt sechs Stück!"

Österreich war bereits ausgeschieden, die Deutschen hätten zum direkten Aufstieg ins Finale einen Sieg mit fünf Toren Differenz benötigt. Daher wurde der deutsche Torhüter Sepp Maier gefragt, ob er ein 5:0 für möglich hält. Der urige Bayer schmunzelte und antwortete: "5:0 vielleicht nicht, aber 6:1 schon".

Wolfgang Winheim vom Kurier war damals als einer der österreichischen Berichterstatter mit von der Partie. "Es gab damals noch kein Fax oder Internet, wir hatten von diesen deutschen Schlagzeilen über unsere Redaktionen erfahren und die Botschaft an unsere Spieler weitergegeben", erzählt der Redakteur, der so kurzfristig zum Verabreicher von "verbotenen Mitteln" wurde. "Die Bedeutung des 3:2 hat zuerst niemand realisiert. Erst als wir wieder in Europa waren, bekamen wir die ganz Tragweite mit."

"Eine Sternstunde unseres Fußballs"
Für die Österreicher war das 3:2 ohne Bedeutung für das Turnier, aber wichtig für das Prestige. "Liederlich und lahm. Riesen-Blamage gegen Österreich!" Untergang des Weltmeisters!" "Ein Trauerspiel!" So und ähnlich schrieben nach dem Spiel die deutschen Medien. Österreich hingegen befand sich im Siebenten Fußball-Himmel. "Es war eine Sternstunde unseres Fußballs", schwelgt Krankl noch heute über dieses legendäre Spiel.

(apa/red)

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