"Haben Dienstverhältnis aufgelöst": Toni Polster nicht mehr Austria General Manager

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Er feierte mit den violetten Fans und Spielern, nahm einen Schluck aus der mit Sekt gefüllten "Stiegl"-Trophäe, hielt in der Kabine eine letzte Rede vor Dospel, Vastic und Co., um danach dort eine kräftige Bierdusche über sich ergehen zu lassen. Der vorzeitige Abschied von Toni Polster als General Manager von "seiner" Austria-Familie wurde am Mittwoch im Wiener Happel-Stadion zum rührenden Wechselbad der Gefühle.

Unmittelbar nach dem 3:1-Triumph über Meister Rapid hatte Austria-Mäzen Frank Stronach erklärt, dass es zwischen ihm und Polster unterschiedliche Ansichten gäbe. Fünf Monate und neun Tage nach Polsters Antritt war die "Ehe" offiziell geschieden, verlor Austria nach Herbert Prohaska und Walter Schachner eine weitere Ikone. "Unser Dienstverhältnis ist mit heutigem Tag gelöst", erklärte der völlig niedergeschlagene und enttäuschte Polster, der den Cup als Abschiedsgeschenk empfand.

Der 41-Jährige stand in den Katakomben des Prater-Ovals bis fast nach Mitternacht den fragenden Journalisten Rede und Antwort, wobei es ihm manchmal sehr schwer fiel, Tränen zu verbergen. Er sei traurig, nach so kurzer Zeit den Klub wieder verlassen zu müssen. Einen Tag vor dem Heiligen Abend 2004 war er als neuer starker Austria-Mann "mit so großer Macht wie noch keiner vor ihm" und einem Drei-Jahres-Vertrag in der Tasche vom austro-kanadischen Milliardär unter den violetten Christbaum gelegt worden.

"Keine fristlose Entlassung"
Und nun kommen wie schon so oft in jüngerer Vergangenheit in Favoriten bzw. in Oberwaltersdorf die Anwälte ins Spiel. Pikanterie am Rande: Polster, der angeblich 500.00 Euro pro Jahr verdient haben soll, wird von Rechtsanwalt Skender Fani beraten, der sich auch im Umfeld des Austria-Mäzens bewegt. Jetzt hofft er auf eine einvernehmliche Lösung. "Von einer fristlosen Entlassung kann keine Rede sein, ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen, gute Arbeit geleistet", verteidigt sich Polster.

Vielmehr habe er den Verein nach vorne gebracht und einen guten Weg eingeleitet. Leider habe er die Aufgabe nicht zu Ende führen können. "Ich hätte weitergemacht. Ich gehe erhobenen Hauptes, habe alles versucht. Unter dem Strich war ich zu wenig biegsam. Wir haben nicht zusammengepasst, aber ich möchte keine Schmutzwäsche waschen", sagte der ÖFB-Rekordtorschütze. Er vergleicht die Austria mit einem Edelstein, der poliert gehört statt auf auf ihn immer mit einem Hammer draufzuhauen.

"Hatte nicht die Kompetenzen, die mir zugesagt wurden"
Er habe viel bewirken wollen, "aber ich hatte nicht die Kompetenzen, die mir zugesagt wurden". Er sei immer ehrlich gewesen, habe immer jeden ins Gesicht schauen können - auch Stronach. Vorwürfe lässt er nicht auf sich sitzen. Am Transfer von Roland Linz, der auf Stronach-Weisung nicht zur Admira durfte, sondern zu Sturm wechseln musste, sagt Polster: "Ich habe das Angebot angenommen, das das beste für die Austria war. Und Pasching-Trainer Georg Zellhofer habe ich kein konkretes Angebot gemacht."

Dass er Prohaska in die Austria, einem "supergeilen Verein", wieder integrieren habe wollen, stimme hingegen. "Das war mit dem Boss besprochen. Dass ich aber im Hintergrund eine Revolte oder einen Putsch geplant hätte, ist völliger Blödsinn", erklärte Polster. Austria habe unbegrenzte Möglichkeiten, "aber zum Fußball zählen auch Herz, Tradition, Leidenschaft und vor allem Menschen und Fans." Wenn er alles vorher gewusst hätte, wäre er nicht nach Wien gekommen. Als persönliche Niederlage empfinde er den Abschied trotzdem nicht.

Kronsteiner Polsters größter Fehler
Wenn er einen Fehler begangen habe, dann den, Sportdirektor Günter Kronsteiner nicht gleich entlassen zu haben. Die Freude der Fans, die erstmals seit 20 Jahren das Überwintern im Europacup feierten, sei größer gewesen als seine eigene Entschlossenheit zum Rauswurf. "Ich wollte die Stimmung nicht trüben. Die menschlich größte Enttäuschung war Kronsteiner, ich habe ihm 100 Mal die Hand gereicht, Trainer Lars Söndergaard war okay." Neben der Unruhe im Verein waren die Heimschwäche und die mangelnde Chancenauswertung zwei weitere wichtige Faktoren, warum er am Ende die Meisterschale nicht in die Höhe stemmen durfte.

Aber seine berufliche Zukunft hat sich Polster noch keine näheren Gedanken gemacht. "Vielleicht fange ich mit der Trainier-Prüfung an, ich kann mir aber auch vorstellen, für einen anderen Klub tätig zu sein. Ich weiß ja, wie es geht." Und wer weiß, wenn der Onkel mit dem Geld nicht mehr bei der Austria ist, kommt Toni zurück in seine violette Familie. Sicher ist, dass seine Frau und seine Kinder nach Wien übersiedeln. Eine Immobilie wurde bereits erstanden. "Unser Lebensmittelpunkt wird Wien sein und der Austria, die ich liebe, drücke ich weiter die Daumen."

(apa/red)